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Die Box




13. Mai 2010
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Plan B für die Liebe (R: Alan Poul)
Plan B für die Liebe (R: Alan Poul)
Plan B für die Liebe (R: Alan Poul)
Bilder © 2010 Concorde Filmverleih GmbH
Plan B für die Liebe (R: Alan Poul)
Plan B für die Liebe (R: Alan Poul)
Plan B für die Liebe (R: Alan Poul)


Plan B
für die Liebe
(R: Alan Poul)

Original-Titel: The Back-up Plan, USA 2010, Buch: Kate Angelo, Kamera: Xavier Pérez Grobet, Schnitt: Priscilla Nedd-Friendly, Musik: Stephen Trask, mit Jennifer Lopez (Zoe), Alex O'Loughlin (Stan), Michaela Watkins (Mona), Eric Christian Olsen (Clive), Anthony Anderson (Playground Dad), Noureen DeWulf (Daphne), Melissa McCarthy (Carol), Tom Bosley (Arthur), Maribeth Monroe (Lori), Danneel Harris (Olivia), Robert Klein (Dr. Scott Harris), Linda Lavin (Nana), Carlease Burke (Tabitha), 106 Min., Kinostart: 13. Mai 2010

Hollywood-Produzenten sind oft auf der Suche nach einem ominösen "Geheimrezept", und nachdem die zwei sehr unterschiedlichen Komödien Juno und Knocked Up unerwartete Erfolge wurden, kam wohl irgendjemand auf die Idee, dass "Baby-Komödien" momentan angesagt sein könnten. Bei Baby Mama funktionierte da auch noch halbwegs (was aber sicher an der Besetzung lag), und auch wenn der jüngste zum Thema passende Film mit Uma Thurman eher das Gegenteil beweist, scheint das neue J.Lo-Vehikel durchaus (zumindest in den Staaten, wo man sich in den ersten drei Wochen in der Top 5 der Kinocharts behaupten konnte) den Erwartungen zu entsprechen.

Das Phänomen J.Lo ging an mir persönlich fast spurenlos vorbei. In Soderberghs Out of Sight fiel sie eher positiv auf, in U-Turn störte sie auch nicht weiter, doch dann begann sie zu singen, was mich extrem abtörnte. Es folgte der misslungene The Cell, und von ihren weiteren Leinwand-Auftritten begutachtete ich nur Gigli (der Masochist tief in mir), Jersey Girl (nett, dass ihre Figur so schnell starb) und Monster-in-Law. Jüngst las ich in einem filmwissenschaftlichen Werk über Romantic Comedies (Falling in Love Again) ein ganzes Kapitel über sie, über ihre Männergeschichten und Parfüms, die Bedeutung ihrer Latino-Herkunft und den Bezug ihres Starlebens zu ihren Filmrollen. Dazu passt eine Romantic Comedy mit "Mama" J.Lo (das Buch erschien vor diesem Film) natürlich großartig, und vielleicht hängt der Erfolg des Films auch damit zusammen. Doch ähnlich, wie mir die Theorie des "rosa Rauschens" (ein bestimmter Schnittrhythmus, der zum Erfolg eines Films beitragen soll) nicht einleuchten will, kann ich auch nicht nachvollziehen, warum man für diesen Film Geld ausgeben sollte.

Aus der Ferne betrachtet, hält man sich an diverse "Geheimrezepte". Romantic Comedies mit J.Lo funktionieren (an der Kinokasse) durchweg, Komödien mit Babys funktionieren häufig, Komödien, die ein wenig derber daherkommen (im Gefolge der Farrelly-Brüder und Judd Apatows) funktionieren zumindest öfter als nicht.

Der Animationsvorspann, mit dem The Back-Up Plan beginnt, ist auch noch vielversprechend, aber bereits etwas zu sehr aktuellen Damenbinden-Commercials nachempfunden. Und voller Stereotypen und Babys, sowie allem, was mit Babys zu tun hat. Dann folgt ein langer Schwall von Voice-Over (meistens ein schlechtes Zeichen) und eine künstliche Befruchtung, bei der das komödiantische Potential zu 80% verschenkt wird. Wahrscheinlich wurde dieser Teil des Films auch beim Schnitt arg zusammengestutzt, um möglichst schnell zum "Meet-Cute" zu kommen (sorry, das Fachbuch hat mich mit seiner Terminologie infiziert). Zoe (J.Lo) und Stan (Alex O'Loughlin) streiten sich um ein Taxi, natürlich weiß man als Zuschauer sofort, dass es zwischen den beiden knistern soll (auch wenn man dies nicht wirklich spürt), und der Rest des Programms kann abgefahren werden. Die große Veränderung zu anderen RomComs ist, dass Zoe nun zu Beginn der Beziehung gerade frisch geschwängert ist, was zum Beispiel zu schwer nachvollziehbaren Entscheidungsfragen führt (soll ich Sex mit ihm haben oder nicht?), in einigen Baby-Komödien-Szenen gemolken wird, und schließlich zum üblichen Bruch kurz vor dem Happy-End führt. Das Drehbuch funktioniert streng nach Fahrplan, und ist dabei ähnlich inspiriert wie das Kursbuch der Deutschen Bahn.

Jennifer Lopez übt sich im Overacting bis an die Grenze zum Gesichtsmuskelkrampf, zwischen ihr und dem wohl aufgrund seines Oberkörpers ausgewählten Co-Stars fehlt es gänzlich an irgendeiner Chemie, und wenn man versucht, mal einen derben oder unhygienischen Humor anzuschlagen, dann wird das wirklich unhygienisch (J.Lo isst Stew), aber leider nicht ansatzweise komisch. Die Nebendarsteller sind so farblos, dass selbst der kleine Hund gute Chancen hat, zum besten Schauspieler des Films erklärt zu werden, und alle Nase lang gibt es wirklich ärgerliche oder dumme Szenen. Warum muss man eine Käserei mit unzähligen Kerzen beleuchten? Warum muss J.Los Filmpartner sich die Zähne putzen, wenn sie gerade gekotzt hat? Braucht irgendjemand längere Dialoge über die Beschaffenheit von J.Los Hintern vor und nach der Schwangerschaft? Welche Großmutter besucht heutzutage ihre hochschwangere Enkelin mit einer großen Flasche Schampus, um zu zweit etwas zu feiern? Und so weiter ...

Eine Nebenfigur beschreibt im Film mal das Phänomen, Kinder zu haben. "The best way I can describe it is: It's awful, awful, awful, awful, awful, then something incredible happens, and then awful, awful, awful, awful, awful." Dies passt erstaunlich gut auch auf den Film, wobei "something incredible" hier oft auch einfach etwas unglaublich blödes umschreiben kann, wie einen misslungenen Scherz über Inkontinenz im Alter, bei dem ich zugegebenermaßen auch gelacht habe, aber oft genug bleibt einem hier das Lachen im Halse stecken, und über die Gefahren bei der Verwendung von Wandspiegel bei einer in einem Planschbecken durchgeführten Geburt oder die Existenzberechtigung von unglaubwürdigen Autounfällen einzig für halbgare kleine Scherze darf man gar nicht nachdenken.

Das einzig positiv Unglaubliche im Film war ein Gesangsauftritt bei der (unvermeidlichen) Hochzeitsfeier. Aber diese eine gute Idee kann nichts mehr retten.