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Die Box




19. Mai 2011
Thomas Vorwerk
für satt.org


Cinemania-Logo 73:
Back from the Past

Verschiedentlich wurde er sogar vermisst (Grüße nach Düsseldorf!), doch nach einem kinofreien April und einem Monat fast ohne Kritiken ist der satt.org-Filmredakteur wieder da. Und er hat was mitgebracht. Ein paar alte Kritiken, die noch irgendwo auf dem Redaktionsschreibtisch rumlagen, aber auch ein paar brandneue, unter anderem von unserer kurzfristigen New-York-Korrespondentin Shirin Schönberg (Grüße nach Braunschweig!). Und nach diesem Cinemania geht’s dann zurück zur Routine und zu wöchentlich zirka zwei Kritiken.


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Blue Valentine
(Derek Cianfrance)

USA 2010, Buch: Derek Cianfrance, Cami Delavigne, Joey Curtis, Kamera: Andrij Parekh, Schnitt: Jim Helton, Ron Patane, Musik: Grizzly Bear, Production Design: Inbal Weinberg, mit: Michelle Williams (Cindy), Ryan Gosling (Dean), Faith Wladyka (Frankie), Mike Vogel (Bobby), Kinostart: 4. August 2011, 112 Min.
[Rezension von Shirin Schönberg]

Es gibt Filme, die für den Oscar nominiert sind, und es verdienen. Es gibt Filme, die für den Oscar nominiert sind, und es nicht verdienen. Und dann gibt es Filme, die bei den Nominierungen anscheinend einfach übersehen werden. So ein Film ist Blue Valentine. Zwar gab es eine Nominierung für Michelle Williams als beste Hauptdarstellerin. Allerdings hatte sie gegen Natalie Portman keine Chance. Was ist schon die Charakterdarstellung einer verzweifelten Ehefrau gegen die Rolle einer gestörten Ballerina? Vor allem, weil sich Portman dafür schätzungsweise auf die Hälfte ihres normalen Gewichts herunter gehungert hat.

Als bester Film war Blue Valentine dann wohl aus dem Rennen, weil weder jemand stottert, noch sich den Arm abschneidet oder als nuschelnder, betrunkener Cowboy durch den Wilden Westen reitet. Vielleicht war es aber auch die Oralsexszene, die der Jury missfiel, und dem Film in den USA zunächst eine Altersbeschränkung ab 18 einbrachte (mittlerweile dürfen auch Jüngere den Film in Begleitung eines Erwachsenen sehen).

Verdient hätte Blue Valentine die Nominierung allemal, denn obwohl er weder mit Special Effects noch mit großen (Anti-)Helden aufwartet, sondern lediglich eine Trennungsgeschichte darstellt, wie sie sich täglich tausendfach abspielt, gehört er doch zu den sensibelsten und ehrlichsten Filmen, die Hollywood in den letzten Jahren hervorgebracht hat.

Die Ehe von Cindy (Michelle Williams) und Dean (Ryan Gosling) ist am Ende. Sie sieht in ihm eher ein zweites Kind, als einen verlässlichen Partner. Er ist sich bewusst, dass sie unglücklich ist, kann oder will aber nichts an sich oder ihrem gemeinsamen Leben ändern. In einem schäbigen Motto-Hotel unternehmen die beiden einen letzten, verzweifelten Versuch, ihre Beziehung zu retten.

Dabei beginnt ihre Geschichte so romantisch. In einem Pflegeheim sehen sich Cindy und Dean zum ersten Mal. Sie besucht ihre Großmutter, er hilft einem alten Mann beim Umzug. Für ihn ist es Liebe auf den ersten Blick, sie muss erst überzeugt werden, gibt ihm dann aber doch eine Chance.

Der Film springt zwischen diesen beiden Zeitpunkten hin und her. Zwischen der Gegenwart und den Versuchen des Paares, ihre Liebe zu retten, und dem Beginn ihrer Beziehung etwa sechs Jahre früher. Darüber nachzudenken, was in dieser Zeit passiert ist, das dieses Paar so verändert und letztendlich zerstört hat, bleibt dem Zuschauer überlassen.

Die Veränderung der Gefühle von Cindy und Dean darzustellen, von verliebt und hoffnungsvoll zu verbittert und abgestumpft, gelingt Williams und Gosling perfekt. Während Cindy zu Beginn ihrer Beziehung mit Dean noch ein lebenslustiges Mädchen ist, das auf keinen Fall so werden will wie ihre Eltern, ist sie ein paar Jahre später in sich gekehrt und unsicher. Dean, zu Beginn ein junger Mann voller Tatendrang, scheint sich später mit seinem Leben abgefunden zu haben und setzt nur noch für seine kleine Tochter Frankie (gespielt von Faith Wladyka) die Gute-Laune-Maske auf.

Da Blue Valentine mit dem Scheitern der Beziehung von Dean und Cindy beginnt, sind die glücklichsten Stellen des Films auch gleichzeitig die traurigsten. Regisseur Derek Cianfrance verknüpft die Versuche des Paares, ihre Probleme zu lösen, mit glücklichen Momenten aus ihrer Vergangenheit. Die vielleicht schönste Stelle des Films, ein Stepptanz von Cindy, während Dean Ukulele spielt und dazu mit schiefer Stimme You always hurt the one you love singt, wird zu einem Tanz im Hotelzimmer, bei dem sie teilnahmslos in seinen Armen hängt.

Bei den Schlüsselszenen des Films wird nicht an Symbolik gespart. Hinter dem Bus, in dem sich Cindy und Derek nach ihrer ersten Begegnung wiedertreffen und ins Gespräch kommen, scheint ein Regenbogen. Auf der anderen Seite ist das Hotelzimmer, das die beiden später mieten, kalt und ohne Fenster. Trotzdem wirken diese Zeichen nicht aufdringlich, sondern unterstützen lediglich die schauspielerische Leistung von Michelle Williams und Ryan Gosling, die das junge Paar mit so viel Intensität und ehrlichen Emotionen spielen, dass man ihnen die meiste Zeit zurufen möchte: »Ihr schafft das, ihr liebt euch doch!«

Und was bleibt am Schluss? Traurigkeit. Und die Erkenntnis, dass manchmal, egal wie sehr man es sich wünscht, einfach nichts mehr da ist, worum man kämpfen könnte.

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Almanya - Willkommen in Deutschland
(Yasemin Samdereli, Berlinale Wettbewerb)

Deutschland 2011, Buch: Yasemin Samderel, Nesrin Samdereli, Kamera: The Chau Ngo, Schnitt: Andrea Mertens, Ton: Christian Götz, Musik: Gerd Baumann, Kostüm: Steffi Bruhn, mit Vedat Erincin (Hüseyin, alt), Fahri Yardim (Hüseyin, jung), Aylin Tezel (Canan), Lilay Huser (Fatma, alt), Demet Gül (Fatma, jung), Denis Moschitto (Ali), Rafael Koussouris (Cenk), Petra Schmidt-Schaller (Gabi), Aykut Kayacik (Veli, erwachsen), Aycan Vardar (Veli, 10 Jahre), Ercan Karacayli (Muhamed, erwachsen), Kaan Aydogdu (Muhamed, 8 Jahre), Siir Eloglu (Leyla, erwachsen), Aliya Artuc (Leyla, 4 Jahre), Trystan Pütter (David), Axel Milberg (deutscher Beamter), Antoine Monot, jr. (Nachbar), Oliver Nägele (Politiker), Jule Ronstedt (Lehrerin), Arnd Schimkat (Polizist), Tim Seyfi (Gemüsehändler), Walter Sittler (Mann im Krämerladen), Aglaia Szyszkowitz (Ärztin), Katharina Thalbach (Frau im Bus), Saskia Vester (Nachbarin), 97 Min. Kinostart: 10. März 2011
[Rezension von Friederike Kapp]

Die besten Komödien behandeln ernste Themen. Almanya handelt von der größten deutschen Einwanderergruppe und ist superlustig. Wurde der einemillionste »Gastarbeiter«, der Portugiese Armando Rodrigues de Sà, 1964 noch mit Blumenstrauß und einem Mofa öffentlich beschenkt und gefeiert – eine historische Tatsache – , interessiert sich für den einemillionundersten Gastarbeiter, den Türken Hüsein (jung: Fahri Yardim), dessen Leben der Film exemplarisch erzählt, kein Schwein mehr. Man kann Günter Wallraff lesen (»Ganz unten«, 1985) – trist, faktenreich und notwendig. Man kann aber auch Almanya kucken – lustig, faktentreu und fällig.

Hüsein hat alle Mühen des typischen Industrie-Gastarbeiters durchlebt, der angeworben wurde, um zu schuften, die junge Familie nachgeholt hat, in Deutschland alt und in der alten Heimat ein bißchen fremd geworden ist. Zwei seiner drei erwachsenen Kinder sind geschieden, Sohn Ali (Denis Moschitto) und seine Frau Gabi (Petra Schmidt-Schaller) führen eine fröhliche junge Stin-Ehe. Deren Sohn Cenk (Rafael Koussouris), Hüseins jüngster Enkel, stürzt in eine Identitätskrise, als die Jungs in der Klasse beim Kicken zwei Fußballmannschaften aufstellen – Deutsche gegen Türken. Beide Teams wollen ihn nicht dabeihaben.

Während Hüseins Frau Fatma (alt: Lilay Huser) sich über die endlich errungene deutsche Staatsbürgerschaft freut, hat Hüsein der Sehnsucht nach dem Land seiner Jugend nachgegeben und in der Türkei ein Haus gekauft – nach alter Patriarchenmanier ohne vorherige Abstimmung mit irgendwem und folglich zur Überraschung aller. Er verordnet eine Reise, die gesamte Familie bricht auf. Unterwegs erzählt Enkelin Canan (Aylin Tezel) ihrem kleinen Cousin Cenk die Geschichte seines Opas.

In den Rückblenden, die ihre Erzählung ins Bild setzen, wird schamlos übertrieben, vereinfacht, ausgeschmückt und zugespitzt. Hüseins Kinder wissen, dass die Deutschen Kartoffeln, Schweine- und Menschenfleisch essen (Jesus). Hüseins Frau (jung: Demet Gül) erfährt noch von den Nachbarinnen im türkischen Dorf, wie dreckig die Deutschen sind. Das Außenklo auf halber Treppe, das sie in ihrer ersten deutschen Altbauwohnung zu sehen kriegt, bestätigt dies zweifelsfrei.

Die Type-Cast-Besetzung mit bekannten Darstellern gebiert eine schaulüsterne Erwartung, die nicht enttäuscht wird. Denis Moschitto, Fahri Yardim haben schon in dem ähnlich gestrickten Kebab Connection mitgespielt, Denis Moschitto und der gemütliche, immer leicht prollige Aykut Kaydik in Süperseks, Aylin Tezel, Fahri Yardim und Lilay Huser in der Fernsehserie »Türkisch für Anfänger« (ab 2006) der Samdereli-Schwestern. Nahezu alle Hauptfiguren sind darüber hinaus als prototypische, halb-, dreiviertel- oder vollintegrierte Migranten aus diversen Fernsehserien bekannt (u. a. Tatort, Großstadtrevier, Alarm für Cobra 11). Axel Milberg (Tatort-Kommissar Borowski) verkörpert Hüseins Alptraum eines Einbürgerungsbeamten, der die alteingesessenen Neubürger mit der Verpflichtung zu lebenslänglichem Tatort-Kucken auf die deutsche Leitkultur einschwört.

Vedat Erincins Figur des alten Hüsein ist der des friedfertigen, lebenserfahrenen Vaters in Shahada recht ähnlich, aber ohne dessen zwickmühlige Lebensumstände und perspektivlos-pazifistische Ohnmacht.

Ganz besonders gelungen und witzig ist das künstliche Ersatzdeutsch, das sich die Samderelis ausgedacht haben, um in einem deutschsprachigen Film zu illustrieren, wie viel bzw. wenig die frisch angekommene junge Familie in ihrem neuen Domizil versteht. Sprachmusikalischer als Chaplins The Great Dictator, klingt hier eher Hape Kerkeling durch (»Hurz«).

Gegen Ende verlässt der Film den Bereich von Slapstick und Burleske und wendet sich mit poetischer Melancholie dem allerletzten Abschnitt im Leben eines Menschen zu. Vergangenheit und Gegenwart der Protagonisten treten in Gestalt der Darsteller von alt und jung versöhnt nebeneinander.

Almanya ist thematisch wie darstellerisch ein sehr deutscher Film und – Überraschung! das ist ein großes Lob. Der Film funktioniert hervorragend. Den sieht man sich gerne auch ein zweites Mal an.

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Happythankyoumoreplease
(Josh Radnor)

USA 2010, Buch: Josh Radnor, Kamera: Seamus Tierney, Schnitt: Michael R. Miller, Musik: Jaymay, mit Josh Radnor (Sam Wexler), Malin Akerman (Annie), Michael Algieri (Rasheen), Zoe Kazan (Mary Catherine), Kate Mara (Mississippi), Pablo Schreiber (Charlie), Tony Hale (Sam #2), 100 Min., Kinostart: noch nicht bekannt
[Rezension von Shirin Schönberg]

Happythankyoumoreplease anzusehen ist wie eine gute Kurzgeschichte zu lesen. Oder eher drei gute Kurzgeschichten. Die Handlung beschränkt sich auf wenige Personen, spielt an wenigen Orten und findet in einer sehr überschaubaren Zeitspanne statt. Trotzdem bietet der Film mehr Originalität als viele stundenlange Epen oder gar Mehrteiler und hat sogar eine Botschaft (ja, es gibt noch Filme mit Botschaft), die nicht lautet, dass am Ende bei allem Leid doch glücklich wird, wer ein Mindestmaß an Attraktivität nicht unterschreitet.

Da ist Sam (Josh Radnor, bekannt als Ted aus How I met your Mother), Ende zwanzig und Schriftsteller in New York, was soweit noch nicht besonders originell ist, jeder junge New Yorker ist schließlich irgendwie auch Schriftsteller. Er versucht gerade seinen ersten Roman an den Verleger zu bringen, als er in der U-Bahn mitbekommt wie ein kleiner Junge von seiner Familie getrennt wird. Kurzerhand beschließt er Rasheen (gespielt von Michael Algieri) zu seinen Eltern zurückzubringen, was sich jedoch als gar nicht so einfach herausstellt, da der Junge aus einer Pflegefamilie kommt, in die er partout nicht zurück möchte.

Sams beste Freundin ist Annie (Malin Akerman). Sie hat eine seltene Immunkrankheit, die dafür sorgt, dass ihr keine Haare wachsen. Annie ist der starke, unabhängige Typ Frau. Trotzdem hat sie Minderwertigkeitskomplexe und lässt sich immer wieder mit ihrem Verlierer-Exfreund ein. Doch dann lernt Annie ihren Arbeitskollegen Sam (# 2) kennen. Eigentlich ist er gar nicht ihr Typ, nett, zuverlässig und von ihr absolut hingerissen, doch gerade mal wieder vom Exfreund sitzen gelassen gibt sie ihm eine Chance.

Mary Catherine und Charlie sind schwer verliebt, schlittern aber auf eine Beziehungskrise zu, als Charlie andeutet, dass er gern, der Karriere wegen, nach Los Angeles ziehen würde. Plötzlich müssen sich die beiden klar darüber werden, wie viel sie einander tatsächlich bedeuten und wie ernsthaft ihre Beziehung ist. Die drei Geschichten kreuzen sich immer wieder, nehmen ungeahnte Wendungen und werden so zu einem 100minütigen, kurzweiligen Feel-Good-Movie über die Liebe und das Leben. Gut, einige Lacher sind vielleicht zu gewollt. Als Sam Rasheen bittet nicht so schnell zu rennen, weil er fast dreißig ist, kommt das ein wenig gestellt rüber. Allerdings wird man gleich darauf mit wunderbaren Dialogen und Bildern entschädigt. So beschreibt Annie ihren Kollegen Sam #2, als den Typen, von dem man erwarten würde, dass er auf Kindergeburtstagen Luftballontiere bastelt. Und Sam setzt mit seiner neuen Flamme, der Kellnerin Mississippi (Kate Mara), einen Vertrag auf, der sie verpflichtet drei Tage bei ihm zu wohnen, weil sie sinnlosen One-Night-Stands abgeschworen hat.

Happythankyoumoreplease ist das Regiedebüt von Josh Radnor, der außerdem das Drehbuch geschrieben und eine der Hauptrollen übernommen hat, und wurde auf dem Sundance Film Festival mit dem Zuschauerpreis ausgezeichnet. Den Erfolg hat der Film vor allem seinen Figuren zu verdanken, die, wie die meisten Menschen, auf der Suche nach einem glücklichen Leben sind und sich dabei mehr oder weniger selbst im Weg stehen. Zwischen zwanzig und dreißig und gar nicht so sicher, ob sie wirklich schon erwachsen sind, versuchen sie in einem Chaos aus Karriereplänen, Beziehungsproblemen, eigenen Erwartungen und den Anforderungen der Gesellschaft ihren Platz zu finden. Dabei wollen nicht so sein wie alle anderen, aber auch nicht ganz anders und treffen damit den Nerv einer ganzen Generation, die zwar alle Möglichkeiten hat ein aufregendes, alternatives Leben zu führen, aber insgeheim doch von einer Hollywoodschaukel im Schrebergarten träumt.

Man erkennt sich wieder in Sam, Annie und den anderen und fühlt sich am Ende des Films deswegen auch angesprochen, wenn Annie Sam auf den Anrufbeantworter spricht, dass er es verdient geliebt zu werden, dass wir es alle verdienen geliebt zu werden. Ja, es wird viel Schlechtes über Feel-Good-Movies gesagt und man mag auch diese Komödie belanglos und seicht finden. Aber als ich aus dem Kino kam fühlte ich mich happy. Thank you. More please.

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Das Hausmädchen (Im Sang-soo)

Das Hausmädchen
(Im Sang-soo)

Originaltitel: Hanyo, Buch: Im Sang-soo, Vorlage: Kim Ki-young, Kamera: Lee Hyung-deok, Schnitt: Lee Eun-soo, Musik: Kim Hong-jip, mit Jeon Do-youn (Eun-yi), Lee Jung-jae (Hoon), Seo Woo (Hae-ra), Ahn Seo-hyun (Nami), Youn Yuh-jung (Byung-sik), 106 Min., Kinostart: 21. April 2011
[Rezension von Thomas Vorwerk]

Die etwas naive Eun-yin (Jeon Do-youn aus My Dear Enemy oder Secret Sunshine) lebt mit einer Freundin zusammen, als sie bei der reichen Familie Goh die Stelle des Hausmädchen ergattert, wo sie sich um eine junge Tochter und die mit Zwillingen schwangere Hausherrin Hae-ra kümmern soll.

Schon die Grundsituation dieses Remakes des koreanischen Klassikers Hanyo von 1960, ist reichlich verändert. Von der Vorgeschichte des Hausmädchens erfährt man reichlich wenig, der Klassenunterschied zu den neuen Arbeitgebern könnte hingegen kaum auffälliger sein (die Ausstattung schwelgt in der High-Class-Inneneinrichtung). Und es gibt mit der Hausdame Byung-sik (Youn Yuh-jung, spielte bereits 1970 in Kim Ki-youngs The Insect Woman mit), die nach und nach durchsickern lässt, dass sie bereits ein ähnliches Schicksal als Hausangestellte hinter sich hat, eine komplett neue Figur, die zu den positivsten Veränderungen der Filmbearbeitung führt.

Die auffälligste Veränderung hindes ist es, dass nicht das Hausmädchen die Bedrohung der Familie à la Glenn Close ist, sondern der durchtriebene Hausherr, der von seiner hochschwangeren Gattin nicht den nötigen »Release« erhält, macht sich recht skrupellos an die schüchterne junge Frau heran (dass diese sich dadurch geschmeichelt und beachtet zu scheinen fühlt, wird teilweise bereits durch die Behandlung, die er ihr angedeien lässt, wieder untergraben).

Und zwar, 50 Jahre sind vergangen, ohne viel Drumherum, sondern mit Bildern, die schon fast in Richtung Softporno gehen, wie das Filmplakat mit dem angedeuteten Blow-Job auch klar zur Vermarktung des Films benutzt.

Somit ist Eun-yi hier nicht die Täterin, sondern das Opfer, das von der skrupellosen bösen Schwiegermutter (zunächst unter unvorsichtiger Beihilfe Byung-siks) möglichst schnell von einer ungewollten Schwangerschaft oder notfalls auch vom Leben getrennt werden soll. Besonders perfide ist hierbei, dass Eun-yi selbst noch gar nicht mitbekommen hat, dass sie schwanger ist (ihre Naivität erwähnte ich bereits), während die Hausdame Byung-sik dies mit Lebenserfahrung und Aufmerksamkeit sehr schnell erkennt und an die Chefetage (hier: die Schwiegermutter des Schwängerers) weitergibt.

Aus dieser Situation könnte sich ein bitterböser Thriller entwickeln, doch der Regisseur scheint mehr an beißender Sozialkritik á la Chabrol als an Suspense à la Hitchcock interessiert. Und so bleibt man als Betrachter relativ gleichgültiger Zeuge der Entwicklungen, die schließlich in einem spektakulären, aber extrem absurden Selbstmordversuch kulminieren, und bei den over-the-top Geburtstagsgeschenken der Zwillinge einige Jahre später (alles spricht für eine anstehende Wiederholung der Ereignisse mit neuen Opfern) mehr Subtilität walten lassen, als dem Stoff guttut.

Als ich vor sechs Jahren den Original-Hanyo sah (siehe dort), wirkte daran vieles veraltet, aber die Wirkung war ungemindert. Beim Remake fühlt sich auch als Zeitgenosse seltsam distanziert, aber vor allem ist die Inszenierung zwar intensiv, aber sie bleibt zu 85% an der Oberfläche. Selbst eine nicht besonders gut dressierte Ratte in einem Küchenschrank schockte damals stärker als die wohldosierten Provokationen und Abgründe dieses viel zu zahmen »hübschen« Remakes.

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Coriolanus
(Ralph Fiennes, Berlinale Wettbewerb)

Großbritannien 2010, Buch: John Logan, Lit. Vorlage: William Shakespeare, Kamera: Barry Ackroyd BSC, Schnitt: Nic Gaster, Musik: Ilan Eshkeri, mit Ralph Fiennes (Caius Martius »Coriolanus«), Gerard Butler (Tullus Aufidius), Brian Cox (Menenius), Vanessa Redgrave (Volumnia), Jessica Chastain (Virgilia), John Kani (General Cominius), James Nesbitt (Sicinius), Paul Jesson (Brutus), Lubna Azabal (Tamora), Ashraf Barhom Cassius), Dragan Miéanovié (Titus Lartius), Harry Fenn (Martius jr.), 122 Min.
[Rezension von Friederike Kapp]

In seinem Regiedebüt widmet Ralph Fiennes sich Shakespeares gleichnamiger Tragödie. Heraus kommt wenig mehr als eine aufwendige Bebilderung der literarischen Vorlage.

Der Patrizier Caius Martius »Coriolanus« (Ralph Fiennes), ein tapferer Soldat und siegreicher Heerführer, soll auf Betreiben seiner ehrgeizigen Mutter Volumnis (Vanessa Redgrave) Konsul werden. Dafür jedoch benötigt er die Stimmen der Plebejer. Unfähig und unwillig, dem Volk zu schmeicheln, läßt er zu, daß die ursprüngliche Zustimmung der Plebs durch die Hetzreden der Volkstribunen Sicinus (James Nesbit) und Brutus (Paul Jesson) in Ablehnung, sogar Haß umschlägt; er wird aus der Stadt verbannt. Zutiefst empört, versöhnt er sich mit dem Anführer der Volsker, seinem Intimfeind Auridius (Gerard Butler), um mit ihm gemeinsam gegen Rom zu marschieren. Erst auf das eloquente Flehen der Mutter, seiner Ehefrau Virgilia (Jessica Chastain) und seines Sohnes Martius (Harry Fenn) hin ändert er seinen Plan und handelt einen Friedensvertrag aus zwischen Rom und den Volskern. Auridius fühlt sich betrogen, fürchtet die persönliche Entmachtung wie die seines Stammes und tötet Coriolan.

Das Drehbuch hat die Handlung in eine unbestimmte Jetztzeit verlegt, was der Geschichte nicht gut tut. Die Adaption der Vorlage wirkt unglaubwürdig und wenig durchdacht. Die modernen Kommunikationsmittel spielen trotz allgegenwärtiger Fernsehbilder keine Rolle, und so bespricht sich Coriolanus ausschließlich mit Menschen, die physisch anwesend sind. Gleichzeitig kämpft seine Armee in der Stadt Corioli (engl.: Corioles) mit MGs und lasergestützten Zielsuchern. Undenkbar auch, daß ein ins 21. Jahrhundert imaginiertes »Rom« einen zentralen Getreidespeicher hat, vor dessen Maschendrahtzaun das hungernde Volk murrt.

Die Kampfszenen, die neben diversen Hinterzimmergesprächen einen wesentlichen Teil des Films ausmachen, sind extrem schlecht choreographiert und dramaturgisch lieblos in Szene gesetzt. Es wimmelt von Detailaufnahmen mit unmotivierter Wackelkamera und unscharfen Reißschwenks, die nichts erkennen lassen. Entsprechend schlecht sind die Räume organisiert. Wer warum welches Treppenhaus stürmt, aus welchem Fenster fällt: egal. Eine Handlung, die mitvollzogen werden könnte, eine militärische Taktik ergeben sich daraus nicht. Wenn einer zu Boden sinkt und liegen bleibt, wird der andere wohl gewonnen haben.

Mehr als einmal überschreitet der Film die Grenze zur Albernheit. Minutenlang hält die Kamera auf Coriolanus’ blutüberströmten rasierten Schädel, in dessen dreckverschmiertem Gesicht klare, offene Augen Entschlossenheit symbolisieren. Eine stilisierte Kriegsikone, die allerdings – wie auch die schmucken Schnittnarben in Fiennes Gesicht – auf archaische Kriege verweist, auf den Kampf mit der Klinge, auf den Mythos »Mann gegen Mann«. Keine MG-Salve hinterläßt eine so ansehnliche Oberfläche.

Viele weitere Unstimmigkeiten machen den guten Willen des Zuschauers zunichte. Warum leben die Bewohner der besiegten Stadt in Wohnungen, die wie Industriebauten aussehen, ohne Tapeten, mit schlecht verputzten Wänden?

Das Volkstribunal gegen Coriolanus findet vor laufender Fernsehkamera statt (Moderne!) in einer Art Contesttalk mit Publikumsvotum, was bedeuten muß, daß die Plebs von Rom aus genau so vielen Personen besteht, wie als Saalbesucher ins Studio passen.

Der verurteilte Coriolanus wandert mit schwerem Gepäck in die Verbannung. Ein Laster nimmt ihn ein Stück mit. (Moderne!) Sein erstes Quartier nimmt er ohne erkennbaren Grund mitten in einem sumpfigen Weiher. Mit zotteligen Bart kommt er in Antium an. Nach der Länge seiner Haare zu urteilen, hat er trotz Autostop für die 60 km zwischen Rom und Antium mindestens ein halbes Jahr gebraucht. Sein speckiges Sweatshirt ist entsprechend eingesaut, sein volles Haupthaar wallt jedoch frisch gewaschen. Die liebevolle Rasur schließlich, die Auridius höchstpersönlich Coriolanus nach vollzogener Einigung angedeihen läßt, legt einen unvermindert sonnengebräunten Schädel frei.

Und die Sprache: Daß Auridius’ Englisch eine schottische Färbung hat (»breeeking his oooth«), mag noch angehen, als Analogie des historischen Verhältnisses zwischen Schotten und Engländern mit den Volskern und Römern. Aber warum spricht die römische Plebs Englisch mit südeuropäischem Akzent?

Die visuelle Unterlegung von Volumias Bittrede verläßt sich auf die ausdrucksvolle Mimik von Vanessa Redgrave und Ralph Fiennes: ihr Mund, ihre Augen, seine Augen, sein Mund, wieder und wieder. Rede und Gegenrede sind gut vorgetragen, präzise, lebendig. Doch wo kein erzählerischer Standpunkt, keine Fabel, kein thematischer roter Faden die einfallslose Bilderkette durchziehen, bleibt nur Material für ein gutes Hörspiel.

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Der Biber (Jodie Foster)

Der Biber
(Jodie Foster)

Originaltitel: The Beaver, USA 2011, Buch: Kyle Killen, Kamera: Hagen Bogdanski, Schnitt: Lynzee Klingman, Musik: Marcelo Zarvos, mit Mel Gibson (Walter Black), Jodie Foster (Meredith Black), Anton Yelchin (Porter Black), Riley Thomas Stewart (Henry Black), Jennifer Lawrence (Norah), Cherry Jones (Vice President), Matt Lauer, Jon Stewart, Terry Gross (Themselves), 91 Min., Kinostart: 19. Mai 2011
[Rezension von Thomas Vorwerk]

In der Musikbranche gibt es das »difficult third album«, Jodie Foster traut sich hier nach Little Man Tate und Home for the Holidays an ihre dritte Regiearbeit. (Und nach meiner unmassgeblichen Meinung entscheidet sich ein Großteil der Qualität von Regiearbeiten von Schauspielern und Schauspielerinnen bereits am Detail, ob sie mitspielen - Paradebeispiele: Regiearbeiten von Robert Redford - , was bei Frau Foster hier zum dritten Mal der Fall ist.)

Im Presseheft wird angedeutet, wieviele Regisseure sich um den Stoff gerissen haben (Übersetzung: keiner hat sich an die absurde Geschichte herangetraut), und natürlich war ausgerechnet Jodie Foster jenes Regie-Ausnahmetalent, für das das Projekt wie geschaffen schien. Es gibt nur wenig, was mir die Galle stärker hochkommen lässt als manche Pressehefte, und sogenannte »Filmkritiken«, die die angesammelten Lobhudeleien unreflektiert abschreiben. Dass Jodie Foster in letzter Zeit eher etwas unterbeschäftigt war mit Schauspielangeboten, und unter ihren wenigen Filmen einige ziemliche Stinker waren, wird im Presseheft nicht zu den Faktoren für das Zustandekommen des Films (der gerüchteweise übrigens schon seit gut anderthalb Jahren abgedreht sein soll) hinzugezählt.

Natürlich liest man im Presseheft, dass Jodie Foster zwei Oscars gewann (wenn auch nicht als Regisseurin) und Mel Gibson ebenso (wenn auch nicht als Schauspieler). Und die beiden Ausnahmetalente (was ich in früheren Jahrzehnten für beide unterschrieben hätte), sind außerdem »Freunde« (ein in Presseheften oft benutzter Begriff, der mich immer an Facebook-«Freunde« erinnert) seit Maverick (1994), meiner unmassgeblichen Meinung nach einer der überflüssigsten Filme in Frau Fosters zu jenem Zeitpunkt bereits weit über zwanzig Jahre spannenden Darstellerkarriere.

Aber genug Vorurteile. Als ich den Film betrachtete (das war Ende März, es gab aber ein fünfwöchiges Veröffentlichungsverbot - meistens ein schlechtes Zeichen - und deshalb verschob ich das Abfassen des Textes auf einen späteren Zeitpunkt), wusste ich so gut wie nichts über den Film und hatte aufgrund des Plakatmotivs im schlimmsten Fall mit einem amerikanischen Remake von Keinohrhasen gerechnet.

Doch schon bei den ersten Bildern wusste ich, dass mir der Film nicht gefallen würde. Der Tonfall einer Voice-Over-Passage war mir bereits zuwider, zwar konnte ich die Absichten des Films erkennen, doch das verbesserte meine Stimmung nicht.

Der Inhalt ist kurz umschrieben. Walter Black (Mel Gibson), der krisengeschüttelte Manager einer Spielzeugfirma, die auch schon bessere Zeiten gesehen hat, kehrt nach dem Fund einer Biber-Handpuppe in einem Müllcontainer voller neuer Zuversicht und mit einer neuen, verbesserten Persönlichkeit, die sich über die Handpuppe mitteilt, zu Familie und Firma zurück. Nach anfänglichen Zweifeln »Walter, what’s with the accent and the puppet?« müssen Frau, Kinder und Vizepräsidentin einsehen, dass »der Biber« eine Verbesserung ist (die Handpuppe selbst entwickelt sich zu einem veritablen Verkaufsschlager), doch die schizophrene Situation lässt sich trotz der neugestärkten Bindung zum jüngeren Sohn nicht ohne weiteres in die Ehe einbinden, wo selbst im Schlafzimmer mitunter der Biber seine Alpha-Tierchen-Qualitäten zeigt (was leider im Film nicht so interessant ist, wie ich es hier umschreibe). Es kommt zu einer nicht nur psychischen Konfrontation, die Walter zwar gegen den Biber gewinnt, doch auch die Glaubwürdigkeit des Films wird hierbei beschnitten.

Man erkennt, dass der Film vom Tonfall her der beschwingt depressiven Fröhlichkeit von American Beauty nacheifert, und beim Subplot zwischen dem frustrierten älteren Sohn (Anton Yelchin) und seiner Freundin (als Cheerleader-Blondchen kaum wiederzuerkennen: Jennifer Lawrence aus Winter’s Bone) sieht man ungeachtet der Carpe Diem / Dead Poet’s Society-Anklänge noch das größte Potential des Films (das sich dann aber auf ca. eine Viertelstunde des Films beschränkt). Der Rest dümpelt zwischen Ehe-Drama und der absurden Fallstudie, und selbst, wenn Mel Gibson angesichts seiner Fehlentscheidungen in der Öffentlichkeitsarbeit der letzten Jahre erstaunlich viel Mut und Selbstironie in der Rolle zeigt, verliert man angesichts der formelhaften Entwicklung des zweiten Drittels des Films schnell das Interesse, um dann im ausgeflippten letzten Drittel des Films nur noch auf eine Erlösung zu hoffen. Manchmal ist es doch besser, ein vermeintlich »unverfilmbares« Drehbuch einfach nicht zu verfilmen.

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The Roommate
(Christian E. Christiansen)

USA 2011, Buch: Sonny Mallhi, Kamera: Phil Parmet, Schnitt: Randy Bricker, Musik: John Frizzell, mit Leighton Meester (Rebecca), Minka Kelly (Sara Matthews), Cam Gigandet (Stephen), Aly Michalka (Tracy), Danneel Harris (Irene), Frances Fisher (Rebeccas Mutter), Billy Zane (Professor Roberts), 88 Min., Kinostart: 31. März 2011
[Rezension von Thomas Vorwerk]

Für ein junges Publikum, das nicht erst nachschlagen muss, woher man Leighton Meester, Minka Kelly oder Cam Gigandet kennen könnte, könnte The Roommate tatsächlich etwas »ganz neues« sein. In Hollywood geht man mitunter (leider nicht mal unberechtigt) davon aus, dass das Publikum keinen Schimmer davon hat, dass es manche Filme mindestens für jede Generation einmal neu geben muss. Damit meine ich nicht einmal Remakes wie Fame oder The Fog, sondern Standardangebote wie den Tanzfilm, der die Jugend mitreißt, die Highschool-Komödie über das erste Mal oder viele andere Klassiker, die vor allem durch veränderte Sehgewohnheiten (und somit Dreh-Gewohnheiten) und CGI-Effekte, die es so vor zwanzig Jahren noch nicht gab, nicht ganz so einfach wiederzuerkennen sind.

The Roommate handelt von einer Freundschaft zwischen Zimmergenossinnen am College, die durch das seltsame Verhalten der einen »Zwangsfreundin«, die eine mörderische Eifersucht gegenüber anderen Bekanntschaften oder gar potentiellen Sexualpartnern entwickelt, woraus aus dem Film ein »klassischer Thriller« mit »höchstmöglicher Realitätsnähe« wird, der »das Publikum zu Tode ängstigt«, aber gleichfalls auch »großartig unterhält« (alle Zitate aus dem Presseheft).

Was ich im Presseheft nicht finden konnte (aber vielleicht habe ich auch nicht gründlich genug gesucht), ist der Hinweis, dass The Roommate abgesehen von der College-Situation (die der Drehbuchautor als besonders innovativ heraushebt) eigentlich ein ziemlich eindeutiges Remake (bzw. ein Ripoff) von Barbet Schroders Single White Female (dt. Titel: Weiblich, ledig, jung sucht... ) ist. Schroders Film von 1992, der damals aufgrund der (in The Roommate vernachlässigten) »Zwillingssituation« verblüffte, aber eigentlich im Fahrwasser von Fatal Attraction, Basic Instinct und wie sie alle hießen, nichts besonderes war, hat gegenüber dem neuen Film zumindest einige Vorteile: Man hatte damals die Story-Entwicklung incl. immer bedrohlicherer Stimmung, ungeklärter Täterschaft und schicksalshaftem Verschwinden eines Haustiers noch nicht dutzende Male in immer schlechter werdenden Kinofilmen und schließlich auch als Standard in Fernsehfilmen immer wieder gesehen (sondern erst fünf, sechs Mal). Und Jennifer Jason Leigh und Bridget Fonda waren damals wirklich Schauspielhoffnungen, was ich angesichts meiner Erfahrungen mit den Hauptdarstellern von The Roommate nicht ohne weiteres behaupten würde. Und als drittes: Es ist fast zwanzig Jahre her, dass ich SWF sah, aber ich bilde mir ein, dass damals auch eine Sozialkritik im Film mitschwang. Aber vielleicht will ich mir das auch nur angesichts besserer Filme des Regisseurs schönreden.

In The Roommate gibt es nichts von alledem. 16jährige mit eingeschränktem filmischen Lichtraumprofil (und auch nur diese Untergruppe der Altersgruppe) mag man damit in Angst und Schrecken versetzen, für mich war der Film nicht annähernd so spannend wie ein Synchronschwimm-Wettbewerb auf Kreisebene. Die spannendsten Momente waren für mich die Zimmernummer 216 (217 bei The Shining – dem Roman), ein Jungdarsteller, der mir wie die perfekte Besetzung eines jungen John C. Reillys erschien, die Eindeutschung der Katze Cuddles bei den (unsagbar schlechten) Untertiteln zu »Herzi«, eine ganz nette Parallelmontage, die Szenen mit Billy Zane und ein hübscher Twist am Ende, für den man aber nicht die anderen 70 Minuten ertragen möchte. Ansonsten der schlechteste (und aufdringlichste) Soundtrack diesseits von Hans Zimmer und Valentinstags-RomComs, und so gruselig wie Apfel-Conditioner.