Marc Degens: Abweichen. Über Bücher, Comics, Musik



Februar 2002
Thomas Vorwerk
für satt.org


Larry Potter.
Zaubern ist nicht alles.

LPSWV, Berlin 2001

Fil: Larry Potter

Autor
und Zeichner:
Fil

36 Seiten
EUR 2,00

sattLINK:
Didi und Stulle 1
Didi und Stulle 2
Didi und Stulle 1 (economy)

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Zaubern ist nicht alles …



Eine kongeniale neue Erfindung, diese Figur von Fil. Ein kleiner Magier mit Brille namens Larry Potter. Auf so was muß man erst mal kommen! Während überall nur noch plagiert, remaked und gesequelt wird, hat Fil noch innovative und originelle Ideen.

In seinem "Schelmenroman in 13 Kapiteln" erleben wir, wie Larry nahezu alle guten Zaubertricks mal durchprobiert, um das schwierige Pubertätsalter zu überleben. Er macht sich unsichtbar, um die Mädchenumkleide zu inspizieren*, verkleinert sich, um eine Menage a trois mit Playmo Bill und Playmobil Jenny auszutesten**, läßt sich altern***, um einen Pornoschuppen zu betreten, und schlußendlich läßt er einfach die gesamte Konkurrenz verschwinden ("Jungulus verschwindofix"), um dann aber festzustellen, daß er nach wie vor wenig Chancen beim anderen Geschlecht hat ("Wat?! Iiiiiih; Auf keinen! Potter die Pottsau stinkt nach Samererguss (würg)"). Somit zeigt sich die Moral der Geschichte: "Zaubern ist nicht alles****".

Fil: Larry Potter


*hier erfährt Larry in vollem Ausmaß von der Antipathie des anderen Geschlechts, was jedoch seine Erregung nicht einzuschränken vermag.
**hier zeigt Larry den Beginn eines Einfühlungsvermögens in die weibliche Psyche und obsiegt in moralischer Hinsicht als tragischer Held, der aus wahrer Liebe auch zum Verzicht bereit ist.
***hier zeigt sich, daß man bei allem hormonell bedingten Forschungsdrang nicht das Interesse für das aktuelle Zeitgeschehen verlieren darf. Als aufmerksamer Beobachter politischer Bewegungen setzt Fil hier sozialkritische Akzente, die dem Werk auch realistische Impulse einverleiben.
****doch gerade der Ausgang der Geschichte zeigt Larry als gereiften Helden, der sich seinen gesellschaftlichen Pflichten (wenn auch mürrisch) ergibt, und so den Blick freigibt auf eine bessere Zukunft.