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Die Box




Februar 2007
Thomas Vorwerk
für satt.org


Pans Labyrinth (R: Guillermo del Toro)
Pans Labyrinth (R: Guillermo del Toro)
Pans Labyrinth (R: Guillermo del Toro)
Bilder © 2006 Senator Film
Pans Labyrinth (R: Guillermo del Toro)
Pans Labyrinth (R: Guillermo del Toro)
Pans Labyrinth (R: Guillermo del Toro)

Pans Labyrinth
(R: Guillermo del Toro)

Pans Labyrinth (R: Guillermo del Toro)

Originaltitel: El laberinto del Fauno, Mexiko / Spanien / USA 2006, Buch: Guillermo del Toro, Kamera: Guillermo Navarro, Schnitt: Bernat Vilaplana, Musik: Javier Navarrete, Production Design: Eugenio Caballero, mit Ivana Baquero (Ofelia), Sergi López (Capitán Vidal), Ariadna Gil (Carmen Vidal), Maribel Verdú (Mercedes), Doug Jones (Faun / Pale Man), lex Angulo (Dr. Ferreiro), Manolo Solo (Garcés), César Vea (Serrano), Roger Casamajor (Pedro), 119 Min., Kinostart: 22. Februar 2007

Eines vorweg: Der deutsche Titel dieses Film, der aus den Staaten übernommen wurde (einzig das Genitiv-Apostroph hat man verschwinden lassen) impliziert, daß im Film irgendjemand namens “Pan” vorkommt oder dieser zumindest Besitzer eines Labyrinths ist. Doch obwohl es sowohl im Englischen wie auch im deutschen den Begriff “Faun” gibt (ein gehörnter Waldgeist), der auch im Originaltitel El laberinto del fauno vorkommt, hat entweder jemand den römischen Fruchtbarkeits-, Feld- und Waldgott Faunus einfach in den griechischen Wald- und Hirtengott Pan (der mit der Flöte) “übersetzt” oder man dachte einfach, “Pan” im Titel verkauft sich besser als “Faun”. Verschlimmert wird das Ganze noch dadurch, daß man nun auch noch im Presseheft behauptet, der Faun hieße “Pan”, und auch in den Untertiteln jedesmal “Pan” steht, wenn man doch in der spanischen Originalfassung klar “Faun” hören kann. Ob die Filmverleiher wieder mal die Intelligenz der Zuschauer unterschätzen, oder man bei einer solchen Genre-Produktion besonders fahrlässig bei der Übertragung ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Für mich heißt der Film jedenfalls El laberinto del fauno, und der Faun heißt gar nicht, sondern ist halt ein Faun.

Wer jetzt annimmt, nach Filmen wie Mimic, Blade II und Hellboy sei El laberinto del fauno auch nur wieder ein phantastischer Ausstattungsfilm mit Horroreinschlag, hat nur halb recht. Man kann die Waldgeister und Elfen für bare Münze nehmen und sich in den Abenteuern der kleinen Ofélia verlieren, die wie vormals Alice, Dorothy oder Wendy in einer Phantasiewelt Abenteuer zu bestehen hat.

Weitaus gefährlicher als riesige Frösche und kinderverschlingende blasse Gestalten sind aber die realen Schrecken des Franco-Regimes. Gemeinsam mit ihrer Mutter besucht Ofélia ihren Stiefvater Capitan Vidal (Sergio López), der in einem Waldgebiet verborgene Partisanen aufspüren will, und zum Erreichen seiner Ziele auch nicht vor Folter oder Mord an Anschuldigen zurückschreckt. So wie Ofélia noch auf der Hinfahrt in einem illustrierten Märchenbuch von Feenwesen und einer verschollenen Prinzessin erfuhr, die irgendwann wiedergeboren werden wird, um ihren rechtmäßigen Platz an der Seite ihres Vaters einzunehmen, so tauchen im Wald plötzlich tatsächlich Märchengestalten auf, die Ofélia als potentielle Prinzessin erkennen - nur einige Aufgaben müssen noch bestanden werden. Daß es bei diesen Aufgaben ähnlich wie in der realen Umgebung des Kindes um geheime Schlüssel oder ein Festmahl, an dem sie nicht teilnehmen darf, geht, muß man als Zuschauer nicht einmal wahrnehmen, um an der spannenden Geschichte seinen Spaß zu haben. Je mehr man aber die Querverweise zwischen den zwei Welten, zwischen denen Ofélia wandelt, erkennt, umso komplexer und meisterhafter erscheint einem die Geschichte.

Lost Girls” in düsterer Umgebung sah man in letzter Zeit vor allem in den Werken von Neil Gaiman (Coraline, Mirrormask), und es ist durchaus nicht abwegig, daß del Toro sich davon hat inspirieren lassen. Doch seine Geschichte ist für Kinder keineswegs geeignet, und etwa so dunkel wie eine Blutpfütze, die sich im Mondenschein bildet. Von seinen vorherigen “Spaßfilmen” setzt sich El laberinto del fauno so ab, wie man Spielbergs Schindler’s List wohl kaum mit Indiana Jones vergleichen würde. Und auch, wenn der Reifeprozess des Regisseurs seit Hellboy unübersehbar ist, ist der Film teilweise noch sehr verspielt, wie ein richtiger Fanboy zelebriert del Toro genüßlich seine Spezialeffekte, die sich mitunter auch mal in drastischen Gewaltdarstellungen äußern, die bei einem ab 12 freigegebenen Film wie Hellboy jeweils ausgespart wurden (auch, wenn man sich gut vorstellen kann, daß del Toro auch damals gerne etwas handgreiflicher vorgegangen wäre). Und auch, wenn einiges an dem Film noch etwas oberflächlich erscheint, sobald man die feinen Schichten dieser Erzählung einzeln abträgt, zeigt sich, daß Guillermo del Toro fortan neben Alfonso Cuarón (der ja in ähnlicher Weise einem Harry-Potter-Spektakel einen Polit-Thriller folgen ließ) zu den großen mexikanischen Regisseuren von Weltrang gezählt werden muß.