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6. Mai 2009
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Spiel der Träume - Die wahre Geschichte eines falschen Teams (R: Uberto Pasolini)
Spiel der Träume - Die wahre Geschichte eines falschen Teams (R: Uberto Pasolini)
Spiel der Träume - Die wahre Geschichte eines falschen Teams (R: Uberto Pasolini)
Fotos © 2009 Twentieth Century Fox
Spiel der Träume - Die wahre Geschichte eines falschen Teams (R: Uberto Pasolini)
Spiel der Träume - Die wahre Geschichte eines falschen Teams (R: Uberto Pasolini)
Spiel der Träume - Die wahre Geschichte eines falschen Teams (R: Uberto Pasolini)

Spiel der Träume
Die wahre Geschichte
eines falschen Teams
(R: Uberto Pasolini)

Originaltitel: Machan, Italien / Deutschland / Sri Lanka 2008, Buch: Ruwanthie De Chickera, Uberto Pasolini, Kamera: Stefano Falivene, Schnitt: Masahiro Hirakubo, Musik: Stephen Warbeck, Lakshman Joseph de Saram, Production Design: Errol Kelly, mit Dharmapriya Dias (Stanley), Gihan De Chickera (Manoj), Dharshan Dharmaraj (Suresh), Mahendra Perera (Ruan), Sujeewa Priyalal (Piyal), Namal Jayasinghe (Vijith), Dayadewa Edirisinghe (Naseem), Jayani Senanayake (Jasmine), Pitchchei Selvaraj (Nesa, Grave Digger), Ravi Kumar (Nevil), Ronika Rannetthi (Esther, Stanley’s sister), Malini Fonseka (Manoj's Mother), Hemasiri Liyanage (Manoj's Father), Sitha Kumari (Manoj's Grandmother), Irangani Serasinghe (Auntie Magie), Surnanawathi (Auntie Alice), Pubudu Chathuranga (Spoilt Son), S. Selvsekaran (Father), Tissa Fernando (Old Man), Kumara Thirimadura (Oaf), Mohamed Adamaly (Pakistani Doctor), Vajira Kodituwakku (Bangala Man), Ruwan Malith Peiris (Indian Man), Janaka Ranasinghe (Afghani Man), Nino Jayakodi (Afghani Youth), Saumya Liyanage (Angry Foreigner), Dilip Kumara Koralage (Junior Policeman), Theertham Muthiah Ganeshan (Senior Policeman), Sanjaya Hettiaratchchi (Piyal's Cousin), Lalith Janakantha (Piyal's 2nd Cousin), Chathurika Pieris (Shalini), Pradeepan Puwabalasingham (AJ), Sarath Karunaratne (PK), Mangala Pradeep Kumara (VD), Achim Schelhas (Chirpy Host), Stefan Birckmann (Visa officer), Anne Peters (Herbergsmutter), 109 Min., Kinostart: 7. Mai 2009

Den Hinweis “Nach einer wahren Begebenheit” interpretiere ich im Kino oft als Warnung, doch ungeachtet des Wahrheitsgehalts dieses Films (einiges wirkt absurd, anderes fast märchenhaft) ist Machan vor allem ein sehr interessanter und immens gelungener Film. Kurz zusammengefasst geht es um einige Einwohner von Sri Lanka, die vergeblich versuchen, ein Visum zu bekommen (um dem Elend zu entkommen), und dann von einem Handballturnier in Bayern erfahren, mithilfe dessen sie dann (ohne jemals zuvor von diesem Spiel gehört zu haben) tatsächlich in Bayern landen. Fast so absurd wie diese wahre Begebenheit ist die Produktionsgeschichte des Films, denn ein italienischer Regisseur las zufällig in der Zeitung von dieser kreativen Ausreisemöglichkeit und drehte den Film tatsächlich in Bayern und Sri Lanka. So viele Filme mit den Herstellungsländern “Italien / Deutschland / Sri Lanka” gibt es wahrscheinlich nicht.

Für das Drehbuch verpflichtete man eine Theaterautorin aus Sri Lanka, die für politische Stoffe bekannt ist, und man gab sich besonders Mühe, die verschiedenen Gesellschaftsschichten des Landes akkurat wiederzugeben. Und auch, wenn man den Stoff als Komödie behandelte, gab es einige gesellschaftskritische und fast tragische Ansätze in der Geschichte, ein vor allem zu Beginn quasi-dokumentarischer Gestus verbindet sich tatsächlich aufs beste mit der an Cool Runnings erinnernden Lachnummer. Vielleicht auch durch den italienischen Regisseur in Verbindung mit der märchenhaften Geschichte fühlt man sich an Werke des klassischen Neorealismus erinnert, wenn ein älterer Angestellter in einer Hoteltoilette durch einen elektrischen Händetrockner abgelöst wird oder ein Tintenfleck auf dem Hemd in der Glücksfarbe des Tages vor dem an Stromberg erinnernden deutschen Beamten verborgen werden muss.

Überhaupt die Sprengsel deutschen Kulturguts in Sri Lanka! Ein Plakat in der deutschen Botschaft mit einem Lederhosen tragenden Buben und der Aufschrift “Bavaria - that’s where I want to go” wirkt wie eine Variation des für Armeeeintritt werbenden Uncle Sam (inklusive eines ähnlich eingesetzten Zeigefingers), und die germanischen Touristinnen, der der Gigolo Piyal beglücken muss, vermag man kaum zu beschreiben.

Doch wichtiger ist für den Film natürlich das Bild von Sri Lanka, das auf mich einen weitaus größeren Eindruck machte als das Indien in Slumdog Millionaire, wo man extra farbig nur die bekannten Gemeinplätze wieder sah, während hier ungeachtet des Komödienhintergrunds und der doch eher armseligen Produktionsbedingungen eine Authentizität erreicht wird, die auch die skurrilen Erlebnisse im bayrischen Nest Wittislingen nicht wieder ungeschehen machen können.

Machan bietet eine bis zuletzt spannende Story (obwohl man ja die Grundzüge der Geschichte kennt, gibt es viele Hindernisse und einige wirkliche Überraschungen), zu Herzen gehende Figuren und tatsächlich eine Reise dorthin, wo zuvor kein Nachbar gewesen ist. Somit eine ernstzunehmende Konkurrenz zum am gleichen Tag startenden Star-Trek-Spektakel.