Anzeige:
Die Box




Februar 2005
Thomas Vorwerk
für satt.org

Cinemania 5
Be My Valentine

Pünktlich zum Valentinstag einige Filme, die mehr oder weniger gut ins Genre Romantic Comedy passen. Meet the Fockers kommt leider erst am 17. Februar in die Kinos, Hitch ist ab 18. Februar auf der Berlinale zu sehen. Der Valentins-Bezug funktioniert hier also nur über Kinogutscheine, aber zu Alfie macht das CineStar eine Valentinstags-Preview, und Crash Test Dummies läuft am Montag um 19 Uhr 30 im CineStar 8



Berlinale-Bär

Cinemania-Logo
Cinemania 5:
Be My Valentine


Hitch (Andy Tennant)

Dt. Zusatztitel: Der Date-Doktor, USA 2004, Buch: Kevin Bisch, Kamera: Andrew Dunn, Schnitt: Troy Takaki, Tracey Wadmore-Smith, Musik: George Fenton, mit Will Smith (Alex „Hitch“ Hitchens), Eva Mendes (Sara Melas), Kevin James (Albert Brennaman), Amber Valletta (Allegra Cole), Michael Rapaport (Ben), Adam Arkin (Max Trundle), 113 Min., Kinostart: 3. März

Vorführungen:
18. 2., 22 Uhr 30, Berlinale Palast,
19. 2., 9 Uhr 30, Urania,
19. 2., 21 Uhr, Urania,

Aus irgendwelchen Gründen liest man in manchen Zeitungen, daß „Action-Star Will Smith“ sich jetzt an einer Komödie probiert, doch mal ganz abgesehen davon, daß Smith über die TV Sitcom The Prince of Bel Air bekannt wurde, hat er ja auch im Kino schon in Filmen mitgespielt, die abgesehen von der Action auch über den Humor funktionieren sollten - man denke nur an seine Arbeiten mit Regisseur Barry Sonnenfeld.
Aber egal. In Hitch gibt es keine Action (höchstens mal angedeutet in den Laken) und zusammen mit Kevin James (The King of Queens) konzentriert sich der Film ganz auf die komischen und romantischen Aspekte. Regisseur Andy Tennant (Sweet Home Alabama) ist da sicher eine gute Wahl, und schon in den ersten fünf Minuten zieht einen der Film voll in seinen Bann, wenn der „Date-Doktor“ Hitch mithilfe eines Dackelweibchens einem seiner Klienten den perfekten Einstand gibt, sich in das Herz seiner Traumfrau zu spielen. Anders als in Alfie geht es in Hitch nicht um schnell zugänglichen Sex, sondern um wahre Liebe, und sowohl Hitch als auch sein love interest Sara (Eva Mendes) glauben daran natürlich nicht mehr - zu viele Enttäuschungen etc.
Der Film parallelisiert dann Hitchs eigene holprige love story mit seinen Bemühungen, den von Kevin James gespielten Albert, einen ziemlichen Tolpatsch, mit der sowohl wunderschönen wie auch berühmten und steinreichen Allegra (Amber Valletta) zusammenzubringen. Dadurch, daß Hitchs Traumfrau eine Journalistin ist, die gerne das Geheimnis um den incognito agierenden „Date-Doktor“ aufdecken würde, gibt es zusätzliche Verwicklungen, ganz wie nach Lehrbuch. Doch Hitch ist teilweise extrem witzig, was in vielen romantic comedies etwas zu kurz kommt. Das Timing stimmt, die Darsteller (insbesondere die Nebendarsteller) sind sympathisch, und allein der Anblick von Hitchs Ohr nach einem Anfall von Lebensmittelallergie ist ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.

Crash Test Dummies (Jörg Kalt)

Österreich 2005, Buch: Jörg Kalt, Kamera: Eva Testor, Schnitt: Emily Artmann, mit Maria Popistasu (Ana), Bogdan Dumitrache (Nicolae), Simon Schwarz (Jan), Kathrin Resetarits (Martha), Viviane Bartsch (Dana), Ursula Strauss (Sky), Barbara Albert (Rita), Christoph Künzler (Schlaginhaufen), Stipe Erceg (Arpad), 93 Min.

Vorführungen:
14. 2., 19 Uhr 30, CineStar 8,
15. 2., 20 Uhr 30, Colosseum,
16. 2., 17 Uhr 30 Arsenal

In Before Sunrise haben wir gesehen, wie es aussieht, wenn Hollywood ein Paar eine Nacht in Wien verbringen lässt. Der österreichische Forumsbeitrag Crash Test Dummies benutzt eine ähnliche Prämisse: Hier ist es ein rumänisches Paar, daß nach Wien fährt, um ein geklautes Auto wieder in die Heimat zu schmuggeln. Doch in Wien erfahren die beiden, daß sich der Deal verzögert, womöglich um eine Woche. Wenn man ohne Geld in Wien ist, stellt sich die Romantik nicht ganz so automatisch ein.
Ana will möglichst schnell zurück nach Rumänien, wo auch ihre Tochter wartet, Nicolae hat andere Pläne und so trennen sich die Wege der zwei. Regisseur Jörg Kalt sieht die Bewegung der beiden mit dem unerwarteten Stop in Wien wie bei den titelgebenden Crash Test Dummies - die Beschleunigungsenergie wird jetzt weitergegeben und so ist der Film vor allem ein episodenhafter Ensemble-Film um Zu- und Unfälle, nicht völlig unähnlich zu Böse Zellen von Barbara Albert, die hier auch zusammen mit einigen anderen bekannten Gesichtern des österreichischen Kinos mitspielt. Vielleicht die wahre Hauptrolle des Films ist der junge Kaufhausdetektiv Jan, der bei der Ausübung seines Jobs seine eigene Agenda verfolgt, aber auch die als menshclicher Crash Test Dummy erbeitende Martha oder Dana, die vergnügungssüchtige Angestellte eines Reisebüros, sind interessante Figuren, deren Irrungen und Wirrungen man gerne verfolgt. Ducrh den typisch österreichischen, respektlosen Humor, den in Before Sunrise allenfalls Tex Rubinowitz mit seinem Auftritt einbrachte, wird Crash Test Dummies zu einem der wohl unterhaltsamsten und sympathischsten Filme der diesjährigen Berlinale.

Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich (Jay Roach)

Originaltitel: Meet the Fockers, USA 2004, Buch: Jim Herzfeld, John Hamburg, Kamera: John Schwartzman, Schnitt: Jon Poll, Musik: Randy Newman, mit Ben Stiller (Gaylord Greg“ Focker), Robert DeNiro (Jack Byrnes), Dustin Hoffman (Bernie Focker), Barbra Streisand (Roz Focker), Blythe Danner (Dina Byrnes), Teri Polo (Pam Byrnes), Owen Wilson, Kinostart: 17. Februar 2005

Nach dem unerwarteten Erfolg von Meet the Parents vor einigen Jahren und der sich sehr gut entwickelnden Karriere von ben Stiller war es nur eine Frage der Zeit, wann auch dieser Film ein Sequel erfahren würde. Was beim Originaltitel sehr viel besser rüberkommt als beim bereits beim Original umständlichen deutschen Titel, ist die Verlagerung der Schwiegereltern, denn diesmal besucht man die Eltern des von Ben Stiller gespielten "Gaylord Focker" (durchaus interessant besetzt mit Dustin Hoffman und Barbra Streisand), und damit man den Co-Star des ersten Films nicht verliert, kommt Schwiegervater Robert DeNiro nebst Gattin Blythe Danner gleich mit zum für Katastrophen prädestinierten Familientreffen.
Obwohl sich Gaylord im ersten Film in den circle of trust“ seines CIA-gegerbten Schwiegerpapa mogeln konnte, muss er sich das Vertrauen immer wieder verdienen, was nicht einfach ist, wenn man dessen Tochter, die man definitiv vor der Hochzeit unberührt lassen sollte, längst geschwängert hat. Der Widerspruch zwischen den beiden Elternpaaren wird vor allem über die Väter eingebracht, die kaum unterschiedlicher sein könnte. DeNiro spielt einen harten, politisch klar rechts angeordneten Erfolgsmensch, Hoffman einen jüdischen Anwalt, der kein Problem damit hat, seine Frau das Geld verdienen zu lassen – noch dazu als Sexualtherapeutin für Senioren. Da sind Konflikte vorprogrammiert, und wem das noch nicht reicht: Natürlich haben die Byrnes eine Katze und die Fockers einen Hund.
Jay Roach, der mit dem selben Drehbuchteam auch bereits den ersten Film realisierte, ist vor allem durch seine Austin Powers-Filme bekannt, doch der Humor ist hier vergleichsweise subtil, wenn man mal von dem Toiletten-Fiasko und dem im Fondue gelandeten Souvenir von Gaylords Beschneidung absieht. Geradezu erstaunlich ist es aber, wie gut sich Hoffman und DeNiro ergänzen, eines jener Schauspiel-Traumpaare seit den 1970ern, bei dem man immer auf einen gemeinsamen Film hoffte (und in Meet the Fockers sieht man sogar mal kurz Al Pacino!). Ungeachtet ihrer früheren Glanzleistungen sind diese zwei Darsteller in letzter Zeit ziemlich vor den Hund gekommen, insbesondere DeNiro war kaum zu ertragen, wenn er mal absichtlich witzig war (Analyze this & that), und Hoffman der bis Tootsie jede seiner Rollen sehr bedacht auswählte, agiert heutzutage oft nur noch als Stichwortgeber, klar unter seinen Fähigkeiten. Umso erfreulicher, daß sie hier als Nebendarsteller-Paar ebenso wie ihre Gattinnen verzücken, und nicht nur für oder gegen Ben Stiller agieren, sondern vor allem mit ihm.
Meet the Fockers ist sicher nichts besonderes, aber ein unterhaltsamer Garant für einen gelungenen Kinoabend, insbesondere in der Gruppe, die dann nach dem Kino nochmal die besten Gags Revue passieren lassen kann.

Wimbledon (Richard Loncraine)

Dt. Titelzusatz: Spiel, Satz … und Liebe, Buch: Adam Brooks, Jennifer Flackett, Mark Levin, Kamera: Darius Khondji, Schnitt: Humphrey Dixon, Musik: Edward Sheamur, mit Paul Bettany (Peter Colt), Kirsten Dunst (Lizzie Bradbury), Sam Neill (Dennis Bradbury), Jon Favreau (Ron Roth), Austin Nichols (Jake Hammond), Nikolaj Coster-Waldau (Dieter Proll), Bernard Hill (Edward Colt), Eleanor Bron (Augusta Colt), John McEnroe, Chris Evert, 98 Min., Kinostart: 24. März (ursprünglich 17. Februar)

Der Brite Peter Colt (Paul Bettany, bisher vor allem durch größere Nebenrollen wie in A Knight‘s Tale, A Beautiful Mind, Master & Commander oder Dogville aufgefallen) war einst für kurze Zeit die Nr. 11 der Tennisweltrangliste, doch nun ist er auf 119 abgefallen und will seine wahrscheinlich letzte Qualifikation fürs Turnier in Wimbledon für einen halbwegs ehrenhaften Abschied benutzen und dem Profitennis den Rücken kehren. Als er jedoch sein überraschend luxoriöses Hotelzimmer betritt, erblickt er unter der Dusche zunächst einmal den Rücken (und etwas mehr) des aufstrebenden Superstars des Damentennis, der jungen Amerikanerin Lizzie Bradbury (Kirsten Dunst), die erstaunlich locker darauf reagiert, daß ein fremder Mann in ihrem Hotelzimmer auftaucht, während sie nackt unter der Dusche steht.
Die Verteilung der Adjektive „britisch“, „amerikanisch“ und „berühmt“ auf die zwei Hauptdarsteller erinnert stark an Notting Hill, der wie viele andere Filme von der britischen Erfolgsfirma Working Title stammen, doch über Lizzies Vater Dennis (Sam Neill) kommt schon mal eine etwas andere Ausprägung in den Film, denn die Romanze spielt sich zwar wieder vorerst im Geheimen ab, doch nun geht es darum, durch „Fensterln“ das strenge Trainingsprogramm zu „sabotieren“ (“Kein Sex in der Nacht vor dem Match“). Die Regeln des Genres Romantic Comedy sind hinreichend bekannt und werden hier auch ohne zu große Formelhaftigkeit wiederholt, und deshalb richten wir unser Augenmerk auf den anderen, weitaus innovativeren Aspekt des Films.
Wimbledon ist nicht nicht nur wie Notting Hill ein Bezirk in London, sondern natürlich der Austragungsort des weltweit angesehensten Tennisturniers, und ich muß sagen, daß ich bis auf Komödien-Klassiker wie Les vacances de Monsieur Hulot und Tennis selten Filme gesehen habe, die sich ausgerechnet diesem Sport angenommen haben. In der ersten Hälfte des Films gibt es relativ viel elektronischen Firlefanz, um über CGI-Kamerafahrten von einem Tennisplatz zum anderen zu kommen, doch je mehr sich der Film dem Finale nähert, umso mehr haben die Filmemacher es auch vollbringen können, wirklich phänomenale Ballwechsel zu zeigen, die nicht wie in Bend it like Beckham durch die Montage kreiert werden, sondern in langen Einstellung völlig authentisch scheinen (oder ist die Computertechnologie schon VIEL weiter, als mir bekannt ist?). Außerdem hat man mit John McEnroe und Chris Evert zwei ehemalige Tennisgrößen als Kommentatoren und Selbstdarsteller verpflichtet, die dem Ganzen noch mehr Authentizität verleihen - und damit hatte zumindest ich bei dem Film nicht gerechnet. Hier wird wirklich Weltklassetennis gezeigt, und man ärgert sich fast, daß es bei den spielentscheidenden Ballwechseln nicht wie im Fernsehen noch eine Zeitlupe gibt.
Ein weiteres positives Detail, das ich zum Ende noch erwähnen möchte, sind die Vorspanntitel, die den Zuschauer wie bei einem Tennismatch dazu verleiten, mit dem Kopf immer von links nach rechts und zurück zu gehen. Schade, daß diese geradezu geniale Idee durch eine Computer-Bildverfremdung für Arme etwas zunichte gemacht wird - außer diesem Aufschlagfehler gibt es an Wimbledon kaum etwas zu beanstanden.

Alfie (Charles Shyer)

USA 2004, Buch: Elaine Pope, Charles Shyer, Lit. Vorlage: Bill Naughton, Musik: Mick Jagger, David A. Stewart, mit Jude Law (Alfie Elkins), Marisa Tomei, Susan Sarandon, Omar Epps, Nia Long, Jane Krakowski, Sienna Miller, Kinostart: 10. März 2005

Momentan scheint es hierzulande, als drehe Jude Law jeden zweiten Monat einen neuen Film, seit Sky Captain (Nov) sah man ihn in Closer (Jan) und konnte ihm in Lemony Snicket immerhin als Stimme selbigen lauschen. Nun kommt ein Film, in dem Jude Law nicht nur die fast durchgehend präsente Titelrolle spielt, sie scheint ihm auch auf den Leib geschneidert zu sein. Kommentare weiblicher Kinobesucher mit einer gewissen Schwäche für den Schauspieler lauteten nach Sichtung des Trailers von Alfie etwa: „Er sieht in jeder Szene atemberaubend gut aus“ - und das ist bereits vollkommen ausreichend als Motivation für einen Kinobesuch, wie man zuletzt bei Troy sah.
Michael Caine sah auch einmal atemberaubend gut aus und durfte in der ersten Verfilmung dieses Theaterstücks den Alfie spielen. Diesen Film habe ich leider nicht gesehen, weshalb es diesmal keinen detaillierten Vergleich gibt. Jude Law als Alfie sieht atemberaubend gut aus, verführt bis auf einige Statisten jede gutaussehende Frau, die in diesem Film auftaucht - und dies ohne Rücksicht auf Verluste, die die Frau machen könnte. Wenn man von den Reaktionen der Kinozuschauerinnen auf andere schließen darf, dürfte es Jude Law wahrscheinlich tatsächlich ein Leichtes sein, jede Frau rumzukriegen, doch reicht dies schon als Inhalt eines Films? Will man mitansehen, wie er Frauenherzen bricht, weil er nach dem fünften Schäferstündchen wieder Abwechslung braucht? Wie er lügt und betrügt, beste Freunde hintergeht, Frauen ausnutzt und Abtreibungen initiiert? Und bei alledem atemberaubend gut aussieht und zumindest einige Zuschauer (etwa 50 %) ihm dies alles sofort verzeihen, weil --- er sieht ja nun mal atemberaubend gut aus!
Ich hatte meine Probleme mit dem Film, und auch die unvermeidbare Rache der Weltweiblichkeit an Alfie, drohende Impotenz und Aids-Erkrankung und seine zumindest angedeutete Veränderung konnten für mich keinen wirklichen Sinn in diesem Film herstellen (außer natürlich, man will sehen, wie Jude Law atemberaubend gut aussieht). Da spielt sich zunächst die Farbe Rosa in den Vordergrund, über Vorspanntitel, Schnitteffekte und Jude Laws Oberhemd (in dem er übrigens atemberaubend gut aussieht). Dann fallen einem Plakate mit riesenhaften Schriftzügen auf, doch die Worte „rescue“, „zero“, „desire“, „wish“ und „search“ geben meines Erachtens nicht soviel Subtext ab, daß sich dieses Stimittel auszahlt. Etwas später gibt es eine nette Sequenz in Standbildern, die aber meines Erachtens nur die Funktion erfüllt, eine weibliche Nebenfigur besser dastehen zu lassen (sieht übrigens auch atemberaubend gut aus). Und dann diese völlig sinnlosen Jump-Cuts und der Einsatz von split screen … Das sieht teilweise atemberaubend gut aus, doch ich erwarte von einem Film einfach mehr als Oberflächenreize und eine angedeutete Moral.
Während Jude Law in die Kamera spricht und den Zuschauer wie einen Komplizen behandelt, mag der männliche Zuschauer sich in ein Geheimnis eingeführt fühlen (auf das ich aber verzichten kann), während jene, die auf Jude Law stehen, sich einfach nur freuen, daß er sie mal direkt anspricht. Aber aus meiner Sicht rechtfertigt dies alles noch keinen Kinobesuch - und auch nicht der mit dem Golden Globe ausgezeichnete Song von Dave Stewart und Mick Jagger. Aber das ist nur meine Sicht auf die Dinge, und ich bin mir sicher, unzählige Jude Law-Fans werden (teilweise mehrfach) in diesen Film rennen, und das macht für die Filmemacher dann durchaus wieder Sinn, dann sieht das Bankkonto nämlich atemberaubend gut aus.

Vom Suchen und Finden der Liebe (Helmut Dietl)

Deutschland 2004, Buch: Patrick Süßkind, Helmut Dietl, Kamera: Jürgen Jürges, Schnitt: Inez Regnier, Frank Müller, Filmmusik: Dario Farina, Liedkompositionen: Harold Faltermeyer, mit Moritz Bleibtreu (Mimi Nachtigal), Alexandra Maria Lara (Venus Morgenstern), Uwe Ochsenknecht (Theo Stokowski), Anke Engelke (Helena Stokowski), Heino Ferch (Hermes Aphroditus), Justus von Dohnányi (Harry), Marily Milia (Kalypso), Richard Beek, Christoph Maria Herbst, Harald Schmidt, 107 Min., Kinostart: 27. Januar 2005

Ein neuer Kinofilm von Helmut Dietl wird immer noch mit der eingefahren routinierten Neugier erwartet, auch wenn der Regisseur von Schickeria-Fernsehserien wie Monaco Franze oder Kir Royal und mitunter gehaltvolleren Kinokomödien wie Schtonk lange über seinen Zenit hinaus ist, wie Debakel wie Rossini oder Late Show beweisen.
Der Titel Vom Suchen und Finden der Liebe verheißt schon nichts Gutes und eine „moderne Fassung“ von Orpheus und Eurydice hat uns im letzten Jahr schon Nick Cave verschafft, eine akute Nachfrage bestand also gar nicht. Dietl schnappte sich abermals den reichlich überschätzten Co-Autoren Patrick Süßkind (Das Parfüm), und sie schufen gemeinsam das „ultimative Liebespaar“ mit Namen Mimi Nachtigal und Venus Morgenstern. Zugegeben, Rollennamen wie „Moritz Bleibtreu“ oder „Uwe Ochsenknecht“ wären wahrscheinlich ähnlich unglaubwürdig gewesen, aber ich finde, schon wenn man sich ein Liebespaar mit Namen Mimi & Venus vorstellen soll, sieht man erste Probleme.
Das erste Treffen von Bleibtreu und Lara ist dann auch noch recht gelungen, auch wenn das Orpheus-Thema über eine weggeworfene Partitur schon zu offensichtlich eingebracht wird, und man sich statt einem siebenjährigem Fast-Forward bezüglich der Sangeskarriere von Frau Morgenstern und der ruinierten Beziehung unseres Paares lieber etwas mehr Information gewünscht hätte, insbesondere bezüglich der Probleme des Komponisten und Produzenten, seinem jungen Schützling den Berliner Dialekt abzugewöhnen - doch hier war den Autoren die Vorlage My Fair Lady offensichtlich weniger wichtig als das Vorantreiben der Handlung, und so werden Bonmots wie über die Hamburger Ausprache des Wortes „Sternschnuppe“ leider verschenkt.
Dummerweise kann man als Zuschauer durch das Hetzen durch die Jahre entweder nur schwer verstehen, was die beiden jetzt auseinandergetrieben hat oder was sie immer noch zusammenhält - abgesehen von der üblichen Beziehungsdynamik und der aufgedrückten Drehbuchstruktur. Die zweite Hälfte des Films wirkt dadurch ziemlich aufgesetzt, einzig die Szenen mit Uwe Ochsenknecht sind durchweg unterhaltsam und Heino Ferchs Auftritt als mythologischer Hermaphrodit überzeugt durch seinen Camp-Charakter. Moritz Bleibtreu hingegen, der zuletzt in Agnes und seine Brüder so überzeugte, bleibt diesmal weit hinter seinen Fähigkeiten - und bei der dauerheulenden Alexandra Maria Lara frage ich mich schon länger, was manch einer in dieser sieht. Wie Dietl sie für einige unnötige Nacktszenen verschleißt, sagt ein übriges. Weitaus interessanter als Frau ist neben der quirligen Anke Engelke (inkl. Bettszene mit Harald Schmidt) Dietls Neuentdeckung Marily Milia als Kalypso, doch außer gut aussehen darf sie in diesem Film auch nichts.
Ich will noch einmal kurz auf den Nick Cave-Song The Lyre of Orpheus zurückkommen, in dem es diese nette Strophe gibt:
The well went down very deep
Very deep went down the well
The well went down so very deep
Well, the well went down to hell.
Dieser Brunnen als Übergang zum Hades taucht auch in Vom Suchen und Finden der Liebe auf, und er ist in mancher Hinsicht symptomatisch, den zu gut 80% ist der Film wie dieser Brunnen: bodenlos.


Coming soon in Cinemania 6 (Berlinale Blancmange): Rezensionen zu europäischen Filmen auf der Berlinale: Man to Man, Provincia Meccanica, Sorry for Kung Fu, Les temps qui changent, La vita che vorrei, Violent Days, Yes