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Mai 2004
Thomas Vorwerk
für satt.org

Vergiss mein nicht!
Eternal Sunshine of the Spotless Mind

USA 2004

Vergiss mein nicht! (Eternal Sunshine of the Spotless Mind) (R: Michel Gondry)

Regie:
Michel Gondry

Buch:
Charlie Kaufman

Story:
Charlie Kaufman, Michel Gondry & Pierre Bismuth

Kamera:
Ellen Kuras

Schnitt:
Valdís skarsdóttir

Musik:
Jon Brion

Darsteller:
Jim Carrey (Joel Barish), Kate Winslet (Clementine Kruczynski), Tom Wilkinson (Dr. Howard Mierzwiak), Kirsten Dunst (Mary), Elijah Wood (Patrick), Mark Ruffalo (Stan), Thomas Jay Ryan (Frank), Jane Adams (Carrie), David Cross (Rob), Ryan Whitney (Joel als Kind), Lola Daehler (Clementine [?] als Kind), Debbon Ayer (Joels Mutter), Ellen Pompeo (Naomi)

108 Min.

Kinostart:
20. Mai 2004

Vergiss mein nicht!
Eternal Sunshine
of the Spotless Mind



Vergiss mein nicht! (Eternal Sunshine of the Spotless Mind) (R: Michel Gondry)
Vergiss mein nicht! (Eternal Sunshine of the Spotless Mind) (R: Michel Gondry)
Vergiss mein nicht! (Eternal Sunshine of the Spotless Mind) (R: Michel Gondry)
Vergiss mein nicht! (Eternal Sunshine of the Spotless Mind) (R: Michel Gondry)
Vergiss mein nicht! (Eternal Sunshine of the Spotless Mind) (R: Michel Gondry)
Vergiss mein nicht! (Eternal Sunshine of the Spotless Mind) (R: Michel Gondry)
Vergiss mein nicht! (Eternal Sunshine of the Spotless Mind) (R: Michel Gondry)
Vergiss mein nicht! (Eternal Sunshine of the Spotless Mind) (R: Michel Gondry)
Nachdem das demnächst endlich auch in deutschen Kinos anlaufende Regiedebüt Human Nature des Videoclip-Regisseurs Michel Gondry an den Kinokassen gehörig floppte, sind bei seiner zweiten Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Charlie Kaufman (Being John Malkovich, Adaptation, Confessions of a Dangerous Mind) zumindest schon mal die Kritiker voll des Lobes. Und Jim Carrey-Filme, die zumindest ein wenig witzig sind, verkaufen sich eigentlich von selbst.

Doch Eternal Sunshine of the Spotless Mind ist eigentlich weder ein Jim Carrey-Vehikel, noch der Science Fiction-Film, als den der Trailer mit Tom Wilkinson ihn verkaufen will (die Ähnlichkeiten mit dem Trailer zu I, Robot sind auffällig, ich weiß nur nicht, wer sich hier von wem inspirieren ließ), sondern vor allem eine romantic comedy, allerdings mit uncharakteristischem Tiefgang.

Joel Barish (Jim Carrey) bekommt heraus, was er nicht herausbekommen sollte: seine Freundin Clementine (Kate Winslet) hat bei der "Lacuna Inc." all ihre Erinnerungen an ihn und ihre gemeinsame Zeit durch einen Eingriff gelöscht. Zunächst will er es ihr gleichtun und dieselbe Operation an sich vornehmen lassen, doch während des Vorgangs, der ihn (und den Zuschauer) die gesamte Beziehung erneut durchleben lässt, überlegt es sich anders und will seine Erinnerung an diese Frau nun doch für sich behalten.

Leichter gesagt als getan. Zwar ist es zu seinen Gunsten, daß die jungen Lacuna-Mitarbeiter (Mark Ruffalo und Kirsten Dunst), die des Nachts in seiner Wohnung den Eingriff vornehmen sollen, lieber mit zunehmender Textilfreiheit eine kleine Party feiern, aber das Computerprogramm, das alle Erinnerungen auslöschen soll, ist unerbittlich und lässt sich höchstens durch das Durchleben unterdrückter oder frei erfundener Erinnerungen verzögern.

Nicht unbedingt zu Joels Gunsten ist hingegen die Tatsache, dass ein weiterer Lacuna-Mitarbeiter (Elijah Wood) sich beim früheren Eingriff an Clementine in diese verliebte und bald auch nicht mehr mit den in ihrer Wohnung gestohlenen Schlüpfern zufrieden ist, sondern sich sämtlich von Joel abgegebenen Gegenstände, die ihn an Clementine erinnern könnten (die Vernichtung dieser Souvenirs ist natürlich ein wichtiger Teil des Lacuna-Eingriffs), unter den Nagel reißt, und sich mit den recycleten romantischen Ideen seines vergessenen Vorgängers das Herz von Clementine erschleicht.

An Story-Ideen mangelt es dem Film wirklich nicht, aber noch spannender ist es, mit anzuschauen, wie Gondry die wie üblich sehr visuellen Ideen Kaufmans umsetzt. Nicht nur erinnert die "Praxis" von "Lacuna Inc." an den siebeneinhalbten Stock in Being John Malkovich, Gondry gelingt es auch fast, George Clooneys Rekord an komplizierten Szenenübergängen ohne sichtbare Schnitte einzustellen. Ganz wie im gefährlichen Geiste Chuck Barris´ ist auch im makellosen Geist Joel Barishs der herkömmliche Filmschnitt eher verpönt. Ähnlich wie bei Memento möchte man nach Vergiss mein nicht! (der deutsche Titel kommt nicht annähernd an das Alexander Pope-Zitat des Originals heran) am liebsten gleich noch mal ins Kino gehen und auf lauter kleine Details, etwaige inconsistencies in der chronologischen Abfolge und ähnliches achten — oder sich auch einfach nur noch einmal am besten Kaufman-Film seit Being John Malkovich ergötzen.

Insbesondere bei Regisseur Gondry kann man seit Human Nature einen eindeutig eingetretenen Reifeprozeß miterleben, und jeder, der mal Kate Winslet in einer Jim Carrey-Rolle oder Jim Carrey in einer Kate Winslet-Rolle erleben wollte (oder auch einfach eine romantic comedy, die nicht vorrangig für Dr. Stefan Frank-Leserinnen konzipiert wurde), wird bei Eternal Sunshine voll auf seine (oder ihre) Kosten kommen.

Hier noch einige Film-Zitate zum gleich wieder vergessen …
Blessed are the forgetful, for they get the better even of their blunders. (Nietzsche)

Why do I fall in love with every woman I see that shows me the least bit of attention?

Are we like couples you see in restaurants? Are we the dining dead?

Is there any risk of brain damage? - Well, technically speaking, the operation is brain damage, but on a par with a night of heavy drinking. Nothing you'll miss.

My crotch is still here, just as you remembered it. - Yuck!

Drink up, young man. It'll make the whole seduction part less repugnant.

Sand is overrated. It’s just tiny little rocks.

Mary hates me. I've never been popular with the ladies. - Maybe if you stopped stealing their panties.

Constantly talking isn't necessarily communicating.

Mierzwiak! Please let me keep this memory, just this one.

How happy is the blameless Vestal's lot!
The world forgetting, by the world forgot
Eternal sunshine of the spotless mind!
     Each pray'r accepted, and each wish resign'd. (Alexander Pope)