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Die Box


 

Februar 2004
Thomas Vorwerk
für satt.org

Ae Fond Kiss
GB / Italien / D / Spanien 2003

Regie:
Ken Loach

Buch:
Paul Laverty

Kamera:
Barry Ackroyd

Schnitt:
Jonathan Morris

Musik:
George Fenton

Darsteller:
Atta Yaqub (Casim), Eva Birthistle (Roisin), Shabana Bakhsh (Tahara), Ghizala Avan (Rukhsana), Ahmad Riaz (Tariq), Shamshad Akhtar (Sadia), Gerard Kelly (Gemeindepfarrer), John Yule (Schuldirektor)

103 Min.



Berlinale 2004

Berlinale 2004 (Wettbewerb):

Ae Fond Kiss



Ken Loach erzählt die Liebesgeschichte zwischen der irischen Musiklehrerin Roisin und Casim, einem Sohn pakistanischer Einwanderer, der in Glasgow als DJ arbeitet und von seinem eigenen Club träumt. Über Casims kleinere, etwas rebellische Schwester Tahara lernt er Roisin kennen, es funkt fast sofort, doch die Probleme sind vorprogrammiert.
Ae Fond Kiss (R: Ken Loach)
Ae Fond Kiss (R: Ken Loach)
Ae Fond Kiss (R: Ken Loach)

Wie in Angst essen Seele auf oder Jungle Fever kommt es zu einer Zerreißprobe für die junge Liebe. Casim ist seiner (ihm unbekannten) Cousine Jasmine verprochen, eine Beziehung mit einer "Goree" (Weiße / Europäerin) würde der familie Unehre bringen, die geplante Hochzeit seiner anderen Schwester gefährden und seinen Eltern schlichtweg das Herz brechen. Roisin hat zunächst fast nur Vorteile von der Beziehung (ein weiterer Streitpunkt), doch als sie für den versprochenen Vollzeitjob an ihrer Schule "nur" noch ein Formular das ansässigen Gemeindepfarrers einbringen muß (Roisins katholischer Glauben ist für sie Nebensache), ahnt man schon, daß etwas schiefgehen wird mit dem Job … Doch die Stärke des Drehbuchs zeigt sich durch seine Überraschungen. Zum ersten ist der Pfarrer eine Überraschung, zum zweiten gehört die Reaktion des Direktors zu den weiteren Höhepunkten des Films.

Der Druck der asiatischen community lastet ebenso schwer auf den beiden wie der verlorene Job, ohne diese Liebe wäre alles soviel leichter, aber wie man seit Romeo & Julia weiß, geht die Liebe nur selten Weg des geringsten Widerstands …

Ken Loachs Film ist teilweise uncharakteristisch beschwingt, es gelingt vorzüglich, die Liebesbeziehung mit ihren Freuden und Leiden spürbar zu machen, und durch die fast schon an Intrigen heranreichenden Bemühungen der Familie Khan, den verlorenen Sohn wieder zurückzuholen, behält der Film bis zuletzt eine Spannung, die keiner lebensbedrohlichen Situationen bedarf.

Als Wettbewerbswiederholung war der Film als Valentinstagsprogrammpunkt etwa siebzehnmal gelungener als letztes Jahr Der alte Affe Angst, und die Auszeichnungen von kirchlicher Seite und aus den Händen der Kinobetreiber verdeutlicht, daß dieser Ken Loach-Film vielleicht mal ein wirklich großes Publikum finden könnte. Gemeinsam mit dem thematisch ähnlichen Gegen die Wand einer der Höhepunkte des Wettbewerbs.