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Die Box




15. Juni 2011
Dominik Irtenkauf
für satt.org

  Arms And Sleepers: The Organ Hearts
Arms And Sleepers: The Organ Hearts
Expect Candy/Cargo Records 2011
» www.armsandsleepers.com




Arms And Sleepers
Eine Herzensangelegenheit

»The Things That Make Me Feel Weak And Strange Get Engineered Away« – so der Untertitel der neuen »Arms And Sleepers«-Scheibe »The Organ Hearts«. Es beginnt mit lässigen Drums, elektronisch abgemischt und im Gegensatz zur Vorgängerscheibe »Matador« wirken »Arms And Sleepers« diesmal in sich abgeschlossener und irgendwie doch offener. Interessanterweise befindet sich im Line-Up der Band Philip Jamieson von Caspian. Caspian spielen gitarrenintensiven Post Metal, also Metal, der nicht mehr auf dicke Hose macht, aber doch auf stürmische Instrumentalpassagen setzt. »Arms And Sleepers« schweben luftig über Genrefestlegungen hinweg.

Was dieser Untertitel der neuen »Arms And Sleepers«-Scheibe bedeuten könnte, wird vor allem bei jungerwachenden Lieben deutlich. Man kann sich nicht an den schönen Augen satt sehen. Man beginnt Gespräche, bis man irgendwann sagt: »Du, ich würde gerne jeden Tag mit dir sprechen.« So entspannen sich nächtelange Erkundungen, bis die Vergangenheit beinah der erwachenden Liebe einen Strich durch die Rechnung macht, denn man wägt Entscheidungen und Missverständnisse wie Gold auf. Ein organisches Herz verhärtet sich und wird zu Metall.

»Arms And Sleepers« schweben über der Schwere. Die Musik hält sich auch auf den Vorgängeralben von allzu schwerwiegenden Elementen, wie zum Beispiel Gitarrenwänden oder vertrackten Rhythmen fern. Auf »The Organ Hearts« ließen sie diesen Einfluss verschwinden. Doch verbindet man im Laienverständnis von Musik das Wörtchen »organisch« mit handgespielter Musik, d.h. dem üblichen Rockband-Inventar. Die organischen Herzen müssen also an anderer Stelle gesucht & gefunden werden. Auf dem Coverartwork sieht man Drähte und Kabel. Keine organischen Herzen? Vielleicht darunter? Darüber? Dazwischen?

 

Die Musik sollte Aufschluß darüber geben können. Ein leichter Beat wird von nicht allzu schweren Melodien begleitet. »Smooth« könnte man den Opener »Kepesh« nennen. Einen Song später – »Tusk« – setzt der Gesang ein, halb-erzählend, halb-singend. Die Musik bewegt sich stets in ätherischer Höhe, die Bässe sind ausgeschlossen worden. Walt Whitman springt in »I Sing The Body Electric« noch zur Hilfe. Der musikalische Körper elektrifiziert sich in der Weise, daß viel Synthesizer zum Einsatz kommt und sich der Klangkörper in die Fläche ausstreckt. »Arms And Sleepers« bieten auf »The Organ Hearts« ruhige und zugleich lässige Songs, die sich sanft in die Ohren schlängeln.

»The Organ Hearts« könnte eine ideale Wegbegleitung auf Reisen durch Europa sein: Ein Lächeln in Sofia (»A Smile In Sofia«) trägt sich bis nach Antwerpen (»Antwerp«), und man findet sich bereits am nächsten Morgen wieder auf Achse, und das Album schließt mit dem »Airport Blues« ab. Zuvor ertönt Jazz im »Atelier«. Sicher muss das vorliegende Album kein Konzept sein ... doch wer solch einen bezeichnenden Albumtitel wählt, muss sich einige Überlegungen schon gefallen lassen.

Die organischen Herzen schlagen unter der elektronischen Hülle, leise und man muss schon genauer hinhören, um Gefallen am neuen Album finden zu können. Der Pulsschlag wird nie zu heftig. Doch dadurch entkrampfen »Arms And Sleepers« den musikalischen Druck, der auf dem Album liegen könnte, folgten sie einem ausgeklügelten Konzept. So fügen sich die Einzelstücke lose aneinander – und fordern zur Freundschaft oder aber auch zur Ablehnung heraus. Ausprobieren!