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Die Box


 

Februar 2003
Thomas Vorwerk
für satt.org

Star Trek - Nemesis
USA 2002

Star Trek: Nemesis

Regie:
Stuart Baird

Buch:
John Logan

nach einer Story von John Logan, Rick Berman & Brent Spiner

nach Charakteren und Konzepten von Gene Roddenberry

Kamera:
Jeffrey L. Kimball

Schnitt:
Dallas Puett

Musik:
Jerry Goldsmith

Production Design:
Herman Zimmermann

Make-Up Supervisor:
Michael Westmore

Darsteller:
Patrick Stewart (Jean-Luc Picard), Jonathan Frakes (William Riker), Brent Spiner (Data/B-4), Tom Hardy (Shinzon), LeVar Burton (Geordi La Forge), Michael Dorn (Worf), Gates McFadden (Beverly Crusher), Marina Sirtis (Deanna Troi), Ron Perlman (Viceroy), Shannon Cochran (Senator Tal'aura), Dina Meyer (Donatra), Jude Ciccolella (Commander Suran), Alan Dale (Praetor Hiren), Kate Mulgrew (Admiral Janeway), Whoopi Goldberg (Guinan), Wil Wheaton (Wesley Crusher), Majel Barrett Roddenberry (Computer Voice), Bryan Singer (Starfleet Bridge Officer)

Star Trek - Nemesis




Star Trek: Nemesis

Star Trek: Nemesis

Star Trek: Nemesis

Star Trek: Nemesis

Star Trek: Nemesis

Star Trek: Nemesis

Star Trek: Nemesis

Star Trek: Nemesis

Star Trek: Nemesis

Star Trek: Nemesis

Star Trek: Nemesis

Der zehnte Star Trek-Kinofilm ist der dritte, den ich als bekennender Trekkie erlebe, und den Vergleich mit "First Contact" braucht er nicht scheuen, er provoziert ihn sogar. Nicht genug damit, daß es sich mal wieder um einen geradzahligen Film handelt, die ja bekanntlich gesetzmäßig gelungener sind (Ausnahmen bestätigen höchstens die Regel), auch ist "Nemesis" von der Atmosphäre her fast noch dunkler als "First Contact". Wenn Picard einem seiner ihm zahlenmäßig überlegenen Widersacher seine Phaser Rifle vor den Latz haut, versäumt es die Inszenierung nicht, dem Zuschauer zu zeigen, daß die robuste Feuerwaffe durch den unsachgemäßen Gebrauch eben unbrauchbar gemacht wurde, Picards dunkle Seite kommt also wieder zum Vorschein, und diesmal ist niemand dabei, ihn darauf hinzuweisen, daß er sich ein wenig wie Captain Ahab aufführt.

Wie mittlerweile bekannt sein dürfte, ist Picards Gegenspieler ein Klon Jean-Lucs namens Shinzon, der von den Romulanern einst als potentieller Spion erzeugt wurde, unter einer neuen Regierung aber in ein Arbeitslager auf dem Schwesterplanet Remus verbannt wurde. Die Remaner, die wie "Nosferatu in Lack und Leder" aussehen, sind vielleicht auch deshalb auf Romulus nicht sehr beliebt, doch nachdem ein Remaner (der unter dem Make-Up nicht wiederzuerkennende Ron Perlman) den jungen Shinzon vor den unmenschlichen (pun intended!) romulanischen Sklavenwärtern beschützt, arbeitet sich der hasserfüllte Shinzon mit der picardschen Sturheit nach oben, bis er schließlich nach einem hinterhältigen Anschlag auf den romulanischen Senat sogar die Vereinigung von Romulus und Remus erreicht und als neuer Praetor zu "Verhandlungen" mit der Föderation bereit ist.

Die Enterprise, eigentlich auf dem Weg zum zweiten Teil der Hochzeit von Riker und Troi auf Betazed (Drehbuchautor John Logan scheint auch "Imzadi" gelesen zu haben) sammelt zunächst auf einem Planeten einen Prototyp Datas namens "B-4" auf, um dann Picard auf sein jüngeres Ich treffen zu lassen. Und das wird natürlich kein nettes Familientreffen, sondern Shinzon hat bereits ein Riesenraumschiff mit einer Mega-Waffe bereit, um die Menschheit auszurotten.

"Nemesis" hält noch einige Überraschungen bereit, die auch ich hier nicht ausplaudern werde, doch der Film steht und fällt mit seinem Bösewicht. Der völlig unbekannte Tom Hardy überzeugt als Shinzon über lange Strecken. Nicht nur hat man ihm eine Glatze, Picard-Nase und Plastellin-Grübchen verschafft, auch gelingt es ihm, als dunkler Spiegel Picards zu erscheinen. Leider wurde es aber versäumt, seine Motivation für die Vernichtung der Erde klarzumachen, weshalb er in manchen Szenen mehr an "Dr. Evil" als an den zumeist sehr logischen Picard erinnert.

Dafür ist der Sub-Plot über Datas Doppelgänger gut eingearbeitet, und man kommt nicht umhin, sich zu fragen, inwiefern Brent Spiner den Ausgang der Geschichte wohl beeinflußt hat …

Nicht nur Patrick Stewart weiß in Interviews immer wieder die Fähigkeiten seines Drehbuchautors John Logan herauszustellen, dem es hier gelingt an diverse epochale Begebenheiten des Star Trek-Universums anzuknüpfen. So erinnert die Auflösung des Konflikts an die Bedeutung der Enterprise-C für die Völkerverständigung zwischen den Klingonen und der Föderation (auch damals spielten die Romulaner eine Rolle). Und Data zeigt, daß er von Spock nicht nur den vulkanischen Nervengriff gelernt hat, sondern auch einen integralen Bestandteil der vulkanischen Philosophie. "The needs of the many …"

Doch trotz einiger überraschenden Wendungen und vieler kleiner Momente, die den Film schmücken, versäumt es das Drehbuch, den eigentlichen Konflikt und die daraus entstehende Geschichte befriedigend aufzubauen. Der Showdown zieht sich etwas zu sehr in die Länge, der Tod des Nebenschurken wird nicht akzentuiert, obwohl sein Kampf mit Riker nach einer Quasi-Vergewaltigung seiner Braut durchaus Bedeutung haben könnte. Und nach dem ganzen Spektakel ist der Epilog etwas zu plötzlich. Bereits jetzt lockt der Regisseur mit einem alternativen Ende auf der in sechs Monaten erscheinenden DVD, bei der auch Wil Wheaton einen oder zwei Sätze zu sagen haben soll. Aber ich habe ja eh keinen DVD-Player und kann auch nicht nachvollziehen, warum man den Film dann nicht gleich ein paar Minuten länger gemacht hat oder stattdessen den Showdown etwas verkürzt. Aber abendfüllende Filme, die auch noch Nichttrekkies in Kino locken sollen (und von ihnen verstanden werden müssen) sind auch nicht das passende Medium für Star Trek, dessen größte Momente immer noch innerhalb von 44 Minuten stattfanden.

Und wenn es denn unbedingt ein Langfilm sein soll, so bevorzuge ich "The Voyage Home" (#4) und "Generations" (#7). Oder die eine oder andere Doppelepisode. Vielleicht sollte der 11. Star Trek-Film einfach eine Geschichte erzählen, die Figuren aus unterschiedlichen Serien in eine Situation verwickeln. Auf Captain Rikers neuem Schiff "Titan" könnten ja Seven of Nine, Ensign Nog, Tom und B'Elanna oder Ezri Dax anheuern, und Neelix und Quark kümmern sich gemeinsam um das leibliche Wohl …

Durch ähnlich ungewohnte Konstellationen könnten sich interessante Nebenhandlungen entwickeln, es fällt leichter, auch mal jemanden über die Klinge springen zu lassen, und Gaststars könnten ausnahmsweise als Crewmitglieder statt als Bösewichte auftreten.

Aber vor allem sollte LeVar Burton Regie führen …