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Die Box





19. August 2014
Thomas Vorwerk
für satt.org

  Guardians of the Galaxy Collection: Band 1: Die Wächter der Galaxie
Guardians of the Galaxy Collection:
Die Wächter der Galaxie

von Brian Michael Bendis,
Sara Pichelli, Steve McNiven u. a.
Panini Deutschland
188 S., 16,99 Euro
» Verlag
» amazon


Die Wächter der Galaxie

Den folgenden zwei Comic-Rezensionen muss ich vorausschicken, wie meine persönliche Herangehensweise aussah. Ich hatte den Film Guardians of the Galaxy vorher gesehen, hierbei erschöpfte sich mein Marvel-Vorwissen aber ungefähr in dem Satz »Ah, Thanos – Marvels Antwort auf Darkseid!« Und deshalb achte ich an dieser Stelle auch besonders auf Elemente des Comics, die dort anders dargestellt werden als in der Filmversion – auch, wenn das natürlich ganz normal ist (außer bei der »offiziellen Vorgeschichte zum Film«), weil man sich eben nicht auf die aktuelle Serie bezieht, sondern auf die von 2008 (ein kleiner Hinweis darauf, wie kurzlebig die Comicbranche geworden ist). Und weil man sich, wie in allen Comicverfilmungen, die sich auf Marvel- oder DC-Vorlagen stützen, immer die Elemente herauspickt, die den Filmemachern in den Kram passen, und alles andere geflissentlich ignoriert und für die echten »Fanboys« höchstens mal einen augenzwinkernden Verweis einbaut.

So, wie ich »Marvel Now!« verstehe (und mein letztes Marvel-Abo lief kurz davor aus), hat man ähnlich wie bei DCs »The New 52« einfach für ein neues Publikum, das die Chance bekommen soll, ganz »am Anfang« anzufangen, dem verlagseigenen Comic-Universum einen Neubeginn gegönnt. Nur bei Marvel nicht ganz so streng konzertiert und handlungstechnisch ausschließlich.

Entsprechend ist das erste Heft dieser neuen Serie zwar zum einen eine Origin-Issue, zum anderen wird aber längst nicht alles erklärt (etwa das »erste Treffen« der Teammitglieder, wie man es im Film miterleben kann) und es gibt hier und da auch deutliche Bezüge auf die Hefte davor (wie gesagt, die Vorläuferserie begann 2008 und nicht 1963 oder 1941, da kann man auch von den jüngsten Fans ruhig noch erwarten, dass sie sich diese Hefte auch noch besorgen – gerade im Zeitalter der zunehmenden Virtualisierung der Comics)

Guardians of the Galaxy

Heft 0,1 (so lässt man sich noch Freiraum für eine spätere Nullnummer) beginnt 30 Jahre vor der eigentlichen Serie, und somit vor der Geburt Peter Quills. Während man sich in der Filmfassung reichlich zurückhält, was Peters Vater angeht, spielt er hier eine nicht geringe Rolle, man erlebt die kurze Romanze, die zur Geburt des Anführers des Teams führt, und in späteren Heften taucht der Papa auch wieder auf (was ja im zweiten oder dritten Film noch passieren kann, dann vermutlich mit einem illustren Gaststar). Nach der »How I met your Father«-Intro (etwa neun Seiten, die übrigens eindeutig auch für eine weibliche Leserschaft geeignet sind) gesteht man dem Helden dann noch eine Exkursion in seine Kindheit zu (mit Auftritt von Marvel Premiere #41: Seeker 3000!, einem Heft aus den späten 1970ern, das nur insofern von Bedeutung scheint, dass es als Titelheld ein Raumschiff hat und somit Peters Kindheitswünsche illustriert – und vielleicht gibt es da auch einen Bezug zu den ursprünglichen Guardians aus dem 31. Jahrhundert), wobei man darüber streiten könnte, ob die dreieinhalb Seiten Interaktion zwischen Peter und seiner Mutter einem tiefere Einblicke in ihren Einfluss auf das spätere Leben des Sohnes gestattet.

Guardians of the Galaxy

Peters Mutter stirbt hier übrigens nicht an einer krebsähnlichen Krankheit, sondern an direktem Alien-Kontakt (ZZAATSSHH!), und Peter wird nicht als Kind von den Aliens verschleppt (zumindest sieht man das nicht im Comic), sondern legt sich mit den Meuchelmördern an und landet deshalb im Krankenhaus. Als Memento an seine Herkunft fungiert hier auch kein Mixtape von der Mutter, sondern die Strahlenkanone seines Vaters, die er offenbar auch noch nach 30 Jahren an seiner Seite führt, wie die Sandelholzrevolver von Roland of Gilead.

Auf den letzten drei Seiten des ersten Heftes sieht man die anderen Mitglieder der Guardians auf jeweils einem Bild. Sie bleiben aber stumm, nur Tony Stark alias Iron Man, der hier ein semioffizielles Mitglied des Teams ist, darf ein paar Sätze mit Peter austauschen. Im Grunde fast eine bessere Lösung als das komplizierte Aufeinandertreffen im Film, das einem eigentlich nur erklärt, dass alle vier (Drax kommt später dazu) sich vor allem durch ihre Geldgier und Kampfausbildung auszeichnen.

Die Panini-»Collection« ist ja die gemeinsame Neuauflage der ersten beiden Bände der Serie (von Anfang dieses Jahres), und in den Ankündigungen heißt es, dass man hier auch »Bonus-Material« findet. Ich mag mich stark irren, aber ich glaube, dieses Bonusmaterial erschöpft sich in einem Abdruck der acht Coverillustrationen (in Band 1 und 2 nur in Streichholzgröße) und ein oder zwei Illustrationen. Da ich Band 1 aber als Verlosungsmaterial bekam, konnte ich kurz einmal anblättern, und dort gibt es noch einige Comicseiten aus irgendeinem anderen Heft, in dem unter anderen Bendis' alter Zeichnerkumpel aus Powers-Tagen, Michael Avon Oeming, sich mal an den Guardians versuchen kann. Da ich diese Seiten nicht gelesen habe (man will ja nicht das Verlosungsmaterial ausleiern), kann ich nicht beurteilen, wie viel man da verpasst, aber da Band 1 mit 9,99 etwas mehr als die Hälfte der »Collection« kostet, ist das schon eine finanzielle Erwägung. Ich persönlich finde übrigens die Cover der Einzelbände ansprechender, und da jetzt auch frisch Band 3 herausgekommen ist, macht es sich im Regal auch besser.

In Heft 1-3 (noch Band 1) geht es dann um halbwegs komplexe politische Vorgänge, wobei unsere gute alte Erde zum Spielball der Machtkämpfe diverser außerirdischer Mächte wird (Peters Vater erscheint auch nicht im positivsten Licht) und es parallel eine Menge Weltraumkloppereien gibt, die teilweise sogar ambitioniert umgesetzt werden (drei Seiten Parallel-Gekloppe unterschiedlicher Teammitglieder, die jeweils ein Alienschiff angreifen, während man über Groods Hintergrund hier schon etwas früher Details erfährt, die auch im Film gegen Ende ans Licht kommen).

Guardians of the Galaxy

Meine liebste Stelle im Comic ist ein kleines Saufgelage nach der »eigenmächtigen Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft« (offensichtlichste Parallele zur Filmhandlung), wobei man erleben kann, wie die Figuren so miteinander in einem »Freizeitumfeld« kommunizieren, während man bei der Weltraumklopperei eher so militärische Befehle hin- und herschmeißt. (Heft 4, also Band 2)

Brian Michael Bendis ist offensichtlich auch (wie ich) ein Trekkie. Das erkennt man u.a. daran, dass mal die Schilde eines Raumschiffs auf 47% reduziert sind (alter Insider-Joke) und dass mindestens eine der männlichen Hauptfiguren eine Schwäche für grünhäutige Alienfrauen hat (hier wird auch Captain Kirk direkt erwähnt). Die zweite Hälfte der »Collection« (oder eben Band 2) dreht sich zu großen Teilen um die von Neil Gaiman zu Marvel herübergebrachte Figur Angela, die einst in den Seiten von Spawn erstmals auftauchte und vor allem durch einen längeren Rechtestreit zwischen Gaiman und Todd McFarlane Bekanntheit erreichte. Diese Storyline geht noch in Band 3 weiter und hat mich jetzt nicht so tierisch überzeugt.

Die beiden Personen, die für das Artwork zuständig sind, unterscheiden sich jetzt nicht riesig, und irgendwer bei Panini hat wohl auch ein bisschen geschlampt bei den »Credits«, denn zwischen »Band 1« und der »Collection« gibt es gewisse Unterschiede in der Zuordnung. Obwohl Steve McNiven (ausschließlich Band 1) einige großartige Momente hat (vor allem das Origin-Heft überzeugt) und teilweise sogar an Barry Windsor-Smith erinnert (siehe das Panel oben, das Peters Vater zeigt), gefällt mir der Strich von Sara Pichelli (vor allem Band 2) irgendwie besser, weil bei ihr die Mimik der Figuren subtiler und nuancierter ist. Manchmal erinnert sie mich ein wenig an Chris Bachalo, auch weil es bei ihr mehr um die Interaktion der Figuren zu gehen scheint (kann aber natürlich auch einfach an der jeweiligen Story liegen). Allerdings sind die Cover bei McNiven dynamischer, er scheint eher ein Talent für ganzseitige Illustrationen zu haben, während die Splashpages bei Pichelli mit Ausnahme eines beeindruckenden Panoramas eines Alienplaneten nicht immer überzeugen (beispielsweise der erste Auftritt von Angela).

Alles in allem für Marvel sicher überdurchschnittlich, aber jetzt auch nicht eine Serie, bei der ich augenblicklich Band 3 weiterlesen »muss«, weil mich die Figuren (oder gar die Geschichte) so begeistern.

  Guardians of the GalaxyGuardians of the Galaxy:
Die offizielle Vorgeschichte zum Film

von Dan Abnett, Andy Lanning,
Wellington Alves, Manny Clark u. a.
Panini Deutschland, 4,99 Euro
» Verlag

Guardians of the Galaxy
Bildmaterial © Marvel Comics / Panini Deutschland




Die offizielle Vorgeschichte zum Film

Im Gegensatz zur »Marvel Now!«-Serie ist dieses Heft mit zwei 20-Seiten-Geschichten tatsächlich auf den Film abgestimmt und soll dem geneigten Kinogänger zusätzliche Informationen über die Vorgeschichte einiger Figuren liefern (und einen ganz nebenbei informieren, wo man jetzt bei Interesse am besten weiterlesen sollte).

Wie in einer kurzen Einleitung erklärt wird, war es der sehnliche Wunsch des Guardians-Regisseurs (und Drehbuchautors) James Gunn, dass hierbei die britischen Schöpfer der Serie (die erste Inkarnation der Heftserie mit dem Titel erschien zwar schon 1969, aber hier ging es noch um ganz andere Figuren, die sich im 31. Jahrhundert des Marveluniversums herumtrieben), Dan Abnett & Andy Lanning, Experten für »kosmische« Geschichten, involviert sein mögen. Und so kam es dann auch.

Die erste Geschichte beleuchtet die Vergangenheit der »Adoptivschwestern« Gamora und Nebula, die sich unter der erdrückenden »Obhut« von Thanos wohl etwas untershciedlich entwickelten. Interessant ist hier, dass die Geschichte aus der Sicht Nebulas erzählt wird (im Film eine nicht sehr nuancenreiche Killerin), und Gamora hierbei nicht unbedingt gut wegkommt. Man merkt aber auch, dass es bei der Beziehung zwischen den »Schwestern« ganz auf den jeweiligen Standpunkt ankommt. Auf jeden Fall sind sie zu diesem Zeitpunkt noch beide bedacht darauf, sich bei »Papi« beliebt zu machen, der auf Schwäche und Versagen so gar nicht gut reagiert, und es wird etwas mehr als nur angedeutet, dass Nebula in diesem Prozess, weil ihr anfänglich die Rücksichtslosigkeit fehlte, stärker traumatisiert wird, weshalb die beiden Schwestern sich dann im Erwachsenenalter jeweils in die entgegengesetzte Richtung entwickeln. Gar nicht mal uninteressant, aber man hätte sich gewünscht, dass hier die Verbindung zwischen Comic und Film etwas tiefgründiger ausgefallen wäre und man auch im Film mehr mit Nebula mitfühlt.

Die zweite Story zeigt Rocket und Groot bei einem typischen Auftragsjob zu zweit, wobei der Tonfall sehr gut getroffen ist und die Geschichte trotz viel Action Zeit für die Erkenntnis lässt, dass die beiden natürlich immer auf der Suche nach einem gutbezahlten Job sind, sich dabei aber dennoch einen Gerechtigkeitssinn erhalten. Halt so typische »Antihelden« wie Quark oder Mal Reynolds, die das Herz an der richtigen Stelle haben, aber sich redlich Mühe geben, dass dies möglichst niemand mitbekommt.

Das Artwork von Penciller Wellington Alves und Tuscher Manny Clark ist guter Durchschnitt ohne große Ambitionen (da ist die aktuelle Serie viel ansprechender), insbesondere bei der Umsetzung einer Raumkonstruktion mit besonderen Kräften Groots überzeugt man nicht komplett. Kolorist Jay David Ramos tobt sich nebenbei ziemlich aus, arbeitet aber für meinen Geschmack zu sehr mit unzähligen Farbtönen und Effekten.

Wenn man die beiden Produkte nebeneinanderlegt, fällt übrigens auf, dass Gamora in der Serie um die Augen herum eine gelbliche Augenpartie hat, was man für den Film änderte und entsprechend sieht sie dann auch in der »Vorgeschichte« so aus wie im Film. Ich würde aber dennoch für Interessierte (ob durch den Film oder nicht) Band 1 der Serie empfehlen. Die 9,99 sind jetzt auch nicht mehr als ein 3D-Kinobesuch am Wochenende und danach kann man dann zumindest mitreden (und entscheiden, ob man weiterlesen will). Wer jetzt aber großer Nebula-Fan ist (ich fand die schon toll im Film), der wird sie dort vorerst nicht finden.

Guardians of the Galaxy

Entweder Band 1 oder die Vorgeschichte (in einem Fan-Paket zum Film) könnt ihr übrigens mit etwas Glück (oder Kreativität) bei unserem Gewinnspiel abgreifen. Oder sonst halt beim Comichändler eures Vertrauens. Auf www.paninicomics.de gibt es übrigens längere Leseproben, die ich auf jeden Fall empfehlen kann, um gerade bei der Serie das Seitenlayout zu bestaunen.