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November 2006
Thomas Vorwerk
für satt.org

Scoop - Der Knüller
UK/USA 2006

Scoop - Der Knüller (R: Woody Allen)

Buch
und Regie:
Woody Allen

Kamera:
Remi Adefarasin

Schnitt:
Alisa Lepselter

Darsteller:
Scarlett Johansson (Sondra Pransky), Woody Allen (Sid Waterman), Hugh Jackman (Peter Lyman), Ian McShane (Joe Strombel), Kevin McNally (Michael Tinsley), Romola Garai (Vivian), Julian Glover (Lord Lyman), Charles Dance (Mr. Malcolm), Anthony Head (Detective), Fenella Woolgar (Jane Cook)

96 Min.

Kinostart:
16. November 2006

Scoop - Der Knüller

Nachdem Match Point, Woody Allens erster in London gedrehter Film, Ende letzten Jahres eine der großen positiven Überraschungen darstellte, knüpft sein zweiter London-Film gleichzeitig daran an, erweitert aber auch das neue (Londoner) Universum des Woody Allen um einige Elemente, die langjährige Fans des Regisseurs bereits in ähnlicher Art kennengelernt haben. Scarlett Johansson konnte Woody auch für Scoop wieder gewinnen, neben dem auch nicht üblen Casting-Knüller Hugh Jackman spielt Woody diesmal aber auch selbst wieder mit - und es fällt positiv auf, wie sehr er sich dabei in den Hintergrund rückt.

Filmszene
Filmszene
Bilder © 2006 Concorde Filmverleih GmbH
Filmszene
Filmszene
Filmszene

Nach einer Beerdingungsrede und einer Diskussion über den Verblichenen, wie man sie ähnlich in Broadway Danny Rose sah, zeigt Woody uns den verstorbenen Journalisten Joe Strombel (Ian McShane) bei der Überfahrt über den Styx (mit Sensenmann, ein bißchen “mixed mythologies” kann ja nicht schaden). Ein Moment, wie er zunächst aus einem Bergman-Film stammen könnte, doch Woody lässt diesmal wenig Zweifel daran, daß wir uns in einer Komödie befinden, denn auch wenn Strombel zufällig auf die Fährte des “Tarot-Karten-Serienkillers” stösst, könnte seine Kontaktaufnahme mit der Welt der Lebenden kaum profaner sein: Eine junge amerikanische Journalistin (Scarlett Johansson), die bereits bei einem etwas missratenen Interviewversuch mit einem Filmregisseur ihre fehlende Erfahrung beweist, landet bei einer zirkusähnlichen Vorstellung in der “Entmaterialisierungs-Box” des abgehalfterten Vaudeville-Zauberers “Splendini” (Woody Allen) und trifft dort den Geist Strombels, der ihr von seinen Theorien berichtet. Daß sich die junge Journalistin nun ausgerechnet in ihren Hauptverdächtigen (Hugh Jackman als Sohn eines Lords) verliebt, ist nur wieder ein Versuch Allens, ein jüngeres Publikum anzusprechen - doch im Gegensatz zu seinen letzten amerikanischen Filmen wie Anything Else oder Melinda and Melinda, wo die Woody Allen-Figur einfach auf einen angesagten jungen Komiker (Jason Biggs bzw. Will Ferrell) übertragen wurde, funktioniert dies hier auch ohne jüngeren Ersatz-Woody. Woody bleibt Woody und schlüpft in eine Art Vater-Rolle, wird aber in jeder Hinsicht von Miss Johansson ausgestochen - doch so überrascht, wie Allen sich in Interviews dazu äußert, daß seine Witze nicht so komisch sind wie die der jungen Kollegin, so offensichtlich ist es doch, daß dies alles Teil des Plans des Regisseurs ist.

Daß er seine jungen und attraktiven Hauptfiguren sogar ganz nebenbei in Badeanzügen vorführt, während sich “Splendini” immer in einem Bademantel verbirgt, zeugt von Allens wiedergefundenem Ehrgeiz, nun tatsächlich Filme zu machen, die auch ein größeres Publikum als das über die Jahrzehnte langsam auszusterben drohende Stammpublikum der 1970er und 80er erreichen könnten. Auf dem Plakat zu Scoop findet man so auch den Hinweis, daß es sich um einen Film “vom Regisseur von Match Point” handelt - und somit kann sich sowohl jener in die Vorstellung verirren, der in seinem jungen Leben noch nie etwas von Woody Allen gehört hat, als auch jener, der aufgrund einer leider weit verbreiteten Aversion von Nicht-Intellektuellen gegen Woody davon abgehalten zu werden drohte. Woody bastelt sich ein völlig neues Publikum (und das in einem Alter, wo die meisten schon pensioniert sind), ohne es sich mit dem alten zu verscherzen.

War schon Match Point eine sehr britische Angelegenheit um Standesunterschiede, so kommt diesmal mit einem auf brünette Prostituierte abonnierten Serienmörder auch noch eine “Jack the Ripper”-Abwandlung dazu. Und mit zwei amerikanischen (eher unfreiwilligen) “Helden” zwischen dem aufrechten (toten) britischen Journalisten und dem weniger aufrechten (womöglich mörderischen) Blaublütler lebt Scoop auch sehr von den Unterschieden zwischen Woodys alter und neuer Filmwelt - und was Allens Filmfigur momentan noch einige Schwierigkeiten bereitet, wird er in weiteren Londoner Filmen sicher meistern, die Kartenspielertricks, mit denen man auch die Oberschicht verzaubern kann, beherrscht er bereits.