Anzeige:
Die Box




Dezember 2002
Thomas Vorwerk
für satt.org

Auszeit
L'emploi du temps

Frankreich 2001

Auszeit (L'emploi du temps)

Regie:
Laurent Cantet

Buch:
Robin Campillo, Laurent Cantet

Kamera:
Pierre Milon

Schnitt:
Robin Campillo

Musik: Jocelyn Pook

Darsteller:
Aurélien Recoing (Vincent), Karin Viard (Muriel), Serge Livrozet (Jean-Michel), Jena-Pierre Mangeot (Vater), Marie Cantet, Felix Cantet

    » zur offiziellen Seite


Auszeit
L'emploi du temps










Auszeit (L'emploi du temps)

Auszeit (L'emploi du temps)

Auszeit (L'emploi du temps)

Auszeit (L'emploi du temps)

Auszeit (L'emploi du temps)



Nach “Ressources humaines” nimmt sich Cantet erneut der Arbeitssituation einer männlichen Hauptfigur an, doch diesmal haben wir es nicht mit sozialkritischen Beobachtung zu tun, sondern mit einer an der Grenze der Tragik vorbeischrammenden Familiengeschichte, bei der die Familie ins Hintertreffen gerät. Vincent hat seinen Job verloren, kommt mit seinem Scheitern aber nicht klar und verheimlicht es deshalb auch seiner Frau. Er treibt sich auf Autobahnraststätten und in Motels rum, und als die Gefahr aufkommt, ein ehemaliger Kollege könnte sein Geheimnis verraten, sucht er sich einen anderen Job. Doch auch dieser ist nur Illusion, eine Erfindung, extrahiert aus einigen auswendig gelernten Prospekten. Und durch den vermeintlichen gesellschaftlichen Aufstieg ist es nun auch noch notwendig, das nötige Kleingeld aufzubringen. Er verleitet alte Bekannte und seinen Schwiegervater dazu, ihm größere Summen zu überlassen, als Investitionen in eine nicht vorhandene Zukunft. Die Probleme wachsen Vincent über dem Kopf, doch mit einer schlafwandlerischen Sicherheit, die an einen Hard-Boiled Detective im Großstadtdschungel erinnert, übersteht er alle Krisen, bis er sich schließlich in die Hände eines professionellen Gauners begibt, der ihn als Artgenosse erkannte … Auszeit (L'emploi du temps)

In “Ressources humaines” arbeitete Cantet mit Räumen, die sich öffneten und schlossen. Hier hingegen scheint immer alles offen, doch der in sich verschlossene, aber nach außen offen wirkende Hauptdarsteller Aurélien Recoing findet einerseits überall offene Türen, kann sich aber andererseits auch nirgends verstecken, wenn er etwa vom Sicherheitspersonal aus den “öffentlichen Räumen” verjagt wird. Der Rückzug ins Ich scheint das Ende des Films vorzuschreiben, und die schwindelerregende Kameraarbeit bei einigen Autofahrten macht dem Zuschauer klar, daß der “Death of a Salesman” fast unumgänglich erscheint …

Doch in dem Dreigestirn französischsprachiger Filme, die ich zwischen “Auszeit”, der “Milch der Zärtlichkeit” und “Rosetta” ausmache, ist letzterer Film derjenige, dessen Ende am konsequentesten und unbarmherzigsten erscheint. Ich frage mich, ob er mir deshalb am besten gefällt …