FRIEDEN IST TATSACHE

7:01
tot
7:36
Hackescher Markt: In der S-Bahn 5 (Richtung
Strausberg-Nord) trifft satt.org-(Mit-)Herausgeber und
Redakteur des violetten (noch: SuK) und bunten (noch:
Gimmicks) Würfelfeldes Torsten glücklicherweise
satt.org-(Mit-)Herausgeber und Redakteur des grünen
(noch: Buch) und orangen (noch: Forschung)
Würfelfeldes Marc, denn Torsten glaubt, am
Alexanderplatz aussteigen zu müssen, weil Marc ihm
diesen (falschen) Treffpunkt angeblich vierzehn
Stunden zuvor auf zweimaliger Nachfrage mitgeteilt
haben soll. Kann sein, stimmt bestimmt, war aber
keine Absicht.
7:44
Ostbahnhof: satt.org-(Mit-)Herausgeber und
Redakteur des braunen (noch: Musik) und türkisen
(noch: Freizeit) Würfelfeldes Frank empfängt Torsten
und Marc am korrekten Abfahrtsgleis. Großes Hallo,
alle3 vereint. Alkohol liegt in der Luft, Kaugummis zum
Frühstück.
7:56
alle3 im Zug. Mögliches wird dinglich. Um 7:07
schellte Franks Wecker, drei Minuten früher Marcs,
Torsten ist schon seit halb sechs wach und hat am
frühen Morgen in noch gar finsterer Nacht bereits das
aktuelle daily satt von Herrn Schreiber auf den Server
geschoben. Beifall, Applaus, Taschenkontrolle.
Torsten:
- 1 Iso-Light (0,5l)
- 1 Wildsberg Mineralwasser (0,5l)
- 4 Dosen Beck's (0,5l)
- 1 De:Bug # 57 (März 2002)
- 1 MacUp (April 2002)
- Die Fantastischen Vier 1234 (1 von 2)
- SUKULTUR-Backup (CD rewritable)
- verschiedene Belegexemplare der SUKULTUR-Leseheftreihen "Schöner Lesen" und "Fragen der Philosophie"
- Falcon
- Kopfschmerztabletten, Nähzeug, Pflaster & tausend andere Dinge im Rucksack
Marc:
- Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (24.3.2002)
- Computerausdruck (zehn Seiten)
Frank:
- die Digitalkamera (ohne USB-Kabel)
8:00
Marc liest eine interessante Passage aus einer
für die Fahrt ausgedruckten, am Vortag erhaltenen eMail;
der Auszug stammt von der Homepage eines
Schweizer Gymnasiums:
"Basis aller Hanfspeisen ist meist eine
Trägersubstanz, die es dem Organismus ermöglicht
das THC und die anderen Wirkstoffe leichter im
Verdauungssystem zu absorbieren. Würde man ein
Stück Haschisch oder eine Portion Gras einfach nur
schlucken, so würde sicher auch eine Wirkung
eintreten, aber der Effekt käme sehr verzögert und
wenig intensiv. Das liegt daran dass das menschliche
Verdauungssystem sehr lange braucht, um die
gesamte Pflanzensubstanz zu zersetzten und die
Wirkstoffe aufzunehmen.
Anders ist das, wenn die THC-Moleküle zusammen mit
einer Substanz aufgenommen werden, für die der
Körper effektive schnelle Verdauungsmechanismen
entwickelt hat. Am besten sind für diesen Zweck die
Kohlenstoffe geeignet, weil sie in fast allem enthalten
sind, was wir täglich zu uns nehmen. Ein weiterer
Grund für die Verwendung von
Kohlenstoffverbindungen wie Fett, Zucker und Alkohol
ist die Tatsache, dass der weitaus überwiegende Teil
der Cannabis-Wirkstoffe wasserunlöslich ist, aber
zusammen mit diesen Stoffen zu einer Emulsion mit
Wasser verarbeitet werden kann. Wenn man z.B.
Haschisch ohne solch eine Trägersubstanz in einem
Getränk verarbeitet, schwimmt es wie Fettaugen an der
Oberfläche und erstarrt am kälteren Tassenrand.
Bhang, Hasjbotter, Butterextrakt.
Sicher das älteste von diesen Zwischenprodukten ist
das Bhang, der indische Butterextrakt. In unzähligen
Variationen wird er, von der Küste Indiens bis in den
tiefsten Himalaja, mit Yak-Butter, Wasserbüffelfett, und
anderen sehr exotischen Fetten hergestellt.
Da es den europäischen und nordamerikanischen
Hanffreunden sicher schwer fällt solche ausgefallenen
Stoffe zu organisieren, wollen wir uns mit ganz
normaler Rinderbutter begnügen. Als weitere
Komponente können alle Formen des Hanfes benutzt
werden; Haschisch, Marihuana, Schnittabfall, Stiele,
etc.
Der fertige Extrakt kann als Grundstoff für Kekse,
Kuchen und andere Süsswaren genutzt werden. Er
kann aber auch für Fleisch und Fischgerichte
verwendet werden, oder ganz einfach auf das Brot
geschmiert und mit Marmelade, Käse und Wurst belegt
werden.
Es ist eine sehr vielseitige Substanz die im
Kühlschrank ca. 8-10 Wochen, und in der Kühltruhe,
bei -20C, rund 5 Monate gelagert werden kann. Im
fertigen Gericht ist der Geschmack des Butterextraktes
sehr dezent und angenehm, und überlagert nicht die
anderen Gewürze und Zutaten."
8:09
Torsten öffnet sein (erstes) Beck's.
8:09
Frank eifert ihm nach und referiert über
Zungenbürsten.
8:11
Die Kontrollette kommt: Das vorgezeigte 21 Euro
teure, sogenannte Schöne-Wochenende-Ticket (das
aber nur noch für einen Tag gültig ist, herrjeh, die
Wochenenden werden immer kürzer!) wird von ihr
akzeptiert. Inzwischen hat Marc sein (erstes) Beck's
geöffnet.
8:20
In der Nachbarreihe redet eine Studierende mit
FAZ-Literaturbeilage in den Händen ohne Unterlaß:
Preußen, Caspar David Friedrich, Gott, die Welt, meine
Uni. Laut und schwer. alle3 wird sich umsetzen, es ist
nur eine Frage der Zeit.
8:25
Das beliebte
Wann-ist-wer-zu-Bett-gegangen-das-heißt-eingeschlafen-Spiel:
- Frank: ca. 1.30 h
- Torsten: ca. 23 h
- Marc: vergessen oder nie gewußt
8:29
Torsten schwärmt von Hypno-Disc, ein an den
RobotWars teilnehmendem Kampffahrzeug, das in
seinen Augen kaum zu bezwingen ist.
8:32
Torsten öffnet das nächste (zweite) Beck's.
Potsdam sieht aus wie Dorsten, findet Frank.
8:38
Torsten erklärt die Vor- und Nachteile
wiederbeschreibbarer CDs, Frank lauscht, Marc ist
ohnmächtig.
8:39
"Der-Lack-ist-ab"-Jahre. Frank und Torsten gehen
rauchen, Marc ist seit elf Tagen Nichtraucher und fühlt
sich wie auf Koks.
8:44
Halt in Beelitz, der Spargelstadt. Torsten und
Frank rauchen immer noch. (Jede Zigarette verkürzt
das Leben um durchschnittlich 8, jeder nicht sofort
abgebaute Adrenalinstoß um 20 Minuten.)
8:51
Platzwechsel, alle3 begibt sich samt Habe in das
Raucherabteil.
8:54
Frank raucht wie ein Geschäftsreisender.
9:15
Endlich x§$%& (außer Bundeskanzler in spe
Frank) dank doppelten WC-Aufenthalts.
9:26
Aus Erschöpfung beendet alle3 die hitzig geführte,
aber inhaltlich ergiebige Diskussion über potentielle
Gesprächsziele und -absichten der Textsorte
"Verabredungsvereinbarung".
9:32
Frieden ist Tatsache: Frank liest die
Sonntags-FAZ, Torsten Fanta4, Marc nichts.
9:55
Umstieg in Dessau. alle3 findet Atmen gut.
Sauerstoff ist eine Droge.
10:04
Im Zug nach Leipzig.
10:29
Friede überall: Marc träumt, Frank liest MacUp,
Torsten raucht.
10:44
alle3 erreicht die Messestadt Leipzig ("Messen
nach Maß!"). Es schneit. Haltestation: Messe Leipzig.
alle3 steigt nicht aus, da unverzüglich/noch zuvor am
Hauptbahnhof Leipzig bei McDonald's eingekehrt
werden muß. Belebender Kopfschmerz. Hoffnung … Im
Schlafen, gehen zu können bzw. Im Gehen, schlafen zu
können.
11:12
Den Karnevalsbeginn um nur eine Minute und
etliche Tage verpaßt. Leipzig Hauptbahnhof. (Fast) Am
Ziel: McDonald's - Pipi. Vor der Arbeit das Vergnügen.
Hilfe ist ansteckend.
Frank:
- 1 Grilled Chicken (inklusive seltsam schmeckender Soße - Kaufgrund)
- 1 Grilled Texas Bagel ("Ein Loch zuviel.", "Mittel.")
- 1 Tasse Kaffee
Marc:
- 1 Hamburger Royal TS
- 1 Philadelphia Bagel ("Viele verschiedene Geschmacksteaser.", "Bißchen unausgegoren.",
- "Hackfleisch fast roh.", "Gerade noch drei - mit Augen zu.")
Torsten:
- 1 Grilled Texas Bagel ("Stark gewürzt.", "Drei von fünf Punkten.")
- 1 Tasse Kaffee

Pläne werden gefaßt. alle3 brauchen noch eine
Fahrplanauskunft für die Rückreise.
11:19
Torsten und Frank rauchen, Marc reiht sich in die
Schlange vor dem Schalter im Leipziger
Informationszentrum der Deutschen Bahn ein.
11:37
Der Klügere kippt nach. Frank findet in seinem
weiträumigen 13 Jahre alten (Westbam-)Ledermantel
die vergessen geglaubte Sonnenbrille. Gleichzeitig
entdecken alle3 am Express-Schalter den Schriftsteller
und Stasi-Protokollanten Sascha Anderson.
11:39
alle3 erstehen bei NIMM'S MIT 6 Dosen
Germania Pilsener (0,5l). Edel und herb - Schenk mir
ein Kind.
11:41
Die Messebahn (Linie 16) wird eingenommen,
besetzt und bestiegen. Linie 16 soll alle3 zu den
Büchern bringen. Der Entschluß fällt, während der
Messe ein wenig auf Sascha Anderson zu achten, ein
Auge auf ihn zu werfen, ihn nicht außer acht zu lassen.
11:43
Die ideale Verbindung zwischen zwei
Gedächtnislücken kostet EUR 30. Und ne Menge Nerven.
(Bahninschrift, wirbt für die ÖPNV-Nutzung mit
gültigem
Ticket.)
11:44
DIN EN ISO 9001
12:17
Wir erreichen das Messegelände, nicht mehr
weit. Zuerst ins Pressezentrum, Gespräch mit einer
jungen, sympathischen
Presseakkreditierungausstellungsdame ("Was ist
alle3?" - "Sind alle3 alle3?"). alle3 sollen dafür das
satt.org-Impressum herbeischaffen. Ausdruck des
Gewünschten an einem Computer im Internetraum des
Presseclubs. Voilà.
12:26
alle3 betreten - nach dem endlosen Verhör durch
eine steinalte Presseakkreditierungausstellungsdame
und endlich mit allen Presse-Privilegien ausgestattet -
die Halle 2 der Leipziger Buchmesse. Die kühle Glas-
und Stahlkonstruktion der Messehalle entlarvt leere
Versprechungen auf Anhieb. Es riecht nach Papier im
Zentrum des Lernens. Darauf ein Bier. Germania, zum
Wohl!
12:30
alle3 weiß nicht, ob Sascha Anderson an- oder
abgereist ist. alle3 faßt den Entschluß, Sascha
Anderson über ein Messehallenmikro ausrufen zu
lassen und zu einem Treffpunkt zu bestellen.
12:33
Franks Handy vibriert: Mutter.
12:35
Schnitzeljagd ohne Ziel. alle3 fallen ins
Messeleben.
14:08
Zurück vom ersten Rundgang. Ausbeute:
- 4x IDEA Spektrum (Marc)
- 2x Der geistige Revolutionär Christus (Torsten)
- 2x Der Mittler-Brief (Frank)

Totale Erschöpfung, drei Germania-Pilsener, Marc zieht
seine Schuhe aus.
Alle haben 3SAT-Tüten, nur alle3 nicht. (Torsten
braucht keine, wegen Rucksack, aber Frank und Marc.)
Unmut, Erschöpfung, Friede.
14:19
"Gott ist nicht Allah." (Aus IDEA Spektrum.)
Zustimmendes Atmen.
14:32
Frank liest IDEA Spektrum, Torsten und Marc
benehmen sich unauffällig.
14.37
Lektürefund: "Hitliste 'Suchworte': Welche Inhalte
wurden im Internet Anfang Februar am meisten
gesucht?
- Sex
- Mp3
- Berlin
- Crack
- SMS
- Windows
- Linux
- Nackt
- Hotel
- Porno"
(Quelle: IDEA Spektrum Nr. 8, 20. Februar 2002)
14:39
Franks Handy vibriert: Anja.
15:09
Auf dem gemeinsamen blauen Sofa eines
Internetpleiteanwärters und Rentnersenders nimmt
Martin Z. Schröder Platz. Frank hält Martin Z.
Schröders
("Allgemeine Geschäftsbedingungen", Alexander Fest
Verlag, Berlin 2002) ersten öffentlichen Lesungsauftritt
fotografisch fest. Franks Handy vibiriert: Kay. Marc und
Torsten genießen aus der Ferne, still, ohne Worte.
15:25
alle3 speisen im Messe-Imbiss für
Normalsterbliche. Hanka (Big Brother 2) läuft vorüber und setzt sich schließlich, zusammen mit ihrer Familie, an den Nachbartisch. alle3 traut sich nicht ein Foto zu machen.
Eine Bö GLAM.
Torsten: Schnitzel + Bier + Brötchen (6,10 EUR)
Frank: Schnitzel + Kartoffelsalat + Brötchen (5,30 EUR)
Marc: Schnitzel + Bier + Brötchen + Kartoffelsalat (7 EUR und ein paar Zerquetschte)
Das teure Reudnitzer PremiumPilsener weckt verloren
geglaubte Lebensgeister, ein sehr leckeres Bier.
15:44
Ein Parkplatzshuttlebus fährt draußen vorbei.
Noch einer. Frieden. Frage: Sind König David und
Goliaths Gegner David ein und dieselbe Person?
[Corollarium1
Antwort: Ja.
Der israel. König David (etwa 1004/03 bis 965/64 v.
Chr.), Sohn des Isai, als Knabe Waffenträger und
Spielmann Sauls, nach Verfolgung durch seinen
eifersüchtigen Schwiegervater schließlich zu dessen
Nachfolger ernannt, vereinte Juda und Israel zu einem
Reich, erhob Jerusalem zur Hauptstadt, zeugte
Salomo, verfasste angeblich viele Psalmen und siegte
auch über den Philister Goliath. Ein Teufelskerl.]
15:56
Im Presseclub besorgen sich alle3 drei
kostenlose Tassen Kaffee und stellen fest, daß die hier
feilgebotenen Getränke und Speisen zwar gleich, aber
vielviel billiger sind (Bier: 1 EUR). alle3 ärgern sich,
gehen
in den Internetraum und surfen. satt.org ist nicht
aufrufbar, scheiße!
16:32
alle3 surfen vor sich hin. Dann Aufbruch.
Rasch. Zum Zug. Nach Hause. Heimat. Berlin. Endlich.
16:41
alle3 im Zug Richtung Leipzig Hauptbahnhof
(wegen Bierkauf).
17.01
NIMM'S MIT (Leipzig Hbf): 7 Dosen Germania
Pilsener (0,5l). Dann in den Zug Richtung Berlin. Prost.
17.27
Marc öffnet sein zweites neues Germania, Wohl
sein. Halt in der Bernsteinstadt Bitterfeld (die Stollen
wurden allerdings vor ein paar Jahren geflutet).
17:31
ToZ liest De:Bug, Frank einen Mittler-Brief
("Informationsdienst zur Sicherheitspolitik" - Verlag E.S.
Mittler & Sohn GmbH ("Deshalb Mittler." - so die
Auskunft eines angesprochenen Bundeswehrkriegers).
17:50
Aufenthalt/Zwischenstop/Zugwechsel in Dessau.
Torsten sondiert die Presselandschaft, Marc kauft neue
Kaugummis.
18:01
Im Zug geschieht Ungeheuerliches. Eine Frau,
die alle3 gegenübersitzt, steht auf, verläßt das
Abteil
und sagt zu Frank voller Wut, Hass und Verzweiflung:
"Ich schenk Ihnen mal ein graues Handtuch." Frank ist
verstört, alle3 ratlos.
18:03
Was? Graues Handtuch, Handbuch, Sandtuch …
Worte verschwimmen, Menschen, Frank ist sichtlich
nervös. Ist er verrückt, die Frau oder beide?
18:07
Frank sucht die Frau im Zug auf: "Ich möchte mit
Ihnen reden." Sie aber nicht. Es gelingt auch nicht, sie
zu fotografieren. Sie ist unscharf, jede Aufnahme
verwackelt und mißlingt, es gelingt einfach nicht,
richtig
an sie heranzukommen. alle3 wird einen
internationalen Aufruf starten.
18:28
Torsten versucht Frank zu überzeugen, sich Pfefferspray anzuschaffen.
18:29
Frank ruft Anja an.
18:53
Zeit vergeht wie im Zug. Blößenwahn. Die ersten
werden die längsten sein. Gespräche über Computer,
Apple, die DVD-Technologie.
19:26
Gespräch über Gerhard Förster: "Zu viele
Knollennasen".
19:28
Dem Vollrausch ein Denkmal setzen.
19:40
Berlin Wannsee: Torsten ab.
Die geheimnisvolle Frau steigt ebenfalls in die S-Bahn, steigt dann aber in Zehlendorf aus.
20:08
Berlin Alexanderplatz: Marc ab.
20:17
Berlin Ostbahnhof: Frank ab.
(Vorhang, Licht aus, Nacht.)