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10. November 2012
Felix Giesa
für satt.org

Durchgeblättert
Untote 2.0, Jugendwahn, ein Abschied und Leben im Feindesland

  Buffy – The Vampire Slayer. Staffel 9
Joss Whedon,
Andrew Chambliss (Skript),
Georges Jeanty (Zeichnungen):
Buffy – The Vampire Slayer.
Staffel 9. Band 1: Im freien Fall

Aus dem amerikanischen
Englisch von Claudia Kern
Stuttgart: Panini 2012
128 Seiten, Euro 14,95
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Comics zu Fernsehserien oder auch zu Filmen gibt es schon recht lange, auch zu Buffy gab es während der Sendezeit umfangreiche Comicreihen. Ein Großteil davon wird derzeit bei Dark Horse in telefonbuchstarken Omnibusausgaben wieder verfügbar gemacht. Ebenfalls bei Dark Horse erscheint nun seit einigen Jahren eine neue Buffy-Comicreihe. Der Unterschied zu anderen solchen Projekten ist hier, dass die Handlung der Fernsehserie nahtlos als Comic fortgesetzt wurde inklusive der Staffelnummerierung. Die achte Staffel war dann auch so erfolgreich, dass nun eine neunte erschienen ist, deren erster Sammelband auf Deutsch bei Panini vorliegt. Weiterhin verantwortlich als Produzent und immer auch wieder als Autor zeichnet Joss Whedon und bei vielen Kniffen und Pointen scheint dies auch immer vorzüglich durch. Denn Whedon ist ein genauer Beobachter der Popkultur insbesondere auch des gothic-Bereichs. Und was sich dort mit Biss zum Morgengrauen und ähnlichem Vampirweichspülern ansammelt, kann dem geistigen Vater der Vampirjägerin nicht recht sein. Bereits in der achten Staffel parodierte er den Celebrity-Hype um die Vampirfiguren Stephanie Meyers, indem er Harmony, eine recht einfältige Vampirin aus dem Buffy-Umfeld, zum Fernsehstar werden ließ. Verkehrte Welt im Buffyverse und ein bissiger Kommentar gegen all die jugendlichen Vampiranschmachter. In der neuen Staffel nun ist die Magie von der Erde verschwunden, nicht aber die Wesen der Dunkelheit. Es gibt also immer noch Vampire und diese fallen immer noch Menschen an. Jedoch entstehen dadurch keine neuen Vampire mehr, dazu ist Magie von Nöten. Nunmehr entstehen also 'Zompire', hirnlose Vampire, die wie Tiere in Herden leben und Jagd auf Menschen machen. Auch hier ist wieder der Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung all der Apologeten einer Zombieapokalypse: Ein paar Haufen hirnloser Untoter bedeuten noch lange nicht den Untergang der Welt oder auch nur des Abendlandes. Das funktioniert als Comic überraschend gut und hat den klaren Vorteil, dass Spezialeffekte auf der Heftseite viel billiger zu haben sind als auf dem Bildschirm. Stichwort Spike, der jetzt in einem von Käfern gesteuerten Raumschiff residiert. Ach ja, und Buffy ist schwanger.

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  Robin Vehrs: Western Touch
Robin Vehrs: Western Touch
Stuttgart: Zwerchfell 2012
94 Seiten, Euro 10,00
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Vielleicht sollte es zu denken geben, wenn in der Pressemitteilung zur vorliegenden Sammlung einzelner Webcomics von Robin Vehrs steht: „viel Erfolg mit ihren eigenen Eindrücken und Gedanken.“ Wirklich? So schlimm? Ja, so schlimm. Mindestens. Vehrs ist Anfang zwanzig, „wütend und müde“, was allein schon vielversprechend ist und er zeichnet auch noch „Comics für Gewaltmenschen“. Die hat er jahrelang auf seinem Blog veröffentlicht, der Zwerchfell Verlag hat nun eine schöne Überblickssammlung davon herausgebracht. Nicht so „katzundgoldt-kryptisch“ wolle Vehrs klingen, das tut er auch nicht. Aber dennoch fällt einem kaum ein anderer Vergleich ein. Western Touch ist urkomisch und das auf eine vertrackte Weise, wie sie nur Heranwachsenden möglich ist, in deren verantwortungsloser Schwebe man sich über alles und jeden lustig machen kann. Ach, und klar sind die Comics Kacke gezeichnet, wie es so lakonisch im Vorwort heißt, das ist ja das witzige daran. Eigentlich komisch, dass das beim ICOM-Preis niemanden interessiert zu haben schien. Obwohl, eigentlich auch wieder nicht.

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  Mach's gut, Chunky Rice
Craig Thompson:
Mach's gut, Chunky Rice

Aus dem amerikanischen
Englisch von Matthias Wieland
Handlettering von
Céline Merrien
128 Seiten
Euro 16,00
» Verlag
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Nachdem Blankets und Habibi von Craig Thompsons frenetisch aufgenommen worden sind, legt Reprodukt nun auch Thompsons Debutcomic Mach's gut, Chunky Rice auf Deutsch vor. Das ist sicherlich im Rahmen der Autorenpflege schon ein überfälliger Schritt, darüber hinaus aber für den Leser sehr interessant, kann man doch bei diesem fast fünfzehn Jahre alten Comic wunderbar die Entwicklung dieses großartigen Zeichners nachvollziehen und auch schon immer vorhandene Topoi ausmachen. Liebe und Sehnsucht, die sich als Motive auch durch Blankets und Habibi ziehen, finden sich hier zwischen Chunky, einer Schildkröte, und Dandel, einem „Hirschferkel“. Wenn die beiden sich zu Beginn der Handlung und kurz vor einer langen Trennung gemeinsam unter eine Flickendecke kuscheln, dann ist der Betrachter dieser Szene nicht von ungefähr direkt an die titelgebende Decke aus Blankets erinnert. Thompson scheint hier, anhand dieser beiden anthropomorphen Figuren, das erzählerische Potential für seine autobiographische Geschichte ausgelotet zu haben. Haftet diesem Erzählentwurf von Liebe noch eine deutliche Scham, wenn nicht gar Verklemmtheit, an, die sich auch in Blankets nur sehr gering lüftet. Mach's gut, Chunky Rice ist ein schöner kleiner Comic, in dem alles angelegt scheint, was an Thompsons späteren Arbeiten zu begeistern weiß.

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  Walter Pfenninger: Feindgebiet
Walter Pfenninger: Feindgebiet.
Die Geschichte des amerikanischen
Piloten Francis Gary Powers

Stuttgart: Zwerchfell 2012
116 Seiten, Euro 12,00
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In Feindgebiet erzählt Walter Pfenninger Die Geschichte des amerikanischen Piloten Francis Gary Powers. Während des Kalten Krieges flog Powers Aufklärungsflüge mit einer U-2 über der Sowjetunion und wurde schließlich 1960 während eines Fluges im Feindesland abgeschossen. Nach Jahren in Gefangenschaft wird er schließlich auf der Glienicker Brücke gegen einen russischen Agenten ausgetauscht. Auch wenn dies der erste Austausch von vielen auf der Glienicker Brücke war, bleibt die Episode doch eine Randnotiz des Kalten Krieges. Solche mögen zwar in Comicform überzeugend dargestellt werden können und dann über ihre relative Bedeutung hinaus interessant sein. Allein, in Feindgebiet gelingt das leider nicht. Das mag zum einen daran liegen, dass einem nicht klar wird, was Pfenningers Erkenntnisinteresse ist, welche tiefere Bedeutung er dem Leben und dem Schicksal Powers abgewinnen möchte. So hat es den Eindruck, als habe lediglich eine persönliche Neigung zum Stoff zur Comicbiographie geführt. Das ist tatsächlich schade, denn zum einen bietet Powers Leben ausreichend Gelegenheit, überzeugende Geschichten zu erzählen, und zum anderen ist Pfenninger ein fähiger Comichandwerker.

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