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Die Box




22. April 2009
Thomas Vorwerk
für satt.org


  C’est la vie - so sind wir, so ist das Leben (R: Remí Bezançon)
C’est la vie - so sind wir, so ist das Leben (R: Remí Bezançon)
C’est la vie - so sind wir, so ist das Leben (R: Remí Bezançon)
Fotos: Kinowelt
C’est la vie - so sind wir, so ist das Leben (R: Remí Bezançon)
C’est la vie - so sind wir, so ist das Leben (R: Remí Bezançon)
C’est la vie - so sind wir, so ist das Leben (R: Remí Bezançon)
C’est la vie - so sind wir, so ist das Leben (R: Remí Bezançon)

C’est la vie
so sind wir, so ist das Leben
(R: Remí Bezançon)

Originaltitel: Le premier jour de reste ta vie, Buch: Remí Bezançon, Kamera: Antoine Monot, Schnitt: Sophie Reine, Musik: Sinclair, mit Jacques Gamblin (Robert), Zabou Breitman (Marie Jeanne), Déborah François (Fleur), Marc-André Grondin (Raphaël), Pio Marmaï (Albert), Roger Dumas (Pierre), Cecíle Cassel (Prune), Stanley Weber (Eric), Sarah Cohen-Hadria (Clara), Camille de Pazzis (Moira), Aymeric Cormerais (Sasha), Jean-Jacques Vanier (Mathias Moreau), Philippe Lefebvre (Philippe), Gilles Lellouche (Weißer Rasta), 113 Min., Kinostart: 23. April 2009

Das einzig ärgerliche an diesem Film ist der “deutsche” Verleihtitel C’est la vie, der ebenso einfallslos wie nichtssagend eine französische Phrase (inklusive dummdreister Quasi-Übersetzung) drischt (vergleiche auch Filmtitel wie Chanson d’amour), wo der Originaltitel vielleicht auch nicht eben ein literarisches Glanzstück ist, aber “Der erste Tag vom Rest deines Lebens” gibt immerhin überzeugend ein Strukturmerkmal des Films wieder, denn eine zwölf Jahre (1988-2000) umfassende Familienchronik wird anhand von fünf einschneidenden Tagen illustriert, die man ansatzweise (funktioniert nicht hundertprozentig) den fünf Familienmitgliedern zuordnen kann.

Der Vorspann, der die ersten zwei Jahrzehnte der Familie sozusagen im schnellen Vorlauf anhand von gefällig montierten Fotos und Home Movies vorführt, erinnert noch ein wenig an die populistischeren Filme von Cedric Klapisch, doch schnell wird klar, dass Regisseur Remí Bezançon in seinem zweiten Film die filmischen Mittel ganz in den Dienst der Geschichte stellt, und nicht vorwiegend für oberflächliche Reize missbraucht.

Weshalb der Film wohl auch sowohl ein Kassenerfolg war, aber auch von der Kritik geliebt wird. Und immerhin drei Césars gewann, wovon der für die “Beste Newcomerin” besonders bemerkenswert ist, denn die gerade 20jährige Deborah François war zuvor bereits zweimal für diese Auszeichnung nominiert, bekam sie aber unerklärlicherweise weder für ihr Debüt L’enfant noch für den Überraschungshit La tourneuse de pages, meiner unmassgeblichen Meinung nach übrigens zwei der besten französischsprachigen Filme der letzten fünf Jahre. Und es wäre mir ohne Presseheft nicht einmal aufgefallen, dass die (Haupt-)Darstellerin in den drei Filmen dieselbe ist - was durchaus etwas über ihre Wandlungsfähigkeit aussagt, denn beim Wiedererkennen junger Darstellerinnen bin ich eigentlich durchaus begabt oder trainiert.

Da es mir widerstrebt, zuviel über die Handlung des Films zu verraten, der sowohl vor dramatischen Tiefen als auch vor klischierten Überhöhungen keine Furcht zeigt, will ich nur eine Szene beschreiben, die viele der Inszenierungsmerkmale zusammenfasst. Es geht hierbei um Fleur und (nomen est omen) ihre Defloration, für die sie sich den 16. Geburtstag vorgemerkt hat. Ich will jetzt gar nicht auf den dafür zuständigen Herren und dessen Bedeutung für ihres spätere Leben zu sprechen kommen, oder den gelungenen Soundtrack zum Ereignis (es ist übrigens auffällig, wie der Songauswahl die englische Sprache in den Vordergrund rückt), sondern auf die Umsetzung, denn hierbei verabschiedet sich die von Déborah François gespielte Fleur von ihrem jüngeren alter ego, einer jüngeren Darstellerin, die auch im folgenden Film nicht wieder auftaucht. Die 16-jährige, erpicht darauf, “erwachsen” zu werden, schließt eine Tür, vor der die Jüngere stehenbleibt, und ähnlich wie in The Shining kommt dann unter der Tür eine Blutlache durch. Übertrieben, vor Symbolismus nur so “triefend”, aber irgendwie doch sehr stimmig als Bild. Von solchen Szenen findet sich im Film noch einiges, mal noch gelungener (das Tuch über dem Taxi), manchmal auch ein wenig pathetisch und konstruiert (Luftkissen), doch zu jedem Zeitpunkt ist der Film sympathisch, und entsprechend seinem Personal auch für ein generationenübergreifendes Publikum sehenswert.

Was sicher auch an der hervorragenden Besetzung liegt, wobei man sich an Gesichtern wie dem von Jacques Gamblin (Holy Lola, Bellamy) oder Zabou Breitman (Un monde presque paisible) in Deutschland längst noch nicht sattgesehen hat. Die beiden Söhne waren übrigens auch beide als “Beste Nachwuchsdarsteller” für den César nominiert, und ich schlage vor, man entscheide anhand des Films, wer wohl den Zuschlag bekommen hat, und checke es dann danach.