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14. Oktober 2009
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Durst (R: Park Chan-wook)
Durst (R: Park Chan-wook)
Durst (R: Park Chan-wook)
Bildmaterial © MFA+ FilmDistribution e.K.
Durst (R: Park Chan-wook)
Durst (R: Park Chan-wook)
Durst (R: Park Chan-wook)


Durst
(R: Park Chan-wook)

Originaltitel: Bak-jwi, Südkorea 2009, Buch: Park Chan-wook, Jeong Seo-Gyeong, Lit. Vorlage: Émile Zola, Kamera: Chung Chung-hoon, Schnitt: Kim Sang-bum, Kim Jae-bum, Musik: Cho Young-uk, Production Design: Ryoo Sung-hee, mit Song Kang-ho (Pater Sang-hyeon), Kim Ok-vin (Tae-joo), Kim Hae-sook (Lady Ra), Shin Ha-kyun (Kang-woo), Park In-hwan (Pater Noh), Oh Dal-su (Yeong-doo), Song Young-chang (Seung-dae), Mercedes Cabral (Evelyn), Eriq Ebouaney (Immanuel), 133 Min., Kinostart: 15. Oktober 2009

Wenn man an andere Filme über Vampirismus denkt wie Tony Scotts The Hunger oder Abel Ferraras The Addiction, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf den naheliegenden Filmtitel “Durst” kommt. Meine Geringschätzung des Hypes um Twilight ist ausreichend dokumentiert, und rein rechnerisch und chronologisch betrachtet kann Durst eigentlich keine Antwort auf den ersten Twilight-Film sein, doch wie schon bei meiner Kritik zu Låt den rätte komma in bietet sich ein kleiner Vergleich angesichts des bevorstehenden Starts des zweiten Twilight-Streifens irgendwie an.

Durst ist weit entfernt davon, ein perfekter Film zu sein, und wer das Werk des Koreaners Park kennt, weiß, dass dies ein wiederkehrendes Problem des Regisseurs ist. Es gibt einige ziemlich misslungene Spezialeffekte, abstruse Nebenhandlungen und auch mal unschöne Momente. Doch wer (rein zufällig) fünf Minuten aus Durst herausnimmt, wird darin wahrscheinlich mehr gute Ideen finden, als Stephenie Meyer im ideenreichsten Monat ihres Lebens in ihre Bücher hat einfließen lassen. Durst begnügt sich nicht damit, eine Liebesgeschichte zu erzählen, die größtenteils nicht romantisch-verkitscht ist und ihre Erotik nicht nur für jene Zuschauer entwickelt, die ein Poster von Robert Pattinson einen Meter über den Plüschtieren im Schlafzimmer hängen haben. Nein, Durst liefert den ultimativen Rundumschlag in Sachen vampir-affinen Themen, die man in einen Film stecken könnte. Es geht um den Unterschied von Tageslicht und Schatten, um Schwarz und Weiß, um eine von Menschen erzeugte Krankheit (vgl. die Bedeutung von Aids für The Addiction) und irgendwie auch um das Gegenmittel bzw. die Therapie. Es geht um Wissenschaft und Religion sowie Blutkonserven und Messwein, um Zölibat, Verführung und Geißelung, um übernatürliche Fähigkeiten wie aus Superheldenfilmen (Vergleiche mit Daredevil und Hulk drängen sich auf), aber auch um körperliche Gebrechen, die in diesen Filmen oft ausgeblendet werden, wenn sie gerade nicht zur Motivation der Protagonisten taugen. Es geht um Blut, Sex, Inzest und eine Prise Fußfetischismus, und ganz nebenbei ist der Film auch noch eine Adaption eines Romans von Émile Zola (Thérèse Raquin), in dem es aber so gar nicht um Vampire geht, sondern um eine Kriminalgeschichte, die Park wiederum die Gelegenheit gibt, auch noch Film-Noir-Elemente einfließen zu lassen.

Und bei dieser Aufzählung von Themen habe ich manche wirklich wichtige Themenkomplexe des Films noch nicht einmal angeschnitten, und das ist auch gut so, denn wenn man in einen Film der Twilight-Reihe geht, weiß man bereits vorher, wie es ausgeht (sie werden sich näherkommen, aber keusch bleiben), doch bei Durst weiß man noch nicht einmal, was in zehn Minuten passieren wird, denn der Film ist eine Achterfahrt, bei der die Genres teilweise schneller gewechselt werden als sonst die Rollen mit den einzelnen “Akten” eines Films (ja ja, ich lebe in der Vergangenheit!), und auch wenn bei dieser wahren Flut von Ideen nicht alles hundertprozentig überzeugt oder gelungen ist, ist Durst einer der wenigen Filme dieses Jahres, die einen wirklich verzaubern - gerade in den Momenten, wo man mal kurz den Boden unter den Füßen verloren hat.