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29. Oktober 2012
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Die Kinder vom Napf (Alice Schmid)
Die Kinder vom Napf (Alice Schmid)
Bildmaterial © Copyright MFA+ FilmDistribution e.K.
Die Kinder vom Napf (Alice Schmid)
Die Kinder vom Napf (Alice Schmid)


Die Kinder vom Napf
(Alice Schmid)

Schweiz 2011, Kamera, Ton: Alice Schmid, Schnitt: Caterina Mona, Musik, Sounddesign: Daniel Almada, mit Carolin, Celine, Dario, Erich, Isabelle, Jannic, Julia, Kilian, Laura, Linus, Marco, Markus, Michael, Michaela, Reto, Robin, Severin, Thomas, Ueli, 87 Min., Kinostart: 25. Oktober 2012

Als Eröffnungsfilm der diesjährigen »Generation« der Berlinale (als es noch »Kinderfilmfest« hieß, hatte man nicht das Gefühl, dass man es extra erklären müsse) erkämpfte sich dieser Film ausreichend Interesse für einen deutschen Kinostart, und das ist schön. Nicht schön, aber hübsch und amüsant ist ein Superlativ aus dem Presseheft: Die Kinder vom Napf war der vierterfolgreichste Dokumentarfilm, der 2011 in der Schweiz in die Kinos kam! Putzig.

Größtenteils wirklich putzig sind die titelgebenden Kinder aus schweizerischen Bergbauerfamilien, die die Regisseurin ein Jahr lang begleitete. Zu Beginn stapfen sie (wirklich stark!) in der frühmorgendlichen Dunkelheit beim Zusammenrotten für den komplexen Schulweg durch den Schnee, und im Verlauf prägen die wechselnden Jahreszeiten den Film, weitaus stärker als der Schulalltag, der einen anfangs an Nicolas Philliberts Être et avoir erinnert, ehe sich der Film insbesondere auch im Sommer auf den Kontakt mit der Natur, das Mithelfen im elterlichen Betrieb, aber auch die Gestaltung der Freizeit (ein Volksmusik-Trio auf selbstgebautem Podium!) konzentriert.

Abgesehen von der prächtigen Anfangsatmosphäre wirkt der Film zunächst etwas fahrig, zu geschmäcklerisch, doch nach und nach erfährt man mehr über die Zustände. Die Entvölkerung der Gegend wird im Schulunterricht clever thematisiert, einige Kinder wachsen einem wirklich ans Herz wie die kleine Laura Röösli, die süß ist wie Drew Barrymore zu E.T.-Zeiten, aber ein unübersehbares Lernproblem hat. Man macht sich wirklich Sorgen um sie.

Auch anderswo gibt es Probleme. Ein Wolf hat schon diverse Schafe gerissen, man hört sogar im Radio davon, aber wie genau sich das dann auflöst, das konnte ich dem Film nicht wirklich entnehmen (aber gewisse Lücken sind mir in einem Dokumentarfilm auch lieber als deutliche Erklärungen, die dann aber weniger dokumentarisch wirken).

Eine Stärke des Films sind der Tonschnitt und das Sounddesign. Da wird aus einem Alphorn fast unmerklich ein Motorrad. Die Tiergeräusche, die Atmosphäre, eine quietschende Schaukel. Die unvermeidliche Heidi-Mucke im Hintergrund stört da eher.

Ein gut in Worte umzusetzender Höhepunkt des Films, der dem geneigten Leser auch klarmachen könnte, ob Die Kinder vom Napf ihn ansprechen könnten, ist eine Brieffreundschaft, von der wir aber nur in die eine Seite Einblick erhalten. »Dear David, I live in Romoos. That's a village near the Napf. I like the Napf.«

Der Napf ist übrigens nicht, wie man aufgrund der konkaven Natur des Wortes annehmen könnte, ein Tal, sondern ein Berg zwischen den Kantonen Bern und Luzern. Und Bernhard Wicki, der Regisseur von Die Brücke, stammt aus Romoos!

'Napf said.