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Die Box





16. Oktober 2011
Felix Giesa
für satt.org

Durchgeblättert
  Ulf K.: Lasse
Ulf K.: Lasse
Gerstenberg seit 2011
je 6 ungez. Bll., je Euro 5,95
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Manchmal könnte man meinen, es sei etwas leise um Ulf K. geworden, der mit Der Mondgucker und Tango de la Mort um die Jahrtausendwende sehr erfolgreich war. Vor zwei Jahren war konnte man seinen Strip Der Anfang nach dem Ende in der FAZ verfolgen, aber was treibt er ansonsten? Nun, er gestaltet Kinderbücher, und das durchaus erfolgreich. Das ihm dieses Metier schon immer lag, wissen Leser von Neues vom Philosophisch (zs. mit Martin Baltscheit) und Pelle und Bruno. Nachdem er sich im letzten Jahr erneut mit Martin Baltscheit an einem Kindercomic (Akkuratus2) versuchte, erscheinen seit dem Frühjahr im Gerstenberg Verlag seine Pappbilderbücher um den kleinen Lasse. Und man erkennt die Comicform darin nicht gleich, aber im Grunde sind die Lasse-Bücher Comicstrips, die auf Pappbilderbuchlänge ummontiert worden sind: ein Panel entspricht einer Seite. In den kleinen Büchlein werden ach so alltägliche Situationen wie das Schlafen- oder Auf-Toilette-Gehen geschildert, die dem kleinkindlichen Leser genauso vertraut sein werden, wie dem erwachsenen Mitleser. Dabei wird sich der eine wundern, dass es tatsächlich auch anderen Kindern so ergeht wie ihm und der andere wird sich wundern über die präzise Beobachtungsgabe Ulf K.’s und seine Meisterschaft, diese alltäglichen Situationen so schlicht zu schildern. Bisher liegen sechs Büchlein vor und man kann nur hoffen, dass der leise und clevere Ulf K. mit seinen Comicbilderbüchern ein zukünftiges Comiclesepublikum gewinnt.

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  Julien Neel: Lou!
Julien Neel: Lou!
Tokyo Pop seit 2010
je 48 Seiten, je Euro 9,95
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Seit Tokyopop letztes Jahr zum Gratis Comic Tag, damals quasi als Teaser, ein Heft ihrer neuen Serie Lou! unter die Comicleser brachten, war das für Kenner des Verlagsprogramms doch sehr überraschend. Der Hamburger Verlag, der den Namen des Herkunftslandes des Großteils seiner Comics so prägnant im Namen trägt, ist eben bis zu diesem Zeitpunkt fast ausnahmslos mit Manga in Erscheinung getreten. Lediglich mit Jeff Smiths Bone hatte man einen us-amerikanischen Titel im Sortiment. Einen Titel für Kinder, um genau zu sein. Mit Lou! hat der Verlag das Engagement in seinem Kindercomicsegment auf frankobelgische Comics ausgedehnt. Dabei scheint man weiterhin eine bestimmte Leserschicht im Auge zu haben, die erstmals durch Manga massenhaft begeistert werden konnten: Mädchen. Denn zuvorderst ist Lou! ein Mädchencomic, wie auch übrigens die beiden ebenfalls frankobelgischen Titel Ernest & Rebecca und Sybil. Die Taschenfee. In den vier bisher vorliegenden Bänden, der fünfte (Laser Ninja) wurde in diesem Jahr in Angoulême ausgezeichnet, Band sechs für das Weihnachtsgeschäft angekündigt, entwickelt sich Lou, die mit ihrer leicht neurotischen Mutter allein lebt, von einem mal bräsigen, mal naseweisen Mädchen hin zu einer intelligenten Jugendlichen, die es sich nicht leicht macht, sich mit Leben, Liebe, Alltag zu arrangieren. Das alles verpackt Julien Neel in knallig-bunte Bilder, die nicht einmal versuchen zu verbergen, dass Neel neben Comics auch Trickfilme macht, und so verwundert es auch nicht, dass es in Frankreich von Lou! auch eine Zeichentrickserie gibt. Dabei gefällt besonders in den ersten Geschichten noch der noch nicht vollständig ausgereifte Strich. In den späteren Episoden ist das Layout zu glatt, beinahe schon beliebig. Für die auf Deutsch verfügbaren Kindercomics ist die Veröffentlichung solcher Titel, auch wenn manche kaum der Rede wert sind, ein Schritt in die richtige Richtung und man kann nur hoffen, dass diesen auch ambitioniertere Projekte folgen werden.