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Die Box


 

August 2004
Thomas Vorwerk
für satt.org

Stealing Rembrandt - Klauen für Anfänger
Rembrandt

Dänemark 2003

Regie:
Jannik Johansen

Buch:
Anders Thomas Jensen, Jannik Johansen

Kamera:
Eric Kress

Schnitt:
Per K. Kirkegaard

Musik:
Antony Genn

Darsteller:
Lars Brygmann (Mick), Jakob Cedergren (Tom), Nicolas Bro (Jimmy), Nikolaj Coster Waldau (Kenneth), Paprika Steen (Charlotte), Sonja Richter (Trine), Søren Pilmark (Bæk), Gordon Kennedy (Christian), Ulf Pilgaard (Flemming), Ole Ernst (Frank), Nikolaj Lie Kaas (Carsten), Petrick O'Kane (Nigel), Martin Wenner (Toby)

109 Min.

Kinostart:
12. August 2004

Dänische Delikatessen
De grønne slagtere

Dänemark 2003

Dänische Delikatessen (De grønne slagtere) (R: Anders Thomas Jensen)

Buch
und Regie:
Anders Thomas Jensen

Kamera:
Sebastian Blenkov

Schnitt:
Anders Villadsen

Musik:
Jeppe Kaas

Darsteller:
Nikolaj Lie Kaas (Bjarne / Eigil), Mads Mikkelsen (Svend), Line Kruse (Astrid), Ole Thestrup (Holger), Bodil Jørgensen (Tina), Aksel Erhardsen (Pastor Villumsen), Lily Weiding (Frau Juhl), Nicolas Bro (Hus Hans)

95 Min.

Kinostart:
19. August 2004

Kriminell komisch - 2 Filme
von Anders Thomas Jensen


Stealing Rembrandt (R: Jannik Johansen)
Stealing Rembrandt (R: Jannik Johansen)
Stealing Rembrandt (R: Jannik Johansen)
Stealing Rembrandt (R: Jannik Johansen)
Anders Thomas Jensen ist einer der prominentesten und profiliertesten Drehbuchautoren Dänemarks, Mifune, Open Hearts, Wilbur wants to Kill Himself oder Skagerrak stammen aus seiner Feder, und dieser Tage kommen gleich zwei von ihm geschriebene Filme in die deutschen Kinos.

Rembrandt ist eine bereits seit längerem europaweit groß angekündigte dänische Großproduktion mit Starbesetzung, die definitiv für den internationalen Markt konzipiert wurde. Die Geschichte einiger Gelegenheitsdiebe, die "aus Versehen" ein Rembrandtgemälde aus einer Bank stehlen und damit unversehens mehr Aufsehen erregen, als ihnen lieb ist, basiert sogar auf einer (in Dänemark bekannten) wahren Geschichte, die damals zu verstärkten Sicherheitsvorkehrungen in dänischen Museen führte, denn die Diebe bedienten sich damals einfach, nahmen den Rembrandt (und ein weiteres Bild) von der Wand, schlugen einen Wachmann nieder, und verschwanden in ihrem Volvo.

Wenn der 47jährige Mick (Lars Brygmann) seiner Freundin Trine (Sonja Richter) das Frühstück ans Bett bringt, weiß diese bereits, warum: Er muß mal wieder in den Knast für eine seiner schiefgegangenen kleinkriminellen Machenschaften (bevorzugt Schrott-Diebstahl). Diesmal trifft er dabei sogar seinen Sohn Tom (Jakob Cedergren), der gerade aus dem "Staatsurlaub" entlassen wird. Wie üblich haben sich die beiden nicht viel zu sagen. Einige Monate später scoutet Tom mit seinem Cousin Jimmy (Nicolas Bro) eine Gemäldegalerie, aus der sie als Auftragsarbeit ein Gemälde entfernen sollen. Tom setzt jedoch lieber seinen Vater und dessen Kumpel Kenneth (Nikolaj Coster Waldau), einen hochverschuldeten Spieler, auf den Job an - mit dem Resultat, daß die beiden das falsche Bild klauen - eben einen Rembrandt, die "Dame mit Nelke".

Das ist sozusagen die Grundkonstellation des Films, vier Kleinkriminelle versuchen nun auf dem (illegalen Zweig des) internationalen Kunstmarkt, den Rembrandt zu verscheuern, müssen aber, schnell feststellen, daß sie mit den von japanern angestellten Profis ebensosehr überfordert sind wie mit den von der dänischen Regierung angestellten englischen Kopfgeldjägern, die auf sie angesetzt wurden.

Wie man es bei Anders Thomas Jensen erwartet, fährt die Geschichte mit einigen netten Nebenhandlungen auf. Toms Beziehung zu Charlotte (Paprika Steen), der Frau einen reichen Managers ("Noch ein Quickie, bevor er kommt?" --- "Sie halten sich bitte in Zukunft an die abgemachten Zeiten …"), bereichert die Geschichte ebenso wie die Wandlung des Dauerstudenten Jimmy, der vom Comicfan durch die Rembrandtgeschichte plötzlich zum Kunstexperten wird. Nebenbei gibt es auch noch einen Kurzauftritt von Nikolaj Lie Kaas (Reconstruction), der mal eben bei Mick einbricht, weil er gerüchteweise davon gehört hat, das überall gesuchte Gemälde könnte bei dem unter dem Bett liegen.

Die Schwierigkeiten unserer teilweise sehr sympathischen Gangster sind offensichtlich. Mit einem lakonischen Erzähltempo wird noch der Vater von Mick eingeführt, der wie ein dänischen Willem Dafoe auch nicht davor zurückschreckt, seine Sprößlinge für einen Millionendeal ans Messer zu liefern, und nachdem man entschieden hat, daß Gemälde doch nicht zu verbrennen, scheint alles daraufhinzudeuten, daß der Film, der lange Zeit den Charme und das Ensemble von The Full Monty besitzt, mit einem tarantinoesken Mexican Shoot-Out enden muss.

Beim Ende des Films muss man allerdings auch die Kritik ansetzen, denn auch, wenn es dem Drehbuch gelingt, eine akzeptable Lösung aller Probleme zu erfinden, geht einiges doch zu glimpflich aus, und das Schicksal von Kenneth wird etwa einfach ausgeblendet, obwohl es offensichtlich scheint, daß dieser nach dem geplatzten Deal nicht nur ein paar Finger gebrochen bekommt. Aber da dies die Atmosphäre des Films empfindlich stören würde, hofft man einfach darauf, das Publikum habe ihn längst vergessen …


Dänische Delikatessen (De grønne slagtere) (R: Anders Thomas Jensen)
Dänische Delikatessen (De grønne slagtere) (R: Anders Thomas Jensen)
Dänische Delikatessen (De grønne slagtere) (R: Anders Thomas Jensen)
Dänische Delikatessen (De grønne slagtere) (R: Anders Thomas Jensen)
Dänische Delikatessen (De grønne slagtere) (R: Anders Thomas Jensen)

Bei den Dänischen Delikatessen handelt es sich sogar um die zweite Langfilm-Regiearbeit von Jensen. Jener hatte nach drei Kurzfilmen (alle für den Oscar nominiert, der dritte, Valgaften / Election Nights, hat ihn 1999 sogar bekommen) den vielbeachteten Blinkende Lygter / Flickering Lights (2000) gedreht, der hierzulande leider noch auf einen Verleiher wartet.

De grønne Slagtere läuft international (und beim Fantasy Filmfest) unter der getreuen Übersetzung The Green Butchers, der deutsche Kinotitel Dänische Delikatessen deutet aber bereits in Anlehnung an den Jeunet/Caro-Klassiker an, um was für Delikatessen es sich handeln könnte. Bei einem grünen Schlachter denkt man doch eher an Öko-Lebensmittel, doch man sollte nicht vergessen, daß die Farbe Grün nicht nur für die Hoffnung steht, eines der berühmtesten Lebensmittel der Filmgeschichte ist ja Soylent Green, und wer jetzt immer noch nicht kapiert hat, was unsere zwei aufstrebenden jungen Schlachtereibesitzer in ihre Produkte mischen, um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, muss sich wohl den Film anschauen.

Der kleine Horrorladen, in dem Svend und Bjarne in ihren lindgrünen Schürzen für einen anwährenden Vorrat an special ingredients sorgen müssen, ist ein liebevoll ausgestattetes Set, um den Jensen seine skurrilen Figuren verteilt. In den Hauptrollen sieht man auch hier dänische Superstars wie Mads Mikkelsen (Open Hearts, Wilbur) mit einer selten bescheuerten Frisur oder Nikolaj Lie Kaas (wie Nicolas Bro auch in Rembrandt vertreten), der sogar mit einer skurrilen Doppelrolle brillieren darf, denn er spielt auch seinen minderbemittelten Zwillingsbruder, dessen skurrile Lebensgeschichte ich an dieser Stelle aber nicht verraten will.

Natürlich gibt es auch eine Love Story in der schwarzen Komödie, und Bjarne lernt seine "Audrey" (Line Kruse als Astrid) passenderweise auf einem Friedhof kennen, wo sie als Bestatterin arbeitet. Ausgerechnet der Pastor Villumsen, bei dem Astrid wohnt, entwickelt sich zur großen Gefahr für den florierenden Fleischerladen, denn jener fühlt sich durch einen gewissen Beigeschmack der Wurstwaren an etwas erinnert, und so betritt Astrid schließlich das Kühlhaus, um der Sache auf den Grund zu gehen …


Im direkten Vergleich von Rembrandt und De grønne Slagtere hat ersterer zwar weitaus mehr dänische Schauspielstars zu melden, doch gerade das offensichtlich angepeilte Massenpublikum lässt die Kunstdiebe zu harmlos erscheinen, während die skrupellosen Metzgergesellen eine viel hintergründige Art von Humor bedienen - und durch das liebevolle Ambiente des Fleischerladens ebenso überzeugen wie durch die spannendere und skurrilere Geschichte. Mein Vorschlag ist dennoch, beide Filme zu sehen, denn der Reiz des aktuellen dänischen Films liegt gerade darin, daß man immer wieder die selben Gesichter in anderen Rollen sieht, und neben den in beiden Filmen auftauchenden Schauspielern kann man in Rembrandt noch mal Paprika Steen (Das Fest, Idioten, Dancer in the Dark), eine der sympathischsten dänischen Schauspielerinnen, sehen, oder sich mit dem Auftritt von Sonja Richter bereits auf den nächsten großen Kinostart eines dänischen Films in Deutschland, In deinen Händen, vorbereiten.