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Die Box


 

Dezember 2003
Thomas Vorwerk
für satt.org

Freaky Friday
USA 2003

Freaky Friday (R: Mark Waters)

Regie:
Mark Waters

Buch:
Heather Hach, Leslie Dixon

Lit.
Vorlage:
Mary Rodgers

Kamera:
Oliver Wood

Schnitt:
Bruce Green

Musik:
Rolfe Kent

Darsteller:
Jamie Lee Curtis (Dr. Tess Coleman), Lindsay Lohan (Anna Coleman), Chad Michael Murray (Jake), Mark Harmon (Ryan), Stephen Tobolowsky (Mr. Bates), Ryan Malgarini (Harry), Harold Gould (Grandpa), Rosalind Chao (Pei Pei), Lucille Soong (Pei Pei's Mom)

Kinostart:
11. Dezember 2003

Freaky Friday





Freaky Friday (R: Mark Waters)

Freaky Friday (R: Mark Waters)

Freaky Friday (R: Mark Waters)

Freaky Friday (R: Mark Waters)

Freaky Friday (R: Mark Waters)

Freaky Friday (R: Mark Waters)

Obwohl es sich bei diesem Film um ein Remake des gleichnamigen Films von 1977 (dt: "Ganz verrückter Freitag", Regie: Gary "The Black Hole" Nelson) handelt, fühlt man sich vor allem an die Filme der 80er erinnert, die aus einem Körpertausch oder einer Verjüngung einen Komödienstoff machten, Filme etwa wie "Vice Versa", "Like Father, Like Son", "All of Me" oder "Big".

Und so, wie es für die 44jährige Jamie Lee Curtis seltsam sein muß, eine Teenagerin zu spielen, wirkte der Film auch bei mir verjüngend. Ähnlich wie bei "Sams in Gefahr" brachte diese Teeniekomödie bei mir Saiten zum erklingen, die ich längst vergessen hatte.

Dies hängt wahrscheinlich auch damit zusammen, daß die Band, in der Filmtochter Anna spielt, mich an Bands meiner Jugend erinnert, beispielsweise an Magnapop oder Veruca Salt. Im Soundtrack wurden sogar die "Blake Babies" (besonders passend, Anna erschien mir doch sehr Juliana Hatfield nachempfunden) und "The Flaming Lips" eingebaut, und schon während des Vorspanns, wenn der Generationskonflikt musikalisch zum Thema gemacht wird, fühlte ich mich bei diesem Film irgendwie gut aufgehoben, was aber auch damit zusammenhängen kann, daß ich an meinem Geburtstag einfach gute Laune hatte, worauf der Film aufbauen konnte.

Die 15jährige Anna ist vielerlei Hinsicht das absolute Gegenteil ihrer Mutter, der Psychologin Dr. Tess Coleman. Während die smarte Buchautorin jederzeit alles unter Kontrolle hat, scheitert ihre Tochter beispielsweise an einem Lehrer, der es einfach auf sie abgesehen zu scheinen hat. Als dann bei einem Bandwettbewerb ein Platz für Annas Band "Pink Slip" an genau dem Tag frei wird, als die Probehochzeit der Mutter stattfindet, sind Konfrontationen vorprogrammiert. Als davon aber in einem China-Restaurant die Mutter der Besitzerin Wind bekommt, und sie mithilfe zweier Glückskekse einen alten Zauber beschwört, tauschen Mutter und Tochter die Körper und müssen feststellen, daß das Leben der jeweils anderen doch nicht so oberflächlich und leicht zu meistern ist, wie sie immer annahmen. Im Körper ihrer Tochter bekommt die Mutter trotz einer gelungenen psychoanalytischen Interpretation von "Hamlet" eine schlechte Note, und die Tochter ist schon durch die verschiedenen Handys und Beeper überfordert. (Ganz abgesehen davon, daß sie erkennen muß, daß man als Psychoanalytikerin allein durch Kopfnicken und ein gelegentliches " …and how do you feel about that?" keine wirklichen Therapie-Fortschritte machen kann …)

Doch die wirklichen Probleme sind Probleme des Herzens. Denn während Anna keinen Wert darauf legt, den Verlobten ihrer Mutter zu küssen oder gar die Hochzeitsnacht mit diesem alten Typen zu verbringen, behandelt die Mutter im Körper der Tochter deren Schwarm Jake (bei dem sie gerade erste Erfolge verbuchen konnte) wie - wie Mütter halt die Lederjacken tragenden Verehrer ihrer Töchter behandeln. Als Jake sich daraufhin ausgerechnet für Annas Mutter zu interessieren beginnt (er erkennt in ihr richtigerweise einen soul mate), wird es langsam wirklich kompliziert.

Auch wenn die inszenatorischen Mittel dieses Films nicht allzu subtil sind (MTV-mäßige Zeitraffer-Effekte werden überstrapaziert), funktioniert "Freaky Friday" und bringt einige Momente, die über die brave Disney-Teenie-Komödie klar hinauswachsen. Die High School-Atmosphäre ist schön eingefangen, insbesondere ein Ausflug ins Lehrerzimmer erscheint wie eine Folge von "Twilight Zone", und wenn die Tochter im Körper der Mutter zum verhassten Bruder/Sohn sagt: "What do you want, punk?", während die Schwester ihm plötzlich zärtlich durch die Haare fährt und "Honey" sagt, sind dies nur zwei der komödiantischen Höhepunkte des Films. Nicht nur Jamie Lee Curtis zeigt wieder mal (nach "A Fish called Wanda" oder "True Lies") ihr Talent für Comedies, auch ihre junge Partnerin Lindsay Lohan (bisher nur aus der Disney-Version des "doppelten Lottchen", "Ein Zwilling kommt selten allein", bekannt) überzeugt. Und Nebendarsteller wie Rosalind Chao (Trekkies als Keiko O'Brien bekannt) oder Stephen Tobolowsky (Sammy Jenkis in "Memento", Ned Ryerson in "Groundhog Day") als fieser Lehrer Mr. Bates ("Prepare is to you as not is to test" - "What does that mean?" - "Exactly.") sind das Salz in der Suppe.

Kein filmisches Meisterwerk, aber angenehme Unterhaltung mit perfektem Timing für die Punchlines.