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Die Box




20. Januar 2011
Thomas Vorwerk
für satt.org


Für Leute, die nicht wegen des Films ins Kino gehen:
Drei Date-Movies der untersten Kajüte

Woher weißt du, dass es Liebe ist (James L. Brooks)

Woher weißt du,
dass es Liebe ist
(James L. Brooks)

Originaltitel: How Do You Know, USA 2010, Buch: James L. Brooks, Kamera: Janusz Kaminski, Schnitt: Richard Marks, Tracey Wadmore-Smith, Musik: Hans Zimmer, mit Reese Witherspoon (Lisa), Paul Rudd (George), Owen Wilson (Matty), Jack Nicholson (Charles), Kathryn Hahn (Annie), Lenny Venito (Al), Mark Linn-Baker (Ron), Molly Price (Coach Sally), Ron McLarty (George’s Lawyer), Shelley Conn (Terry), Domenick Lombardozzi (Bullpen Pitcher), John Tormey (Doorman), Teyonah Parris (Riva), Tony Shalhoub (Psychiatrist), Dean Norris (Softball Coach), 121 Min., Kinostart: 20. Januar 2011

Dickste Freunde (Ron Howard)

Dickste Freunde
(Ron Howard)

Originaltitel: The Dilemma, USA 2011, Buch: Allan Loeb, Kamera: Salvatore Totino, Schnitt: Daniel P. Hanley, Mike Hill, Musik: Hans Zimmer, Lorne Balfe, mit Vince Vaughn (Ronny Valentine), Kevin James (Nick Brannen), Winona Ryder (Geneva), Jennifer Connelly (Beth), Channing Tatum (Zip), Queen Latifah (Susan Warner), Amy Morton (Diane Popovich), Chelcie Ross (Thomas Fern), Eduardo N. Martinez (Felix), Rance Howard (Burt), Clint Howard (Herbert Trimpy), Guy Van Swearingen (Saul), Troy West (Dr. Rosenstone), Laura Whyte (Sue), Grace Rex (Cousin Betty), Mike McNamara (Cousin James), Talulah Riley (Concept Car Spokesmodel), 112 Min., Kinostart: 27. Januar 2011

Love and Other Drugs (Edward Zwick)

Love and Other Drugs
(Edward Zwick)

USA 2010, Buch: Edward Zwick, Charles Randolph, Marshall Herskovitz, Vorlage: Jamie Reidy, Kamera: Steven Fierberg, Schnitt: Steven Rosenblum, Musik: James Newton Howard, mit Jake Gyllenhaal (Jamie Randall), Anne Hathaway (Maggie Murdock), Oliver Platt (Bruce Winston), Hank Azaria (Dr. Stan Knight), Josh Gad (Josh Randall), Judy Greer (Cindy), Gabriel Macht (Trey Hannigan), George Segal (Dr. James Randall), Jill Clayburgh (Nancy Randall), Kate Jennings Grant (Gina), Kathern Winick (»Lisa«), Kimberly Scott (Gail), Peter Friedman (California Man), Nikki Deloach (Christy), Natalie Gold (Dr. Helen Randall), 112 Min., Kinostart: 13. Januar 2011

James L. Brooks, Ron Howard und Edward Zwick - drei routinierte Erfolgsregisseure, deren unterschiedliches Talent ich in üblich überheblicher Weise anhand ihrer gewonnenen Oscars definiere. Edward Zwick gewann nur einen, als Co-Produzent von Shakespeare in Love, der seinerzeit als bester Film ausgezeichnet wurde (Regie hatte John Madden). Ron Howard war ebenfalls der Produzent eines besten Films - A Beautiful Mind, gewann aber gleichzeitig auch den Oscar als bester Regisseur dafür. Und James L. Brooks gewann für Terms of Endearment (dt.: Zeit der Zärtlichkeit) gleich drei Oscars: Bester Film, beste Regie, bestes Originaldrehbuch.

Drei Regisseure, die im Januar artig auf drei aufeinanderfolgende Wochen verteilt drei Filme in die deutschen Kinos bringen, die das Genre der Romantic Comedy jeweils ein wenig von der üblichen Formelhaftigkeit weg »erweitern«. Abgesehen von Brooks (As Good as it Gets, Spanglish) sind sie nicht eben Experten für RomComs. Edward Zwick kennt man vor allem von aufwendigen historischen Schlachtenpanoramen wie Glory, The Last Samurai oder Defiance, mitunter verirrt er sich aber auch in die Gegenwart für Filme wie Blood Diamond oder Courage under Fire. Und Ron Howard zeichnet sich vor allem durch das genreübergreifende Spektrum seiner Filme aus, von Willow über Apollo 13 oder How the Grinch Stole Christmas bis hin zu Cinderella Man oder zuletzt The Da Vinci Code und das Sequel davon.

Und um es vorwegzunehmen: unabhängig von den erwähnten »Erweiterungen« des formelhaften Genres RomCom - keiner der drei Filme ist besonders gelungen.

  Woher weißt du, dass es Liebe ist (James L. Brooks)
Bildmaterial zu Woher weißt du ...
© 2010 Sony Pictures Releasing GmbH

Woher weißt du, dass es Liebe ist (James L. Brooks)
Woher weißt du, dass es Liebe ist (James L. Brooks)

Noch halbwegs erträglich ist How do you know. Die Filme von James L. Brooks wirkten schon immer etwas antiseptisch, und es lag zumeist an den Darstellern, die Figuren mit Leben zu erfüllen. Selbst, wenn man As Good as it Gets abgöttisch liebt: Alle Figuren sowie die Konstellation sind schon sehr formelhaft. Aber sowohl hier als auch bei Broadcast News »überspielen« die Darsteller die Schwächen des Buchs. Wenn ein minderer Darsteller als Albert Brooks den Schweißausbruch hätte mimen sollen, wäre der Film zur Lachnummer verkommen, und bei Greg Kinnear oder Jack Nicholson war es ähnlich. Bei Spanglish wurde das Problems schon ziemlich offensichtlich, und bei Reese Witherspoon, Paul Rudd und Owen Wilson hat man trotz ihrer unterschiedlichen Talente ein Problem, das durch das ansatzweise experimentierfreudige Drehbuch nur noch kompensiert wird (und Jack Nicholson dürfte hier wohl seine schlechteste Zusammenarbeit mit Brooks präsentieren). Lisa (Reese Witherspoon), eine Softballspielerin in der Midlife-Crisis, und George (Paul Rudd), ein Manager, der sich plötzlich unter Anklage und aus der Firma seines Vaters (Jack Nicholson) entlassen findet - Zwei liebenswerte Loser, wie füreinander geschaffen. Beide befinden sich mehr oder weniger in Beziehungen und haben sicher andere Probleme, als einem ersten verpatzen Blind Date weitere folgen zu lassen. Aber während der Baseballspieler Matty (Owen Wilson) erfolgreich und bindungswillig ist, hört er seiner Freundin nicht wirklich zu und ist ebenso eifersüchtig wie erfinderisch in seiner persönlichen Definition des Begriffs Monogamie - da wirkt der ziemlich neben der Spur befindliche George plötzlich wie die bessere Alternative - doch George hat ein ganz eigenes moralisches Dilemma, dem er aber zunächst auf die Spur kommen muss. Das Drehbuch ist gleichzeitig ganz offensichtlich auf sein Paar hin gestrickt, vertüdelt sich aber immer mehr in Nebenhandlungen. Und zumindest aus meiner Sicht war schlussendlich die Geschichte der schwangeren Sekretärin Annie (Kathryn Hahn) viel interessanter als das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel zwischen George, Lisa und Matty.

Die Filme von James L. Brooks begnügen sich nur selten mit einer Laufzeit von unter zwei Stunden, aber die Längen sind hier so offensichtlich wie nie zuvor. Insbesondere ein Heiratsantrag wird dadurch nicht romantischer, witziger oder spannender, wenn man ihn gleich mehrfach ausführlich durchspielt. Und das Ende des Films ist so unbefriedigend wie selten, insbesondere weil das (bereits erwähnte) moralische Dilemma gegen Ende einfach durch eine seltsame Entscheidungshilfe heruntergespielt und dann letztlich komplett ausgeblendet wird. Hauptsache, der Zuschauer hat gute Laune beim Verlassen des Films (was aber auch längst nicht für alle Zuschauer gilt).

  Dickste Freunde (Ron Howard)
Bildmaterial zu Dickste Freunde
© 2010 Universal Pictures International

Dickste Freunde (Ron Howard)
Dickste Freunde (Ron Howard)

Fahren wir fort mit The Dilemma, einer »Bromance« zwischen Vince Vaughn und Kevin James. Der deutsche Titel »Dickste Freunde« fasst es ausnahmsweise ganz gut zusammen. Vermarktet den Film aber auch irgendwie als Komödie, was ein wenig irreführend ist. Es gibt zwar einige Lacher, aber es hätten weitaus mehr sein können. Stattdessen geht es wieder um ein moralisches Dilemma. Ronny (Vince Vaughn) und Nick (Kevin James) haben gerade einen großartigen Job zusammen aufgetan. Sie sollen ein Elektroauto kreieren, das sich dadurch auszeichnet, dass es aussieht wie eine typische Macho-Karre - und dabei auch einen ähnlichen Heidenlärm macht. Was schon mal eine extrem bescheuerte Prämisse ist. Ronny ist hierbei der psychologisch perfide Gesprächsführer und Nick der von Selbstzweifeln zerfressene Motorenspezialist. Während Nick immer wieder Probleme mit dem Motor hat, kümmert sich Ronny nun um den überfälligen Heiratsantrag bei seiner Langzeitfreundin Beth (Jennifer Connelly), entdeckt dabei aber zufällig, dass Nicks Gattin Geneva (Winona Ryder zickiger denn je) offensichtlich eine Affäre hat. Und nun ist Ronny dazwischen zerrissen, seinem Freund von der untreuen Frau zu erzählen (wie es sich für einen Freund gehört) oder es doch lieber für sich zu behalten, damit Nick sich ganz auf das Motorproblem konzentrieren kann und der dauerhafte Deal mit der bekannten Automarke nicht den Bach runtergeht.

Weil Ronny zu keiner wirklichen Antwort kommt (und der Drehbuchautor die Geschichte irgendwie vorantreiben musste), beschattet er nun Geneva, versucht Bilder »in flagranti« zu schießen, gerät in eine Schlägerei mit dem Nebenbuhler (Tatum Channing), konfrontiert Geneva, erfährt Dinge über seinen Freund, die er gar nicht wissen wollte, wird erpresst, verstrickt sich immer mehr in Lügen, die ihm seine Freundin kosten können und landet schließlich vor einem Psychologen - gemeinsam mit einigen Familienmitgliedern und allen bisher erwähnten Personen. Der Humor liegt irgendwo zwischen den Dauer-Peinlichkeiten von Mr. Bean und dem Tit-for-Tat von Laurel und Hardy. Die größten Lacher erntet fast noch die in ca. vier kleinen Szenen auftauchende Queen Latifah.

Das Ärgerlichste am Film (neben der Dudelmusik von Hans Zimmer, die auch bei How do you know allgegenwärtig ist) war für mich irgendwie die Einsicht, wie hochkomplex jede noch so uninteressante Szene von Ron Howard inszeniert wurde. Die gibt Unmengen von Statisten, komplizierte Kameraführungen, opulente Szenenbilder - und alles, was erzählt wird, ist etwa so komplex wie zehn Folgen einer durchschnittlichen Telenovela.

  Love and Other Drugs (Edward Zwick)
Bildmaterial zu Love and Other Drugs
© 2010 Twentieth Century Fox

Love and Other Drugs (Edward Zwick)
Love and Other Drugs (Edward Zwick)

Ob Love & Other Drugs noch ärgerlicher wahr, kann ich gar nicht genau festmachen (fest steht, dass ich nach einer weiteren RomCom namens No Strings Attached am liebsten keinen weiteren Vertreter des Genres für den Rest des Jahres ertragen wollte). Hier hat man einen auf fast obszön widerliche Art in die Kamera lächelnden und feixenden Jake Gyllenhaal als Schürzenjäger, der in die Tom-Cruise-Rolle von Rain Man gedrängt wird (gelackter Karrierearsch stellt fest, dass es Menschen mit echten Problemen gibt und bessert sich zum Gutmenschen), nebenbei als Vertreter die Hauptfigur der Verfilmung eines Sachbuchs über die Erfolgsgeschichte des etwas anderen Medikaments namens Viagra darstellt (woraus man etwa 31 Scherze über Hartholz etc. schöpft), und sich dann in Anne Hathaway verliebt. Eine Anne Hathaway, die bei diversen Sexszenen noch häufiger ihre Brüste zeigt (lange Zeit etwa alle zehn Minuten wieder) als Jake Gyllenhaal seinen Hintern. Außerdem ist sie damit beschäftigt, mit scheinbar unendlichen Geldreserven das amerikanische Gesundheitssystem zu umgehen (»Do you have insurance?« --- »Do I Have insurance?« --- sie hat ein Bündel Geldscheine), um sich verschreibungspflichtige Medikamente zu organisieren, die sie gegen die frühen Symptome ihrer Parkinson-Erkrankung einsetzen kann. Womit wir eine echte Love Story (ohne tote Ali McGraw) haben, und für ihren plötzlichen Exhibitionismus (vergleiche Kathy Bates in About Schmidt) und ein gelegentliches Händezittern (was wirklich nervt, wenn man sich seinen Stoli on the Rocks einschenken will) wurde Frau Hathaway tatsächlich für den Golden Globe nominiert (Jake Gyllenhaal übrigens auch, was noch unverständlicher ist).

Das einzige, was diesen Film noch halbwegs erträglich machte, waren Judy Greer in einer (saublöden) Rolle als Arzthelferin und Hank Azaria als der dazugehörige Arzt. Und statt Hans Zimmer gab es immerhin James Newton Howard (eine Wurzelbehandlung ist ja für viele Menschen auch angenehmer als eine Darmspiegelung), angereichert mit diversen »alternativen« Songs aus der Viagra-Frühzeit (Cannonball von den Breeders, Supernova von Liz Phair, Beck, Wilco, Fat Boy Slim, aber leider auch Two Princes von den Spin Doctors).

Es gibt auch unterhaltsame RomComs, aber 2011 ist bisher ein ganz schlechtes Jahr für das Genre.