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Die Box





1. Oktober 2011
Felix Giesa
für satt.org

Durchgeblättert
  Sascha Hommer: Dri Chinisin
Sascha Hommer: Dri Chinisin
Reprodukt 2011, 80 S., € 14,00
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Neben seiner Herausgebertätigkeit für Orang und dem nun beendeten Projekt Im Museum hat Sascha Hommer an einer weiteren eigenständigen Publikation gearbeitet, die bereits im Frühjahr erschien. Dri Chinisin entstand nach sechs Sätzen aus sechs Erzählungen Brigitte Kronauers, sind aber bei weitem keine weitere Literaturadaption im herkömmlichen, und häufig auch öden, Sinn. Das können sie bei jeweils einem Satz einer ganzen Erzählung auch gar nicht sein. Viel eher hat Hommer versucht, die Stimmung, die Thematik, wenn man so mag, den wahren Kern der Kronauerschen Geschichten in seine Bilder zu gießen. Und das es dabei eindeutig um Hommers Lesart der Geschichten geht, ist offensichtlich, denn der Zeichenstil ist unverkennbar: die umgedrehten Birnenschädel der Kinder, die gerasterten Flächen, die schon seit dem Debüt Insekt einen Wiedererkennungswert besitzen, sowie der drohende Unterton in den meisten Panels. So findet Hommer für die sprachgewaltige Erzählerin eine bildgewaltige Form, die den Betrachter zugleich zu verstören und zu faszinieren vermag.

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  Sarah Burrini: Das Leben ist kein Ponyhof
Sarah Burrini:
Das Leben ist kein Ponyhof

Zwerchfell 2011, 92 S., € 14,00
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Im Zwerchfell Verlag erscheint nun neben Naomi Fearns Zuckerfisch ein weiterer WG-Comic-Strip: Sarah Burrinis Das Leben ist kein Ponyhof ähnelt in seiner Anlage und seinem Charme tatsächlich auch ein wenig Fearns Strip. Durchaus autobiographische Elemente des Lebens als selbstständige Comiczeichnerin und Illustratorin, Alltagserfahrungen einer Endzwanzigjährigen und ein unbändiges Verlangen nach Schokocreme werden gepaart mit dem Leben einer durchaus schrulligen WG. Diese teilt sich Sarah anders als Naomi Fearn nicht mit schwulen Hasen, sondern mit einem sensiblen Elefanten, einem chaotischen Pilz und einem stummen Pony. Die einzelnen Strips erscheinen zweimal wöchentlich auf sarahburrini.com (bzw. bis Ende des Jahres nur noch einmal jährlich), der eben erschienene Band enthält eine Sammlung der Strips von Mitte 2009 bis Ende 2010. Die so entstandene Mischung gibt einen guten Einblick in die Mischung aus Nerdtum, Partyalarm, Elefantenromanzen und Nutellaabgründe. Das ganze wird im niedlichen Funny-Stil präsentiert und funktioniert auch als gedrucktes Buch sehr gut.

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  Lizz Lunney: Ich liebe Katzen und Katzen lieben mich
Lizz Lunney:
Ich liebe Katzen und
Katzen lieben mich

Zwerchfell 2011, 72 S., € 8,00
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Wahrscheinlich eine Premiere ist das kleine Bändchen von Lizz Lunney aus dem Zwerchfell Verlag, da es wohl die erste Übersetzung der Stuttgarter ist. Ich liebe Katzen und Katzen lieben mich ist eine warme Mischung, ein trashiges Potpourri krakeliger Strips und Illustrationen, die uns Nachrichten aus einem wahnsinnigen Paralleluniversum bringen. Dort hausen Katzen, Dinosaurier, sprechende Kühlschränke, Einhörner und jede Menge anderer magischer oder auch alltäglicher Wesen. Lunney, die in England zur eingefleischten self-publisher-Szene gehört, liefert mit ihren Comics ein kryptisches Tagebuch ihrer Selbst, ihrer Gedanken, Vorlieben, Ängste und wird so zum Seismographen eines anarchischen Popgefühls, frei und fernab jeglichen Kitsches. Das ist herrlich verschroben und macht großen Spaß.