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Die Box




10. Januar 2015
Michael Fliegl
für satt.org

The Who Hits 50

„Anger, Comedy, Beauty, Power, Love, Sadness, Forgiveness, Hope, Transcendence – Excellence. It can all be found in two of the shortest & most complex words ... THE WHO!“

... So schreibt Howie Edelson im Booklet-Vorwort der Compilation „The Who Hits 50“.

In der Tat, die Bedeutung dieser Band beschreiben zu wollen, sprengt jeglichen Rahmen, damit könnte man ganze Buchreihen füllen. Sie haben Musikergenerationen beeinflusst und waren Motor der Beat-, Mod-, Pop- und Rockszene von 1964 bis heute.
Ebenso müsste das Ansinnen, einen neuen Sampler kreieren zu wollen, der den Kosmos von THE WHO auch nur annähernd rüberbringt und dem Anlass gerecht erscheint, ein schwieriges Unterfangen werden.

  The Who Hits 50
The Who Hits 50
2CD – Compilation zum
50-jährigen Bandjubiläum
(Ploydor/Universal)
» thewho.com
» amazon

Anyway, es musste auf jeden Fall etwas passieren zu einem Jubiläum, welches sich bisher nur wenige Bands auf ihre Bio pinnen können.
So umfasst die vorliegende 2-CD-Edition 42 Songs, die samt und sonders der Reihe nach als Singles veröffentlicht wurden, ein chronologischer Querschnitt aus ihren elf Studioalben.
Beginnend mit dem Prä-Who-Single-Debut – noch unter dem Bandnamen „The High Numbers“: „Zoot Suit“ von 1964 und endend mit dem allerneuesten Song „Be Lucky“, dem ersten seit 2006, den Daltrey & Townsend mit ihrer langjährigen Liveband Zak Starkey, Pino Palladino & Mick Talbot im Spätsommer dieses Jahres für ihr Bandjubiläum und diesen Sampler als Zuckerl eingespielt haben.

Es fehlen natürlich nicht Kuriositäten wie das Stones-Cover „The Last Time“, welches die Band zur Unterstützung der damals erfolgten Inhaftierung der Glimmer-Twins Jagger & Richards wegen Drogenmissbrauchs aufnahm, blöderweise kamen diese jedoch zeitig wieder aus den schwedischen Gardinen heraus, noch bevor weitere Stones-Coversongs aufgenommen werden konnten. Townsend spielte hier den Bass, während John „The Ox“ Entwistle auf Hochzeits-Kreuzreise weilte, worüber die Homepage dergestalt zu berichten weiß:

He was contacted aboard the Queen Elizabeth on his way to New York at 3.00 am to hear the playback. An unamused John commented „I had to go to the radio room just to hear that. I thought somebody had died!“

Die drei Songs „Let’s See Action“, „Join Together“und “Relay“ stammen vom 1971/72er seinerzeit unvollendeten „Lifehouse“- Rockoper-Projekt des umtriebigen Pete Townsend, worauf damals dem Vernehmen nach wohl nur er und nicht der Rest der Band wirklich Bock hatte, was ihm damals einen veritablen Nervenzusammenbruch bescherte.
Aber: Geduld zahlt sich bekanntlich aus, und so erfuhr diese Rockoper dann doch noch im Jahr 2000 seine Uraufführung als Petes Soloprojekt.

Ebenso enthalten ist das kuriose „Boris The Spider“ vom genialen Bassisten John „The Ox“ Entwistle, der erste von ihm komponierte und obendrein gesungene Song, den Band-Freund Jimi Hendrix einst zu seinem Lieblingsstück erklärte und der heute augenzwinkernd aufgrund der Vocals als erster Death-Metal-Song überhaupt gilt.

Verdrießlicherweise gab’s keine Singleveröffentlichung auf der der 1978 verstorbene und vom Rezensenten heilig gesprochene Keith Moon (a/k/a Moon the Loon) singt (wie z. B. „Bell Boy“ von „Quadrophenia“), was sehr schade ist, aber eben nicht dem Konzept des Albums entsprochen hätte.

Die sehr anrührende Elvis-Hommage „Real Good Lookin’ Boy“ enthält Songzitate aus dem Werk des King of Rock’n’Roll, stammt von der 2004er Compilation „Then & Now“, ist eine von zwei Neukompositionen und ein echtes Highlight.

„It’s Not Enough“ vertritt das 2006er letzterschienene Studioalbum „Endless Wire“, herausgebracht zur darauffolgenden Reunion-Tour, wo hernach der Rezensent höchstpersönlich auf dem Fulda-Sickels-Airfield Open Air 2007 die Band erstmals als Gast bestaunen durfte.

Wie bereits festgestellt zahlt sie sich also aus, die olle Tante Geduld, denn es folgt last but not least endlich das sehnlich aufgesparte letzte Stück, ebenjenes neuveröffentlichte „Be Lucky“ und erweist sich in der Tat als formidable Nummer, in der besonders Roger Daltrey sein stimmliches Füllhorn aufmacht.

THE WHO a/k/a Pete Townsend & Roger Daltrey sind erleichternder Weise noch nicht am Ende angelangt und scheren sich einen feuchten Kehricht um’s Altenteil, was ja auch die aktuellen Aktivitäten der Helden (insbesondere das geniale Roger Daltrey & Wilco Johnson – Album, sehr empfohlen !) nachdrücklich unter Beweis stellen : sie werden mit Dankbarkeit alt, aber niemals kalt, das Blut fliesst noch!

Hierzu letzlich vermerkt also die absolut würdige Compilation, für Fans sowieso ein Must-Have, gleichermaßen ein idealer Einstieg für den geneigten Who-Rookie als auch ein Auffrischer für eine alte Liebe.

Howie Edelson’s feines Schlusswort aus dem Booklet :

“The ultimate collection is, of course, the entire collection : every song on every album. These are the tracks beloved by the masses and the perennial head turners, but I promise you : it is but the tip of an iceberg of the most rewarding and amazing Journey.“

Aktuell läuft die Jubiläumstour, die allerdings zunächst nur in England stattfindet. Für 2015 sind als nächstgelegene Auftrittsorte Amsterdam und Paris angekündigt!