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Die Box




Mai 2008
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Speed Racer (R: The Wachowski Brothers)
Speed Racer (R: The Wachowski Brothers)
Speed Racer (R: The Wachowski Brothers)
© 2008 Warner Bros. Ent.
Speed Racer (R: The Wachowski Brothers)
Speed Racer (R: The Wachowski Brothers)
Speed Racer (R: The Wachowski Brothers)

Speed Racer
(R: The Wachowski Brothers)

USA 2008, 2nd Unit Director: James McTeigue, Buch: Larry & Andy Wachowski, Vorlage: Tatsuo Yoshida, Kamera: David Tattersall, Schnitt: Roger Barton, Zach Staenberg, Musik: Michael Giacchino, mit Emile Hirsch (Speed Racer), John Goodman (Pops Racer), Susan Sarandon (Mom Racer), Matthew Fox (Racer X), Rain (Taejo Togokhan), Christina Ricci (Trixie), Kick Gurry (Sparky), Roger Allam (Royalton), Paulie Litt (Spritle Racer), Willy & Kenzie (Chim-Chim), Benno Fürmann (Inspector Detector), Yu Nan (Horuko), Scott Porter (Rex Racer), Richard Roundtree (Ben Burns), Togo Igawa (Mr. Togokahn), Christian Oliver (Snake Oiler), Ralph Herforth (Cannonball Taylor), John Benfield (Cruncher Block), Nicholas Elia (Young Speed), Moritz Bleibtreu (Grey Ghost), L. Trey Wilson (Press Man), Melissa Holroyd (Speed’s Teacher), Ariel Winter (Young Trixie), Jana Pallaske (Delila), Cosma Shiva Hagen (Gennie), Peter Fernandez (Local Announcer), Ill-Young Kim (Korean Announcer), 135 Min., Kinostart: 8. Mai 2008

Auch ich gehöre zu den Leuten, die The Matrix als eine filmische Offenbarung einordnen und natürlich die DVD im Regal stehen haben. Allerdings habe ich auch The Matrix Reloaded als unerträglich abgetan und mir den dritten Teil der Trilogie dann gar nicht mehr angeschaut. Seither ist viel Zeit vergangen und die Wachowskis traten zwischendurch nur als Produzenten von V for Vendetta hervor (dessen Regisseur hier die Rennfahrten betreute), bevor sie nun ihrer Vorliebe für Comics und Animes (Speed Racer basiert auf einem Anime, das zuvor auch mal ein Manga war) erneut Ausdruck verschaffen.

Wie der Trailer schon mehr als andeutete, ist das - 135 Minuten lange - Resultat aber nichts, wofür es sich lohnt, die Pulsfrequenz zu erhöhen. Vergleichsfilme, die sich aufdrängen, wären Warren Beattys Dick Tracy (wegen der eingeschränkten grellbunten Farbpalette und der stereotyp “gezeichneten” Bösewichte) oder Steven Lisbergers Tron (wegen der antiseptischen Hi-Tech-Verfolgungsjagden), Speed Racer gelingt sogar das fast schon wieder beeindruckende Kunststück, selbst noch Jonathan Frakes’ Thunderbirds realistisch und bodenverhaftet erscheinen zu lassen.

Am rasantesten ist an der vermeintlichen Familienunterhaltung zunächst das Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Zeitebenen, was aber wohl vor allem das Fehlen einer interessanten Geschichte kaschieren soll. Jede vermeintliche “Überraschung” innerhalb der Handlung sollte selbst einem 11-Jährigen (auf die der Film offensichtlich zugeschnitten ist) vorhersehbar erscheinen, und am beeindruckendsten ist, wie der stete Dauerbeschuss mit grellen visuellen Informationen das Einschalten des Gehirns nicht nur unnötig macht, sondern fast absichtlich behindert. Dennoch ist nicht zu übersehen, dass die Spezialeffekte (insbesondere der Rennszenen) extrem mau sind, dass das Filmen vor Green Screens halt doch eine Herausforderung bleibt, die manche Regisseure klar überfordert, und dass man sich selbst in der Auswahl der Darsteller nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert hat, denn Susan Sarandon wird immer mehr zur Parodie ihrer selbst, und John Goodman, Christina Ricci und Benno Fürmann haben diesen Punkt ihrer Karriere schon mit Bravour gemeistert. Die Montageelemente mögen an die Zeichentrickvorlage angelegt sein, und waren seinerzeit wahrscheinlich bahnbrechend und innovativ, doch hier tragen sie nur dazu bei, die Distanz des Betrachters vom grellen Spektakel noch zu verstärken. Dialoge, die von sich gegenseitig überlappenden Kameraschwenks und -Kreiselfahrten “ausgeführt” werden oder Zwiegespräche während eines vermeintlich rasanten Rennens, die von seltsamen “Hyperzooms” auf die jeweils Sprechenden begleitet werden - alles oberflächlicher Schnickschnack, der die nicht wenigen Schwächen des Films nur noch betont.

In über zwei Stunden gab es immerhin zirka ein halbes Dutzend guter Ideen, die ich den Lesern nicht vorenthalten will:

  • Das Vorwegnehmen eines Hauptelements des Filmerlebnisses, wenn der junge Speed bei einer Multiple Choice- Testaufgabe plötzlich nur noch “Blah Blah Blah” auf dem Aufgabenzettel liest.
  • Die selbstlose Rettung von Aquarienfischen.
  • Dialogzeile: “Snakes Schwäche sind Serpentinen.”
  • Anderthalb nette Einsätze des Brandenburger Tors (u. a. die realistischste Szene des Films)
  • Verträge dick wie Telefonbücher
  • Für einen Sekundenbruchteil sieht man mal ein Edward G. Robinson-Photo im Truck der Bösewichte. Ich weiß nicht, was die Funktion dieses Details sein soll, aber es fiel positiv auf. Vielleicht, weil so zumindest kurz ein guter Schauspieler zu sehen war.

Leider könnte man weitaus längere Listen mit langweiligen, unvorstellbar klischeebelasteten oder reichlich missratenen Filmstellen zusammenstellen, aber ich will die Geduld meiner Leser nicht ähnlich auf die Probe stellen, wie der Film es bei mir tat (ich bin fast ein bißchen stolz darauf, es bis zum bitteren Ende durchgehalten zu haben). Nach 10.000 BC schickt Warner Bros erneut einen Film ins Rennen, um 2008 in den Kategorien Überflüssigkeit und Dummheit das Siegertreppchen zu beschicken. Und wieder werden viele bemitleidenswerte Menschen dafür Geld ausgeben.