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Die Box




August 2007
Thomas Vorwerk
für satt.org


Evan Allmächtig (R: Tom Shadyac)

Evan Allmächtig
(R: Tom Shadyac)

Evan Allmächtig (R: Tom Shadyac)
Evan Allmächtig (R: Tom Shadyac)
Photo Credit: Rhythm & Hues
Copyright 2007 Universal Studios
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Evan Allmächtig (R: Tom Shadyac)
Evan Allmächtig (R: Tom Shadyac)

Dt. Titel: Evan Almighty, USA 2007, Buch: Steve Oedekerk, Kamera: Ian Baker, Schnitt: Scott Hill, Musik: John Debney, mit Steve Carell (Evan Baxter), Morgan Freeman (God), Lauren Graham (Joan Baxter), Wanda Sykes (Rita), Johnny Simmons (Dylan Baxter), Graham Phillips (Jordan Baxter), Jimmy Bennett (Ryan Baxter), John Goodman (Congressman Long), John Michael Higgins (Marty), Jonah Hill (Eugene), Molly Shannon (Eve Adams), Harve Presnell (Congressman Burrows), Jon Stewart (Himself), 95 Min., Kinostart: 9. August 2007

17,5 Millionen Dollar soll Evan Almighty gekostet haben, und man kann wohl davon ausgehen, daß Hauptdarsteller Steve Carell, eye candy Lauren Graham und der als Gott wiederkehrende Morgan Freeman zu dritt nicht soviel Gage bekommen haben wie der seinerzeit der noch als “hot as shit” zu bezeichnende Jim Carrey, der aus Bruce Almighty einen ziemlichen Erfolg machen konnte. Nun taten sich also der Regisseur (Patch Adams, Liar Liar) und Drehbuchautor (Jimmy Neutron, Boy Genius) zusammen, um ein Sequel ohne den sich nicht zur Verfügung stellenden Carrey zusammenzubasteln. Ungeachtet des wiederkehrenden Morgan Freeman und des ähnlichen Titels ist Evan Almighty aber eigentlich kein Sequel, denn Steve Carell als Evan ist weit entfernt davon, an irgend einer Stelle des Films als “allmächtig” bezeichnet zu werden. Er ist einfach nur ein ehemaliger TV-Moderator, der zum Kongressabgeordneten aufgestiegen ist, und durch den Gottesbefehl, eine Arche zu bauen, vor der sich entwickelnden Tendenz, sich von seiner Familie zu entfremden, bewahrt wird. Also wieder so ein Film, in dem ein Karrieremensch den Wert der Familie lernt …

Die Pressevorführung zu Evan Almighty war direkt im Anschluß an die zu The Simpsons Movie, und einzig meine Präsenz bei ersterem Film veranlasste mich, auch den zweiten durchzusitzen - in Erwartung von unterhaltsamen anderthalb Stunden. Doch leider wirkte nicht nur die gesamte Story des Films wie ein schwacher Abklatsch der Simpsons, insbesondere die Gagfrequenz und die Qualität der gebotenen Scherze ließ sehr zu wünschen übrig. Steve Carell hat als Noah-Abklatsch ein ähnliches Problem wie Homer Simpson beim Rasieren, der Bart wächst schneller nach, als er rasieren kann. Was aber nicht annähernd so witzig ist, wie es wohl sein soll. Neben unzähligen Problemen mit diversen Tieren (für die man laut imdb vier Tiertrainer und knapp über 250 Computeranimatoren engagierte) gibt es maue Slapstickeinlagen, eine vorhersehbare Story und eine Moral, bei der sich selbst Frank Capra noch wegen der Kitschigkeit beschwert hätte. John Goodman als böser Politiker ist ein Schatten seiner selbst, Morgan Freeman bekommt vielleicht drei ganz nette Gags zugeschustert, und Wanda Sykes ist die einzige Person, deren Präsenz auf der Leinwand durchweg eine Bereicherung ist. Nicht genug damit, daß der Film langweilig und ohne Bedeutung ist - in Zeiten, wo darüber diskutiert wird, ob Scientologe Tom Cruise einen Hitler-Attentäter spielen darf, wirkt Evan Almighty an nicht wenigen Stellen wie ein Werbefilm für die Zeugen Jehovas. Die stubenreine und friedliche Tierbesatzung der Arche scheint den naiven Zeichnungen im Wachturm nachempfunden zu sein, und bei der Personenzahl, die die Arche aufnehmen kann, lauert man nur auf jene mal errechnete Anzahl jener Sektenmitglieder, die das jüngste Gericht überleben dürfen. Die religiösen Untertöne des Films sind fast so ärgerlich wie der ganze Schwachsinn mit der Arche, die von einer immensen Flutwelle bis nach Washington gespült wird, wobei aber nicht nur keine Wasserleichen später auf dem Rasen liegenbleiben - es scheint nicht einmal jemand ernsthaft nass geworden zu sein. Und so wenig wie das digitale Wasser die Darsteller berührt dieser Film seine Zuschauer. Auch wenn ich jetzt die Metaphern durcheinanderbringe: dieser Film ist wahrhaft überflüssig!