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Die Box




Januar 2008
Thomas Vorwerk
für satt.org


Der Nebel (R: Frank Darabont)
Der Nebel (R: Frank Darabont)
Bilder © Senator Film
Der Nebel (R: Frank Darabont)
Der Nebel (R: Frank Darabont)
Der Nebel (R: Frank Darabont)

Der Nebel
(R: Frank Darabont)

Originaltitel: The Mist, USA 2007, Buch: Frank Darabont, Lit. Vorlage: Stephen King, Kamera: Ronn Schmidt, Schnitt: Hunter M. Via, Musik: Mark Isham, mit Thomas Jane (David Drayton), Marcia Gay Harden (Mrs. Carmody), Laurie Holden (Amanda Dumfries), Andre Braugher (Brent Norton), Toby Jones (Ollie Weeks), Robert C. Treveiler (Bud Brown), Nathan Gamble (Billy Drayton), Kelly Collins Lintz (Stephanie Drayton), Susan Malerstein (Hattie Turman), Jeffrey DeMunn (Dan Miller), Frances Sternhagen (Irene Reppler), William Sadler (Jim Grondin), Alexa Davalos (Sally), Sam Witwer (Wayne Jessup), David Jensen (Myron LaFleur), Chris Owen (Bagboy Norm), Melissa McBride (Young Mother), Brandon O'Dell (Bobby Eagleton), Buck Taylor (Ambrose Cornell), Andy Stahl (Mike Hatlen), Gregg Brazzel (Tom Smalley), Sonny Franks (Budweiser Cap), 127 Min., Kinostart: 17. Januar 2008

Es gibt einige Regisseure, die sich mehrfach an Stephen-King-Verfilmungen versucht haben. Horror-Experte Lewis Teague gab uns erst Cujo und legte dann noch Cat’s Eye nach. Komödienspezialist Rob Reiner bescherte uns Stand by Me und Misery - und rief Castle Rock Productions ins Leben. Tobe Hooper, der Mann hinter Poltergeist und dem Kettensägenmassaker, war mit Salem’s Lot einer der frühesten King-Regisseure und übernahm später The Mangler. Zombie-Meister George A. Romero inszenierte vor Stark - The Dark Half bereits Creepshow. Sein Kameramann Michael Gornick übernahm dann das Sequel Creepshow 2 und einige Episoden aus Golden Years. Tom Holland versuchte sich an den Langoliers und Thinner. Jemand namens Mick Garris war für Sleepwalkers und die TV-Versionen von The Stand und The Shining verantwortlich. Und wenn man die Qualität schon gänzlich außer acht lässt, könnte man auch noch Mary Lambert nennen (Pet Semetary und das Sequel). Aber es gibt nur einen Regisseur, dessen Karriere von Anbeginn mit King verwoben ist, und der sich von diesem Einfluss offenbar auch nicht lösen kann.

Frank Darabont verfilmte 1983 als Highschool-Abschlussarbeit die eher alltägliche Kurzgeschichte Woman in the Room als halbstündigen Kurzfilm, verdiente sich damit den Respekt des Autors und durfte mit The Shawshank Redemption (1994) und The Green Mile (1999) zwei Gefängnis-Geschichten zu hochkarätig besetzten Filmerfolgen machen. Danach drehte er mit Jim Carrey The Majestic, was aber kaum jemand wahrnahm, und nun kehrt er mit The Mist (für den er schon Ende des letzten Jahrtausends als Regisseur feststand) wieder zu King zurück, wenn auch ohne die Starpower von Tim Robbins, Morgan Freeman oder Tom Hanks.

King schrieb die etwas längere (130 Seiten) Kurzgeschichte The Mist bereits 1976, sie erschien erstmals 1980, also kurz nach John Carpenters The Fog (1979), abgesehen vom Horror-Genre und dem titelgebenden Nebel gibt es aber wenige Übereinstimmungen. In seiner Anthologie Skeleton Crew erzählt King über die Inspiration zu dieser Geschichte. Es gab einen starken Sturm, er war mit seinem Sohn Joe (inzwischen auch Bestseller-Autor) im Supermarkt und hatte plötzlich die Vision, dass ein prähistorischer Vogel ein Regal umschmeissen könnte. Dieser Vogel ist nur eines der absonderlichen Wesen, die im Nebel zuhause sind, und die Geschichte gehört nicht unbedingt zu Kings literarischen Höhenflügen - oder scheint besonders für eine Verfilmung geeignet, denn am gruseligsten ist hier, was man nicht sieht...

Zu jener Zeit (Ende der 1970er) war der Supermarkt übrigens ein Ort, der öfters in Gruselfilmen auftauchte, etwa in Dawn of the Dead, The Stepford Wives oder The Omega Man. Ist es nur ein Zufall, dass all diese Filme in den letzten Jahren ein Remake erfahren haben? Also erkundet nun auch Darabont den Konsumtempel als Ort des Schreckens.

Und wie man es nach seinen durchweg gelungenen King-Adaptionen erwartet, tut er dies mit einer Ernsthaftigkeit, die die wenigsten Regisseure bei solchen offensichtlichen Genrestoffen mobilisieren würden. Auf die Gefahr hin, etwas zu verraten, wimmelt es im Nebel von seltsamen Kreaturen. Prähistorisch anmutende Vögel, fliegende Stechmücken in Größe eines Schoßhundes, noch etwas größere Spinnentiere, und richtig riesige Wesen mit Tentakeln oder Scherenhänden. Das wird natürlich mit den üblichen CGI-Effekten realisiert, und bringt somit trotz Sinn für Innovation (oder auch mal angedeutete Ehrerweisungen an Alien oder Spielbergs War of the Worlds) eine Distanzierung des Zuschauers mit sich. Das macht Darabont teilweise wieder wett, wenn er den Nebel eben doch nur als Nebel inszeniert, oder er den Horror langsam und unaufhaltsam steigert, bis dann die jeweiligen Monstren zu sehen sind, oder manchmal eben auch über “old school”-Effekte oder allein über die Tonspur arbeitet. Außerdem hat Darabont ein Gespür für Humor, und noch stärker als bei King (wo es etwa auch schon die Grundschullehrerin mit dem Insektenspray gibt) wird gerade in den Effekt- und Action-Szenen über einige kernige Sprüche über die Unglaubwürdigkeit der Monstren hinweggetäuscht.