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Die Box




30. November 2011
Alexander Plaum
für satt.org


  Another Earth (Mike Cahill)
Another Earth (Mike Cahill)
Bildmaterial © 2011 Twentieth Century Fox
Another Earth (Mike Cahill)
Another Earth (Mike Cahill)
Another Earth (Mike Cahill)


Another Earth
(Mike Cahill)

USA 2011, Buch: mike Cahill, Brit Marling, Kamera, Schnitt: Mike Cahill, Musik: Fall on your Sword, Production Design: Darsi Monaco, mit William Mapother (John Burroughs), Brit Marling (Rhoda Williams), Matthew-Lee Erlbach (Alex), DJ Flava (Himself), Meggan Lennon (Maya Burroughs), AJ Diana (John's Son), Bruce Colbert, Paul Mezey, Ana Valle, Jeffrey Goldenberg, Joseph Bove (Symposium Speakers), Jordan Baker (Kim Williams), Flint beverage (Robert Williams), Robin Lord Taylor (Jeff Williams), 92 Min., Kinostart: 10. November 2011

Der Gewinner des Spezialpreises der Jury beim Sundance Filmfestival 2011 (Sparte: Drama) ist nun auch in deutschen Kinos angelaufen und bestätigt eine meiner Lieblingsthesen in Sachen Kino: Nicht fette Budgets und Effekte gepaart mit einer bombastischen Marketingkampagne machen einen Film aus, sondern eine gute Idee, künstlerische Ambition und überzeugende Darsteller.

Another Earth ist der erste Spielfilm des US-Amerikaners Mike Cahill, der bisher nur mit einer Doku (Boxers and Ballerinas) sowie als Kameramann und Cutter in Erscheinung getreten war. Gekostet hat der Streifen läppische 200.000 Dollar; zusammen mit seiner Freundin Brit Marling, die auch als Protagonistin agiert, hat Cahill ihn von Kopf bis Fuß federführend konzipiert und produziert. Der zweite Hauptdarsteller, William Mapother (übrigens ein Cousin von Tom Cruise) ist für ein besseres Taschengeld angetreten.

Genug vom kleinen Budget, kommen wir zum großen Inhalt. Another Earth erzählt die Geschichte der Astrophysikstudentin Rhoda Williams (Marling), die – jung, sympathisch und begabt, aber auch verantwortungslos - in einer sternenklaren Nacht betrunken ins Auto steigt. Kurz darauf sind zwei Menschen tot: die Ehefrau und der Sohn des Komponisten John Burroughs (Mapother); der Musiker selbst überlebt schwerverletzt. Kurz vor dem folgenschweren Unfall ist über das Radio eine wahnsinnige Meldung verkündet worden: Astronomen haben einen zweiten, der Erde extrem ähnlichen Planeten entdeckt, der fortan auch sichtbar ist. Sprung um vier Jahre nach vorne.

Rhoda Williams, psychisch angeschlagen, verschlossen und von Selbstmordgedanken begleitet, wird aus dem Gefängnis entlassen und führt fortan ein zurückgezogenes Leben als Reinigungsangestellte. Im Bewusstsein, Ihre Tat unabhängig von einer Gefängnisstrafe büßen und dem Opfer Ihre schwere Schuld eingestehen zu müssen, begibt Sie sich eines Tages zum Haus von Burroughs - der die Identität der Täterin nie erfahren hat. Als sich die Tür öffnet, und der vom Schicksal gezeichnete Witwer vor ihr steht, verlässt Rhoda jedoch der Mut. Sie gibt sich als Putzfrau aus und kann ihre Schuld in den nun folgenden Tagen und Wochen nur oberflächlich »wegwischen«, indem sie das heruntergekommene Haus des einsamen Mannes auf Vordermann bringt. Hauptthema der Alltagswelt, aber auch wichtiger Gesprächsstoff für John und seine neue Haushaltshilfe, ist derweil immer noch die Entdeckung der zweiten Erde und die Möglichkeit, als Gewinner eines Wettbewerbs eine Reise dorthin anzutreten. Rhoda sieht darin einen letzten Ausweg.

Mehr über den Plot und die darin reflektierte Philosophie zu verraten, hieße den Film zu verderben. Deshalb nur soviel: Es geht um Schuld, Sühne, Spiegelbilder bzw. Parallelwelten und ergibt schlussendlich eine Menge Sinn. Mit der etwas abstrusen Ausgangssituation (wo soll der Planet eigentlich herkommen?) muss man sich dabei natürlich abfinden. Dann können die intensiven Kammerspielqualitäten von Another Earth, die eingeflochtene Parabel des blinden Kollegen von Rhoda und natürlich die großartigen, kühlen Bilder sowie die reduzierte, aber intensive Soundkulisse des Films uneingeschränkt genossen und verarbeitet werden.

Another Earth ist ausdrücklich empfehlenswert und nach Moon von Duncan Jones ein weiterer Schritt in Richtung Renaissance des hochwertigen Autoren-Sci-Fi-Kinos.