Anzeige:
Die Box


 

Juli 2003
Thomas Vorwerk
für satt.org


The hulk



The Hulk (R: Ang Lee)
Hulk Smash



The Hulk (R: Ang Lee)
Alter Ego Eric Bana (Bruce Banner)



The Hulk (R: Ang Lee)



The Hulk (R: Ang Lee)
Jennifer Connelly (Betty Ross)



The Hulk (R: Ang Lee)

The Hulk
(R: Ang Lee)

Buch: John Turman, Michael France, James Schamus, Kamera: Frederick Elmes, Schnitt: Tim Squyres, Musik: Danny Elfman, Darsteller: Eric Bana (Bruce Banner), Jennifer Connelly (Betty Ross), Nick Nolte (David Banner), Sam Shepard (General Ross), Josh Lucas (Talbot), Lou Ferrigno, Stan Lee (Security Guards)

Trotz Regisseur Ang Lee gibt es viele an sich filmbegeisterte Leute, die um "The Hulk" einen großen Bogen machen. Und das kann ich durchaus nachvollziehen, denn nachdem ich mich diverse Monate wirklich auf diesen Film gefreut hatte, wollte ich nach einer mehrfachen Begutachtung des Trailers mein Kinogeld auch lieber für andere Filme verschwenden. Doch letztendlich bin ich dann doch hingegangen, sonst würdet ihr ja diesen Text nicht lesen.

Als langjähriger Leser der Comicserie "The Incredible Hulk" unter der Federführung des Autors Peter David, der es immerhin schaffte, knapp über zehn Jahre interessante Geschichten mit dem dort nicht immer "Hulk smash!" schreienden grünen (oder manchmal auch grauen) Giganten zu ersinnen, hatte ich natürlich eine gewisse Erwartung an den Film. Und vielleicht war das auch mein Problem, denn beispielsweise erwartete ich halt von General Ross anderes als im Film, fand die stark veränderte Origin nicht unbedingt besser, zeitgemäßer oder logischer, und selbst einige Dinge, die einem schon beim Comic sauer aufstießen, werden im irgendwie "realistischeren" Medium Film schon extrem zerdehnt, wie etwa Hulks Hose, die sowohl in ihrer Farbgebung als auch in der Größe extrem zu varieren scheint, je nachdem, ob gerade der Schauspieler Eric Bana oder ein doch verdammt gut animierter Computergoliath drinsteckt und dafür sorgt, daß sie noch knapper sitzt als bei den drei Engeln für Charlie.

Aber sich über solche Kleinigkeiten aufzuregen, bringt natürlich bei so einem Film nichts, und vielleicht sollte ich deshalb auch begreifen, daß es sich hierbei (und dies soll als ein positives Kriterium herhalten) um den bisher comicmäßigsten Film aller Zeiten handelt, wie mir eine solchen Filmen eigentlich eher abgeneigte Begleiterin ziemlich begeistert suggerierte.

Hmmh …

Nein, es tut mir leid. Es muß daran liegen, daß ich halt mit den Marvelfiguren etwas anderes verbinde, und ich zu alem Übel auch noch nicht aufgegeben habe, das Medium Comic als eine ernstzunehmende Kunstform aufzufassen. Wenn ein Roman besonders "filmisch" erscheint, mag das noch positiv sein, wenn ein Film "literarisch" erscheint, heißt das meistens nur, daß er langweilig und langatmig ist, und wenn ein Film "comicmäßig" ist, können Begleitumstände wie "unlogisch" oder "bunt" meines Erachtens nicht plötzlich zu Qualitätskriterien mutieren.

Über die Unlogik will ich mich hier nicht auslassen, sonst bräuchte ich nie wieder in einen amerikanischen Blockbuster gehen.

Die bunten Bilder waren schon in Warren Beattys "Dick Tracy" von sieben ausgewählten Elementarfarben aus Comicheften komponiert, was ähnlich auch hier durchgezogen wird, aber spätestens bei einer Inneneinrichtung in den Hulkfarben giftgrün und knallviolett Anlaß zu Zahnschmerzen gibt.

Das Comicfont im Vorspann ist schon wieder so trashy, daß es gut ist.

Doch die ultimative Anlehnung an eine Comicdramaturgie, die Splitscreens und verwandten Bildübergänge gehörten für mich größtenteils nicht zu den Tugenden des Films, von "adäquater Umsetzung" oder "Rhythmitisierung" würde ich nicht sprechen, wenn ich das Gefühl habe, daß eine andauernde Zurschaustellung der technischen Möglichkeiten, wie sie bei "Bram Stoker's Dracula" immerhin noch etwas Charme und narrative Berechtigung hatte, sehr schnell dazu führt, daß einem der Film einfach am Arsch vorbeigeht, was mir bei einem Comic eben nicht dadurch passiert, daß ich die ganze Zeit unterschiedlich große Bilder, Sprechblasen und Soundwords sehe (Wobei Ang Lee immerhin nicht die "Zack"- , "Buff"- und "Päng"-Effekte aus der Batman-Fernsehserie verwendete, was womöglich für manche Zuschauer den Spaßfaktor noch erhöht hätte, für mich aber sicher nicht).

Wenn ich in einen Hulk-Film gehe, will ich natürlich sehen, wie Banner sich in den Hulk verwandelt (ähnliches gab es schon viel besser), wie er sich springend fortbewegt (sehr schöne Effekte), wie die Liebesgeschichte mit Betty umgesetzt wird (nett, aber etwas verwirrend und sehr kindgerecht), und wie die psychologischen Konflikte in die Geschichte einfließen (ziemlich desaströs: Ödipus backwards light mit Aussparung des Sex-Aspekts; und drei leider viel zu kurze Szenen im Kopf des Herrn Banner konnten auch nichts retten).

Was ich aber nicht sehen will, und zwar unabhängig davon, wie "comicmäßig" das sein mag, ist eine unentwegte Zerstörung von militärischer Technologie, ohne daß jemals durch die Schuld des Hulk jemand verletzt wird, der es nicht in jeder Hinsicht verdient hat (selbst bei den zwei Toten schien es wohl wichtig gewesen zu sein, daß der Film auch im Kinderprogramm laufen kann, mal wird das Bild eingefroren, obwohl gerade jemand verbruzzelt wird, mal wird jemand mit einem riesigen Messer erstochen, ohne daß man einen Tropfen Blut sieht, und selbst bei den vier Monstren, die während des Films plattgemacht werden - besonders schön der Zerberus-Pudel - sieht man zwar "Hulk smash splatsch platz", aber das lädierte Auto von Betty sieht danach trotzdem aus, als ob es gerade aus der Waschanlage kommt).

Dieser "Megaforce"- oder auch "A-Team"-Effekt mag bei "Tom & Jerry" angemessen sein, ich finde es aber nach wie vor unverantwortlich, so zu tun, als könne man jede Menge Bomben, Granaten, Raketen, abstürzende Hubschrauber und weggeworfene Panzer auf die Gegend loslassen, ohne daß es jemals "Kollateralschaden" oder auch irgendwelchen Schaden abgesehen von in Parkplätze verwandelte Natursehenswürdigkeiten gibt. Wenn bei Hulk Unterwasser-Minen riesige Wellen schlagen, schwimmt danach trotzdem kein Fisch mit dem Bauch nach oben, aber ich als Zuschauer (und hier bestehe ich auf eine rein subjektve Einstellung) bekomme davon durchaus Bauchweh.

Tolle Effekte, Gesichtsbehaarung bis an den Rand der Selbstentstellung, ein für drei Sekunden sehenswerter Nick Nolte und jede Menge Geldverschwendung für Effekt-Blendwerk (daß dies dem Anfang des Satzes widerspricht, ist mir bewußt. Zirka 70% der Effekte waren Blendwerk und Geldverschwendung, die anderen 30% waren toll, so wie auch 30% des Films unterhaltsam waren).

Daß Ang Lee allen Ernstes in diversen Interviews so tut, als sei dieser Film mehr als giftgrünes Bubblegum-Kino Geschmacksmarke "platzender Frosch", gibt seiner "Credibility" in meinen Augen den Todesstoß.