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22. August 2018
Thomas Vorwerk
für satt.org


  BlacKKKlansman (Spike Lee)


BlacKKKlansman
(Spike Lee)

USA 2018, Buch: Charlie Wachtel, David Rabinowitz, Spike Lee, Kevin Willmott, Vorlage: Ron Stallworth, Kamera: Chayse Irvin, Schnitt: Barry Brown, Musik: Terence Blanchard, mit John David Washington (Ron Stallworth), Adam Driver (Flip Zimmerman), Laura Harrier (Patrice Dumas), Topher Grace (David Duke), Ryan Eggold (Walter Breachway), Jasper Pääkkönen (Felix Kendrickson), Corey Hawkins (Kwame Ture), Paul Walter Hauser (Ivanhoe), Ashlie Atkinson (Connie Kendrickson), Alec Baldwin (Beauregard), Harry Belafonte (Jerome Turner), 135 Min., Kinostart: 23. August 2018

Trend der Woche: Bei zwei von drei Filmen »der Woche« (wird natürlich durch die Filmauswahl begünstigt) werden auf dem Plakat extra die Drehbuchautoren (einmal vier Kerle, einmal eine Autorin) per Namen erwähnt. Der andere Film ist Gundermann.

Die 1970er. Im Colorado Springs Police Department tritt mit Ron Stallworth (John David Washington) der erste schwarze Beamte seinen Dienst an. Nicht alle seine Kollegen erkennen darin einen Fortschritt, was seinen Job mit Schikanen und Anfeindungen versieht. Eine Wandlung zum Undercover-Agenten könnte diese unschönen Aspekte des Jobs dieses Cops mit einem hohen Gerechtigkeitsbewusstsein verringern, doch während sein Vorgesetzter ihn am liebsten dazu nutzen würde, potentiell extremistische Bürgerrechtler zu unterwandern, ruft Ron beim örtlichen KuKluxKlan an und will dort - als vermeintlicher (und natürlich weißer) Rassist - Mitglied werden.

BlacKKKlansman (Spike Lee)

© 2018 Focus Features LLC. All Rights Reserved.

Als man ihn zum Kennenlernen-Treffen einlädt, würde seine Hautfarbe die weitere Unterwanderung des Klans vermutlich erschweren, und so greift er auf seinen weißen Kollegen Flip Zimmerman (Adam Driver) zurück, der als Jude beim Klan auch nicht willkommen wäre, aber Flip legt keinen gesteigerten Wert auf seine Wurzeln und verleugnet seine Herkunft generell eher, sieht also zumindest darin kein Problem.

Die auf einem authentischen Fall basierenden Ermittlungen werden immer absurder, wobei Regisseur Spike Lee sowohl die Spannungs- als auch die humoristischen Elemente betont. So hat Alec Baldwin einen Auftritt als inbrünstiger (Für-)Sprecher des KKK, den man dabei erlebt, wie er seine vorgefertigten dezent hasserfüllten Sprachhülsen vorträgt, wobei er aber immer wieder abzudriften droht. Nur einer von zahlreichen Punkten, bei denen Lee den Bezug zu den aktuellen politischen Problemen der USA sucht (Baldwin ist mittlerweile zum gefragten Trump-Parodisten avanciert).

BlacKKKlansman (Spike Lee)

© 2018 Focus Features LLC. All Rights Reserved.

Das Buch von Ron Stallworth habe ich nicht gelesen, aber einige der Handlungsstränge scheinen deutlich überzeichnet zu sein. Dass Stallworth den Anfängerfehler begang, seinen Mitgliedsausweis auf seinen tatsächliche Namen zu beantragen, was zu einem unerwarteten Hausbesuch führt, ist eine Sache, aber dass die beiden Polizisten die anfängliche Gefahr, den Klan-Mitgliedern könnte auffallen, dass der »so weiß« klingende Telefonpartner Ron nicht die selbe Stimme wie sein »Vor-Ort-Vertreter« Flip hat, auf lange Sicht mit sich tragen, indem auch fortan Ron die Telefonate führt, wirkt absurd.

Eine besondere Gefahr für Flips Undercover-Auftritte ist ein besonders argwöhnischer Klansman, der zwar in ihm keinen Schwarzen vermutet, dem aber sein außergewöhnlicher Riechkolben und andere Details (als »Zimmerman« tritt er ja glücklicherweise nicht auf) suspekt erscheinen, weshalb er seine Authentizität ständig hinterfragt, oft auch mit extremen Mitteln wie Befragungen unter gewissem Druck oder den Einsatz eines Lügendetektors.

BlacKKKlansman (Spike Lee)

© 2018 Focus Features LLC. All Rights Reserved.

Der Film kulminiert in einem Attentatsversuch (mit einer Bombe), den einige Klanmitglieder (ohne Flip einzuweihen) auf die schwarze Bürgerrechtlerin Patrice (Laura Harrier) unternehmen wollen, übrigens eine Frau, auf die Ron schon bei seinem ersten Auftritt als verdeckter Cop aufmerksam wurde - aber auch die Verstrickungen einer möglichen Beziehung mit seinem Job gehören zu den Absurditäten dieses Films, der im Grunde eine Verwechslungskomödie mit einem Polit-Thriller verbindet.

Während die Bombe gelegt werden soll, befindet sich nicht nur Flip unter den Klansleuten, die gerade mit David Duke (Topher Grace) einen angesehenen Politiker in ihrem Kreis empfangen. Als absolutes I-Tüpfelchen ist nun auch noch Ron als farbiger Bodyguard für den Schutz Dukes abgestellt worden - und der möchte, während um ihn herum Flips Cover aufzufliegen droht und generell die Kacke am Dampfen ist, auch noch ein Erinnerungsfoto mit David Duke schießen, bei dem er - für erklärte Rassisten ein Unding - auch noch direkten Körperkontakt sucht.

BlacKKKlansman (Spike Lee)

© 2018 Focus Features LLC. All Rights Reserved.

BlacKKKlansman ist ein immens unterhaltsamer, tatsächlich spannender und sehr politischer Film, bei dem Spike Lee zwar nicht plötzlich und unerwartet die Subtilität für sich entdeckt (zusammen mit Oliver Stone ist Spike für mich der Regisseur für politisches, engagiertes, aber nur selten unzweifelhaftes US-Kino), aber er sich, unter Geleitschutz der Produzenten von Get Out erstaunlich massentauglich zeigt (wenn man mal davon absieht, dass er nicht versucht, es auch noch den Rassisten recht zu machen).

Die ganze Geschichte ist so absurd und auf die Spitze getrieben, dass man sich dem Film nur schwer komplett entziehen kann. Selbst Lees wohl bester Film, Do the Right Thing, seine Romeo-and-Juliet-Geschichte Jungle Fever oder sein ziemlich straightes heist movie Inside Man waren meines Erachtens nicht für ein derart großes Publikum geeignet. Hoffen wir, dass es auch den Weg ins Kino findet.