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Die Box


 

September 2004
Thomas Vorwerk
für satt.org

Hellboy
USA 2004

Filmplakat

Buch
und Regie:
Guillermo del Toro

Story:
Guillermo del Toro, Peter Briggs

Vorlage:
Mike Mignola

Kamera:
Guillermo Navarro

Schnitt:
Peter Amundson

Musik:
Marco Beltrami

Special Make-Up:
Rick Baker

Design Consultant:
Mike Mignola

Original Comic Logo:
Kevin Nowlan

Darsteller:
Ron Perlman (Hellboy), John Hurt (Trevor "Broom" Bruttenholm), Selma Blair (Liz Sherman), Rupert Evans (John Myers), Karel Roden (Grigori Rasputin), Jeffrey Tambor (Tom Manning), Doug Jones (Abe Sapien), Brian Steele (Sammael), Ladislav Beran (Kroenen), Bridget Hodson (Ilsa), Corey Johnson (Agent Clay), Kevin Trainor (Young Broom), Angus MacInnes (Sgt. Whitman), Rory Copus (Kid on Rooftop), Andrea Stuart (Girl with Kittens), William Hoyland (Von Krupt), David Hyde Pierce (Stimme Abe Sapien), Mike Mignola (Knight)

122 Min.

Kinostart:
16. September 2004

Hellboy


Filmszene
Filmszene
Filmszene
Fotos: © Columbia-Tristar
Filmszene
Filmszene
Filmszene
Filmszene

Mike Mignola ist ein Comiczeichner, der es bevorzugt, düstere Nächte und Monstren aller Art zu zeichnen. Sein sehr stilisierter Strich, der viel mit Schwarzflächen arbeitet, ist für Gruselstories ebenso prädestiniert wie der von Bernie Wrightson oder Kelley Jones. Zu Mignolas bekanntesten frühen Werken gehören das Elseworlds-Treffen von Batman mit Jack the Ripper (Gotham by Gaslight, 1989, damals noch geinkt von P. Craig Russell) und die Adaption des Dracula-Films von Francis Ford Coppola (1992), er war auch mal im Gespräch, eine Sandman-Storyline zu bebildern, woraus aber leider nichts wurde.

1994 erfind Mignola die Figur des Hellboy, dessen Abenteuer er nun erstmals auch selbst erdachte (zunächst noch mit Hilfe von John Byrne). Hellboy wurde zu einem ganz ordentlichen Erfolg, mittlerweile gibt es Hellboy-T-Shirts, Bierdeckel, sogar Romane und eine Kurzgeschichten-Anthologie - und jetzt eben die Verfilmung, nach The Mask und Barb Wire eine weitere aus dem Independent-Verlag Dark Horse, bei dem auch Frank Miller oder Paul Chadwick bevorzugt publizieren.

Der Film hält sich relativ genau an die erste Hellboy-Miniserie Seed of Destruction, lässt aber einige Figuren wie den WW2-Superhelden Torch of Liberty, das Medium Lady Cynthia (erinnert ein wenig an Mina Harker) oder Mrs. Cavendish fallen, und legt ein Hauptaugenmerk auf Figuren, die eigentlich erst später in der Hellboy-Chronologie (etwa in den Serien Wake the Devil oder The Corpse) wichtig werden. Dadurch verliert der Film das viktorianische Flair einiger früher Passagen des Comics, wird aber generell actionbetonter und stringenter, wenn da nicht einige Löcher in der Logik wären, die der Film (noch stärker als der Comic) einfach ignoriert. Und schweren Herzens werde auch ich dies tun, denn bei dieser Comicverfilmung geht es um den Spaß, der definitiv wichtiger ist.

"Cut to the end, will ya ? How do I kill it ?" --- "Hmm, doesn't say."

Nicht nur Mike Mignola ist glücklich darüber, daß beispielsweise John Hurt als Hellboys Ziehvater Professor Broom nahezu genauso aussieht wie im Comic (und man ist auch dankbar dafür, daß er nicht wie im Comic bereits auf Seite 15 des ersten Heftes stirbt), und insbesondere Ron Perlman (zuletzt als "Viceroy" in Star Trek - Nemesis, aber vor allem aus Frühwerken von Jean-Jacques Annaud und Jean-Pierre Jeunet bekannt) sieht trotz immensem Make-Up-Aufwand nicht wie ein wandelnder Special Effect aus, sondern füllt seine Titelrolle mit Bravour, Humor und Menschlichkeit (immerhin spielt er einen Dämonen aus der Hölle) aus.

Eindeutige Veränderungen zum Comic sind die Designs einiger Gegner, Obermonster Sammael alias "The Seed of Destruction" kennt man beispielsweise so nicht aus der gleichnamigen Mini-Serie. Mir auch unbekannt (ich kenne allerdings auch nicht jeden Hellboy-Comic …) ist der zusätzlich junge Sidekick vom F.B.I., John Myers (Film-Debütant Rupert Evans), der auch für einige romantische Verwirrung sorgt, denn Hellboy ist in seine pyrokinetische Kollegin Liz Sherman verliebt, die sich aber mehr für den gutaussehenden Jungmann zu interessieren scheint, was zu einer der wärmsten Szenenfolgen des Films führt: Liz und Myers spazieren durch die Stadt, Hellboy verfolgt die beiden und wird schier verrückt vor Eifersucht ("Damn, she took his picture. She took his picture. She took his picture.") und auf einem Hausdach gibt ihm ein 11jähriger Junge Ratschläge …

Der Drahtseilakt zwischen dem Vernichten diverser Monster, dem zynischen Tonfall der Hauptfigur und einigen humorvollen Einschüben ("Second date - no tongue" --- "I’m fireproof, you’re not") machen aus Hellboy, der von mir am zweitheißesten ersehnten Comicverfilmung des Jahres (gleich nach American Splendor) einen Funfilm, der es trotz der Schwächen im Drehbuch fast mit Spider-Man 2 aufnehmen könnte. Und insbesondere Jeffrey Tambor als Hellboys griesgrämiger Boss Manning hat fast so viele witzige Dialogzeilen wie J. Jonah Jameson.

Allerdings hat man noch viel mehr Spaß an Hellboy, wenn man auch die Comics kennt, und sieht, mit wie viel Liebe der erklärte Fan Guillermo del Toro (Blade II) den visuellen Stil Mignolas in Bilder umgesetzt hat. Man hat sogar das Original-Logo von Kevin Nowlan fast unverändert übernommen, der Fischmensch Abe Sapien wird durch den erfahrenen Kreaturen-Darsteller Doug Jones** (und die Stimme von David Hyde Pierce) zu einem liebenswerten Anti-Helden, und der Schlußmoment des Films ist zwar etwas kitschig, hat aber gute Chancen, bei den MTV-Movie awards zum "Kuss des Jahres" gewählt zu werden - wie einst bei Spider-Man …

Und laut www.imdb.com ist für 2006 bereits Hellboy 2 geplant …


**Einige skurrile Rollenbezeichnungen des Kreaturen-Darstellers Doug Jones: "Dead Iraqi Soldier" in Three Kings, "Yeti" in Monkeybone, "Space Alien #2" in Stuck on You, "Mother Bug" in Bug Busters, "Additional Ripper" in Tank Girl, "Spy Morlock" in The Time Machine, "Big Galgy" in Galgameth.