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19. Dezember 2010
Felix Giesa
für satt.org

  Cromwell und James Fenimore Cooper: Der letzte Mohikaner
Cromwell:
Der letzte Mohikaner

(nach dem Roman von
James Fenimore Cooper)
Splitter 2010
120 S., 19,80 €
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Cromwell: Der letzte Mohikaner

Coopers Der letzte Mohikaner, zweiter Teil seiner Lederstrumpf-Serie, zählt neben Karl Mays Winnetou-Romanen zu den populärsten Indianergeschichten überhaupt. Dies zeigt sich auch in den unzähligen Adaptionen und Bearbeitungen, die sich zumeist auf den actionlastigeren Teil der Handlung konzentrierten. Der französische Comiczeichner Cromwell hat in seiner Adaption des Stoffes nun einen sehr feinsinnigen Weg gewählt. Er fertigt die einzelnen Panels als eigenständige Gemälde, die er dann in einem offenen Seitenlayout miteinander komponiert. Ganz- und doppelseitige Bilder betonen prägnante Momente und tragen mit ihrer irdenen Farbigkeit zu einer eindringlichen Stimmung bei. Das dabei lange Textpassagen in Blöcken die Bilder rechts und links flankieren verwässert naturgemäß den Eindruck eines Comics, der besonders als textlastigere Variante häufig als nicht sonderlich gelungen gewertet werden muss. Bei Cromwell verhält es sich deswegen nicht so, da es durchaus streitbar ist, ob man hier überhaupt noch einen Comic vorliegen hat und nicht eher eine Bildgeschichte mit hohem Textanteil, die als mediale Ergänzung zum Ausgangstext zu lesen ist. Die Qualität der Bilder mindern solche Überlegungen natürlich nicht und solange man sich noch streitet, was denn überhaupt eine Graphic Novel so genau sein soll, ist es ja auch eigentlich egal, wenn der Inhalt einer solchen nicht wie ein Comic aussieht.

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  Riff Reb’s: An Board der Morgenstern

Riff Reb’s:
An Board der Morgenstern

Carlsen 2010
120 S., 18,90 €
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Riff Reb’s: An Board der Morgenstern

Wie auch Cromwells Cooper-Adaption erschien »An Bord der Morgenstern« in der neuen Kollektion Noctambule des französischen Verlags Soleil. Auch hier handelt es sich um eine Literaturadaption, wenngleich mit gänzlich anderen graphischen Mitteln. Der verlegerische Versuch ist offensichtlich: Mit dem neuen Format sollen neue Leserschichten erschlossen werden, das Abenteuergenre alte Leser an die neue’ Form heranführen. In Riff Reb’s Comicversion der Piratengeschichte des Schriftstellers Mac Orlan könnte man sich zuvorderst die Frage stellen, was denn diese neue Form sein könnte. Die Handlung ist von einem erzählerischen Rahmen ummantelt, ein alter Mann berichtet von seinen Erlebnissen als jugendlicher Freibeuter. Die Binnenerzählung ist in dreizehn unterschiedlich lange Kapitel unterteilt, in denen immer wieder Passagen des Piratenlebens geschildert werden. Mit diesem verhält es sich ein bißchen wie in The Wild Bunch von Sam Packinpah, wenn es am Ende über das Leben als Revolverheld heißt: »Es ist nicht mehr ganz so wie es mal war, aber es reicht noch.« Für die Piraten wird die Luft auch immer dünner, immer mehr enden am Strick an irgendeiner Kaimauer. Das ist erzählerisch durchaus sehr reizvoll gemacht und findet graphisch meist seine Entsprechung. Riff Reb’s unterlegt jedes Kapitel mit lediglich einer Farbe, die sowohl die Stimmung der jeweiligen Passage trägt als auch zum Ende hin immer düsterer wird. Bis schließlich der Kapitän halb skelettiert am Hafen baumelt. Finden sich solch exponierte Momente auf klassischen Splash-Pages bedient sich Reb’s aber auch immer wieder bildlicher Metaphern, um Drama und Innenleben der Figuren zu inszenieren. Etwa wenn der Schiffsarzt vier Welpen seiner Hündin über Bord werfen muss wird das in vier annähernd identischen Panels gezeigt, die in ihrer Farbe immer blutroter werden. Der Doktor verkraftet diesen Verlust nicht wirklich gut und verwindet diesen erst, als er einen Spotter ersticht. Der Mord wird in identischen Panels mit identischer Farbgebung gezeigt. So blutrünstig der Akt erscheinen mag, so eindrucksvoll ist die Wirkung beim Betrachter, der die Stiche regelrecht mitzählt und so jedes scheinbar sinnlos gestorbene Welpen gesühnt empfindet. Das sind natürlich keine Formalien der Graphic Novel allein, im Comic gab es diese Vorgehensweisen schon früher. Auch hier tut das dem Lesevergnügen keinen Abbruch, aber es scheint doch fraglich, ob nun wirklich andere Leserschichten erschlossen werden können. Leser von Piratengeschichten sind schließlich auch ein bißchen wie Piraten: Sie lassen sich von äußeren Formen nicht beeindrucken.

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  David Petersen: Mouse Guard: Winter 1152
David Petersen:
Mouse Guard – Winter 1152

Cross Cult 2010
192 S., 24,90 €
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David Petersen: Mouse Guard – Winter 1152

Während in den Staaten gerade eine Kurzgeschichtensammlung im Mouse Guard-Universum erschienen ist und eine dritte Serie, The Black Axe, sich im Erscheinen befindet, liegt nun mit Winter 1152 der zweite Teil der Reihe um eine schlagkräftige Mauswache in einem gelungenen Mittelaltersetting auch hierzulande vor. Der erste Teil löste in den Staaten einen kleinen Hype aus und in Erlangen gelang dem Titel auch direkt eine Nominierung für den Max und Moritz-Preis in der Sparte Kindercomics. Endete die erste Serie mit dem knappen Sieg der Mauswache über ihren Widersacher Midnight, sehen sie sich nun dem harten Winter gegenüber. Autor und Zeichner David Petersen entfaltet dabei in kleinen Episoden seine Mäusewelt immer mehr, fügt Stein um Stein einzelner Mythen hinzu, die Herkunft des Heroen Black Axe, den Krieg zwischen den Mäusen und Wieseln im Winter 1149 und vieles mehr. Die so entstehende Welt zählt sicherlich zu den derzeit spannendsten Fantasycomics überhaupt und wenn Petersen seine geplanten Serien weiterhin umsetzt, dürfte bald ein beeindruckendes Epos vorliegen.

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