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Die Box




Dezember 2005
Thomas Vorwerk
für satt.org

Cry_Wolf
USA 2005

Filmplakat

Regie:
Jeff Wadlow

Buch:
Jeff Wadlow, Beau Bauman

Kamera:
Romeo Tirone

Schnitt:
Seth Lewis Gordon

Musik:
Michael Wandmacher

Darsteller:
Julian Morris (Owen Matthews), Lindy Booth (Dodger), Jon Bon Jovi (Rich Walker), Jared Padalecki (Tom), Sandra McCoy (Mercedes), Kristy Wu (Regina), Gary Cole (Mr. Matthews), Anna Deavere Smith (Headmaster Tinsley), Jesse Janzen (Randall), Paul James (Lewis), Jane Beard (Miss McNally), Erica Yates (Becky)

90 Min.

Kinostart:
8. Dezember 2005

Cry_Wolf

Filmszene
Filmszene
Filmszene
Filmszene
Filmszene

Die Entstehungsgeschichte dieses Films ist schon allein ein Märchen. Regisseur und Produzent, die zusammen auch das Drehbuch schrieben, nahmen nach einem gemeinsamen Kurzfilm und dem Abschluß des filmspezifischen Zweigs einer Universität beim „Chrysler Million Dollar Festival“ teil und qualifizierten sich für ein siebenmonatiges Programm, bei dem sie schließlich alle anderen Bewerber hinter sich ließen und grünes Licht und das Budget von 1 Million US-Dollar für ihr Spielfilm-Debüt bekamen. Die ursprüngliche Version des Drehbuchs zu Cry_Wolf entstand auch während dieses Wettbewerbs, hieß damals noch Living the Lie und spielte unter Twentysomethings in Los Angeles. Wie daraus dann ein auf den ersten Blick typsicher Teen-Slasher-Film an einer abgelegenen High School wurde, für den auch noch AOL als Sponsor gewonnen werden konnte, würde an dieser Stelle zu weit führen …

Owen (Julian Morris) ist der Neue am Internat, und über seinen chaotischen Zimmergenossen Tom (Jared Padalecki) und die attraktive Dodger (Lindy Booth), auf die er schnell ein Auge wirft, gerät er in den exklusiven „Liars’ Club“ (sieben Mitglieder), einer hippen nocturnen Truppe, die sich die Zeit damit verbringt, einen von ihnen zum „Wolf“ zu erklären, der dann die anderen nach und nach „ausschalten“ muß, bevor seine Identität auffliegt. Owen erweist sich als Naturtalent, doch nachdem im Wald in der Nähe die Leiche eines Mädchens aus dem Ort gefunden wird, kommen die rebellischen jungen Erwachsenen auf die Idee, das „Wolf“-Spiel auf die ganze Schule auszuweiten. Man verbreitet eine E-Mail, mit der das Gerücht entsteht, es handle sich bei dem Mörder um einen Serienkiller, der schon an einer anderen High School ein Blutbad angerichtet hat. Die sieben Berufslügner überschlagen sich darin, Mordszenarien zu entwerfen, die sich nun an der Westlake High School wiederholen sollen, wobei sie die gewissen Animositäten unter der Gruppe dazu treiben, sich gegenseitig „umzubringen“, was dann als Blaupause für den Killer herhalten soll. Sie „erfinden“ ihm sogar eine bevorzugte Waffe (Jagdmesser) und Kleidung (orange Skimütze, Tarnjacke), die dann bei der Halloween-Party einige Tage später auch sehr verbreitet sind. Zu diesem Zeitpunkt wundern sich die Mitglieder des Clubs aber bereits über das Verschwinden eines Mitglieds der Gruppe, der nur einen Abstecher zu einer willigen jungen Frau machen wollte, dort aber nie ankam, nur das Auto steht wieder da, wo es stehen sollte. Dazu gesellen sich beängstigende AIM-Messages auf Computern und Handys (ein Rätsel, wie der Täter es schaffen konnte, bei AOL das Kürzel „Wolf“ zu bekommen), und schließlich sieht alles danach aus, daß der „erfundene“ Killer Wirklichkeit geworden ist und die Mitglieder des „Club der Lügners“ nun in der selbstgewählten Reihenfolge und Art des Dahinscheidens umbringen wird, wobei die Schulautorität den Hilfeschreien der Hobbylügner natürlich wie in der Geschichte von Äsop keine Aufmerksamkeit mehr schenken.

Ohne die üblichen Klischees der dummen Blondchen zu bestätigen, die immer gleich die Treppe hochlaufen, orientiert sich Cry_Wolf dennoch stark am mitunter intelligenten Stil der Scream-Serie, und das Whodunit-Element ist auch hier sehr ausgeprägt. Ausreichend Verdächtige gibt es nicht nur im Lügnerclub, sondern auch im Umfeld, wobei insbesondere der junge Lehrer Walker (Jon Bon Jovi) nicht ganz koscher scheint, doch wie die Mordserie schließlich aufgelöst und beendet wird, ist noch cleverer als bei Scream, auch wenn die Puristen unter den Fans des Genres sich über einige Details beschweren könnten.

Neben dem in jeder Hinsicht überzeugenden Drehbuch und der zielgerichteten Inszenierung überzeugt der Film vor allem durch seine gut ausgewählten Darsteller. Der nahezu unbekannte Julian Morris in der Hauptrolle wird unterstützt von etwas bekannteren Gesichtern, die sich insbesondere im Horrorgenre bereits hervortun konnten, so etwa Lindy Booth (Dawn of the Dead, Wrong Turn) oder Jared Padalecki (House of Wax) und insbesondere Jon Bon Jovi gefällt durch seine bis zuletzt mysteriöse Ausstrahlung. Alles in allem: ein gelungener Abend für alle Horrorfans, die nicht immer nur dasselbe wollen, und sich nicht gleich beschweren, wenn sie mal ausgetrickst werden …