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Die Box


 

November 2003
Franziska Rudert
für satt.org

Tatsächlich … Liebe
Love actually

GB 2003

Tatsächlich … Liebe (Love actually) (R: Richard Curtis)

Buch
und Regie:
Richard Curtis

Kamera:
Michael Coulter

Schnitt:
Nick Moore

Musik:
Craig Armstrong

Darsteller:
Hugh Grant (Premierminister), Emma Thompson (Karen), Alan Rickman (Harry), Liam Neeson (Daniel), Colin Firth (Jamie), Laura Linney (Sarah), Keira Knightley (Juliet), Thomas Sangster (Sam), Andrew Lincoln (Mark), Martine McCutcheon (Natalie), Bill Nighy (Billy), Kris Marshall (Colin), Chiwetel Ejiofor (Peter), Billy Bob Thornton (US-Präsident), Heike Makatsch (Mia), Rowan Atkinson (Rufus)

135 Minuten

Tatsächlich … Liebe
Love actually



Wenn man darauf achtet (z.B. am Flughafen), wenn Reisende von daheimgebliebenen Freunden oder der Familie abgeholt werden mit einer herzlichen Umarmung oder mit einem Lächeln, entdeckt man, dass Liebe überall zu finden ist, in jedem von uns steckt und sich öfter bemerkbar macht als man bewusst täglich wahrnimmt. Dies ist die Botschaft von "Tatsächlich … Liebe", der romantischen Komödie von Regisseur Richard Curtis, dem Autor von "4 Hochzeiten und 1 Todesfall" und "Notting Hill" und den Produzenten derselben Filme.


Tatsächlich … Liebe (Love actually) (R: Richard Curtis)

Tatsächlich … Liebe (Love actually) (R: Richard Curtis)

Tatsächlich … Liebe (Love actually) (R: Richard Curtis)

Tatsächlich … Liebe (Love actually) (R: Richard Curtis)




Tatsächlich … Liebe (Love actually) (R: Richard Curtis)

Tatsächlich … Liebe (Love actually) (R: Richard Curtis)

Der Einstieg ist gut zur Einstimmung auf den Film gewählt, in voice over wird über die überall zu findende Liebe gesprochen, die sich wiederholenden Bilder von sich am Flughafen umarmenden Leuten sind an sich einfach zu interpretieren, so dass, als die Zuschauer diesen Satz außerdem noch lesen dürfen, die Überdosis eigentlich bereits einsetzt - die Holzhammer-Methode …

Fünf Wochen vor Weihnachten läuft der Film in unseren Kinos an. Parallel dazu befinden wir uns auch im Film inhaltlich fünf Wochen vor Weihnachten und 19 Menschen suchen nach der Liebe. Und da sie ja überall ist, finden sie auch alle in den unterschiedlichsten Facetten, die einem Drehbuchschreiber zum Thema Liebe einfallen könnten. Die Idee, verschiedene scheinbar zufällige ausgewählte Personen in einen Handlungsrahmen zu holen ist zwar spätestens seit "The Player" alles andere als neu, doch ist es durchaus etwas besonderes, dieses Konzept in einem kommerziellen Genre wie der romantic comedy umzusetzen und zugleich unter ein Thema zu stellen - und das ist in diesem Fall Weihnachten. Bezeichnenderweise verbirgt sich hinter dem massenverträglichen Wort in der semantischen filmischen Umsetzung wenig. Weihnachten äussert sich vielmehr in Geschenken, die besorgt werden, der Suche nach Liebe und vor allem in dem Glauben, den alle Handlungsträger als gemeinsame Erkenntnis umsetzen: An Weihnachten muss man die Wahrheit sagen, die in jedermanns Leben selbstredend interessant sein kann und unterschiedlich ausfallen muss.

Jeder geht also seiner eigenen Wahrheitsfindung nach. Nur so funktioniert es, die vielen Personen unter einen Hut zu bekommen, da jeder in dieser britischen Produktion nur ein Problem zu lösen hat. Glücklicherweise ist z. B. der Premierminister (dargestellt von dem die Erwartungen charmant erfüllenden Hugh Grant) "nur" verliebt. In einem amerikanischen Film wäre er vermutlich noch schwul und hätte AIDS. Erfrischend und augenzwinkernd anzusehen ist hierbei vor allem die Szene, in der Hugh Grant in seiner Verliebtheit tanzt. Allerdings betonte der beliebte Schauspieler selbst, er hätte die Szene nicht in den Film hineingenommen und fände sie nicht gelungen. Gleichzeitig habe es ihm beim Drehen keinen Spass bereitet, um 7 Uhr morgens vor 100 Leuten am Set die Hüften zu schwingen.

Sarah, deren Einsamkeit und Zerbrechlichkeit überzeugend von Laura Linney transportiert werden, befindet sich in dem überschaubaren Konflikt, in ihren Arbeitskollegen Karl (Rodrigo Santoro) heimlich verliebt zu sein. Sie ist zu schüchtern, ihren für andere offensichtlichen Gefühlen nachzugehen, da sie sich in emotionaler Abhängigkeit zu ihrem pflegebedürftigen Bruder befindet.

Der Film sieht sich wie eine Seifenoper, in deren Verlauf man über jeden Charakter ein winziges Stück mehr erfährt. Dadurch ist nicht nur jede kleine Geschichte in einem Satz erzählbar, sondern birgt das vielmehr das Problem, dass die guten Ideen im Keim erstickt werden. Da der Film beides - heiter und leicht verdaulich - sein möchte und gleichzeitig die Gratwanderung wagt, ernsthafte zwischenmenschliche Probleme anzuleuchten, werden die Probleme mit einem Lächeln weggewischt, deren Thema aufzugreifen interessant gewesen wäre. Anders formuliert stecken in der zerfaserten Handlung mehrere Filme, die in einen gerafft wurden. Richard Curtis meinte in diesem Kontext, als er auf künftige Projekte angesprochen wurde, der Film wäre in seinem Schaffensprozess der Höhepunkt seiner Karriere und er fühle sich daher, als habe er die Leistung der Umsetzung mehrerer Filme in "Tatsächlich … Liebe" vollbracht.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die auf mehreren Ebene durchgehaltene Idee, einen Film im Film den Film erklären zu lassen. Als sich die frisch getraute Braut (Keira Knightley) mit dem besten Freund ihres Mannes, von dem sie aufgrund seines kühlen Verhaltens annimmt, er könne sie nicht leiden, das von diesem besten Freund selbst gefilmte Hochzeitsvideo ansieht, erreicht der Film eine spürbare Dichte. Obwohl in dieser Szene kein Wort gesprochen wird, wird die Wendung, dass der beste Freund diese Frau liebt, für jeden, auch die Braut, deutlich. Diese Idee ist nicht nur originell, sondern auch sehr passend, da sie nur im Medium Film praktizierbar ist.

Der schon aus "4 Hochzeiten und 1 Todesfall" bekannte Song "love is all around" taucht sogar als "christmas is all around" wieder auf, was "Tatsächlich … Liebe" zum idealen vorweihnachtlichen feeling good movie macht.