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Die Box




Februar 2006
Thomas Vorwerk
für satt.org

Eine zauberhafte Nanny
Nanny McPhee

UK 2005

Filmplakat

Regie:
Kirk Jones

Buch:
Emma Thompson

Lit. Vorlage:
Christianna Brand (d. i. Mary Christianna Lewis)

Kamera:
Henry Braham

Schnitt:
Justin Krish, Nick Moore

Musik:
Patrick Doyle

Production Design:
Michael D. Howells

Darsteller:
Emma Thompson (Nanny McPhee), Colin Firth (Mr. Brown), Kelly MacDonald (Evangeline), Thomas Sangster (Simon), Eliza Bennett (Tora), Raphael Coleman (Eric), Jennifer Rae Daykin (Lily), Sam Honywood (Sebastian), Holly Gibbs (Christianna), Angela Lansbury (Tante Adelaide), Celia Emrie (Mrs. Quickly), Derek Jacobi (Mr. Wheen), Imelda Staunton (Mrs. Blatherwick), Patrick Barlow (Mr. Jowls)

90 Min.

Kinostart:
2. Februar 2006

Eine zauberhafte Nanny
Nanny McPhee

Filmszene
Filmszene
Filmszene
Filmszene

Wenn man als Schauspieler mal gerade nicht die Rollen angeboten bekommt, die man gerne spielen möchte, gibt es unter anderem einige beliebte Möglichkeiten, diese Rollen sozusagen selbst zu kreieren: etwa als Produzent, Regisseur oder Drehbuchautor. So hat Sylvester Stallone nach einigen Hungerleiderjobs als Darsteller zwielichtiger Gestalten in Filmen wie Woody Allens Bananas oder Farewell, my Lovely für sein Drehbuch zu Rocky sogar eine Oscar-Nominierung erhalten, Ben Affleck und Matt Damon können sich nach Good Will Hunting sogar „Oscarpreisträger“ nennen, und auch Emma Thompson errang sich durch ihr Drehbuch zu Sense and Sensibility jene Ehre, auf die sie als Darstellerin womöglich noch längere Zeit warten muss. Ob sie bei ihrem zweiten produzierten Filmskript zu Nanny McPhee allerdings die von ihr verkörperte Titelfigur mit einer nahezu grotesken Hässlichkeit versah, weil sich in letzter Zeit Charlize Theron, Chris Cooper und Nicole Kidman ihre Darsteller-Oscars durch den „Mut zur Hässlichkeit“ verdienten, kann man getrost bezweifeln.

Nanny McPhee heißt jenes warzengesichtige Kindermädchen mit vorstehendem Schneidezahn, dessen „weibliche Rundungen“ man allenfalls mit einem Kartoffelsack vergleichen kann, und das sich bevorzugt den allerschlimmsten vorpubertären Nervensägen verschrieben hat, wie in diesem Fall den sieben Kindern (“alle ausgesprochen intelligent, aber auch sehr, sehr, sehr unartig“) des Witwers Mr. Brown (Colin Firth), die innerhalb von drei Tagen und acht Stunden (eher eine durchschnittliche Zeit …) gerade die letzte Nanny (Nr. 17) vergrault haben, weil sie ihr glaubhaft weismachen konnten, sie seien im Begriff, das jüngste Kind der Familie zu verspeisen.

Angeführt wird die rabiate Rasselbande vom ältesten, Simon (Thomas Sangster, der vor zwei Jahren sein Filmdebüt in Love, Actually, einer anderen Working Title-Produktion mit Emma Thompson hatte). Und Simon ist es auch, der auf Nanny McPhees sinnspruchartige Prophezeiung „Wenn ihr mich braucht, aber nicht wollt, muß ich bleiben. Wenn ihr mich wollt, aber nicht braucht, muß ich gehen“ vorlaut antwortet: „Wir werden sie nie wollen!“ Woraufhin die weise Nanny mit dem knorrigen Krückstock, der Zauberkräfte zu besitzen scheint, entgegnet: „Dann werde ich nie gehen …“

Die literarische Vorlage zum Film, die Anfang der 1960er erschienenen „Nurse Mathilda“-Bücher einer unter Pseudonym schreibenden Mystery-Autorin, sind im Gegensatz zu den Narnia-Büchern auch in ihrer Heimat England nahezu unbekannt, was sich nach dem zu erwartenden Erfolg des Films sicher ändern wird, denn Nanny McPhee ist ein Film, den man auch als Erwachsener ins Herz schließen muß, man kann diese Produktion ohne Scham mit großen klassischen Kinderfilmen wie Mary Poppins oder den Pippi Langstrumpf-Filmen vergleichen, angereichert mit Elementen aus Lemony Snickett oder My Fair Lady. Alles ist etwas plakativ, die Farbgebung im vorgeblich viktorianischen Haushalt etwas seltsam und insbesondere das Happy End des Witwers mit dem die Kinder trotz allem vergötternden Dienstmädchen Evangeline (Kelly MacDonald) dürfte selbst für die kleinen Zuschauer vorhersehbar sein, doch das Production Design erinnert teilweise an den ebenso extravaganten wie kindsköpfigen Tim Burton, und die Nebendarsteller wie Imelda Staunton, Angela Lansbury oder Derek Jacobi überbieten sich bei ihren Anstrengungen, ihre karikierten Figuren mit Hakennasen und Marabu-Hälsen zu porträtieren. Selbst die allzu zuckersüße Hochzeit am Schluß hat noch einen subversiven und anarchischen Kern und die Widmung am Schluß des Films klingt wie ein (eingehaltenes) Versprechen:

“This film is dedicated only to the truly naughty. And their children.“