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14. Juni 2010
Jürgen Körber
für satt.org

  SUPERPUNK: Die Seele des Menschen unter Superpunk
SUPERPUNK:
Die Seele des Menschen
unter Superpunk

(Tapete Records)
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SUPERPUNK:
Die Seele des Menschen unter Superpunk

Diese Tage erschien ein neues Studioalbum von SUPERPUNK, die nunmehr fünfte Platte der Band. Das verspricht zum einen nordisch trockene und leicht verschrobene Texte und zum anderen musikalisch wie gehabt und wohl für alle Ewigkeit die Rückbesinnung auf alte Stile, in erster Linie sei Northern Soul genannt, mit Vorliebe für die E-Orgel und auch das Klavier. Die Stimme des Sängers muss man mögen und die Intonation, eine Art bewusst unspektakulärer Sprechgesang, auch, sie passt aber ganz hervorragend zu den Texten.

Mit „Ford Escort“ und der Huldigung des Autos als heile Welt fängt es etwas kleinbürgerlich an, auch wenn die besungene ‚Fahrt ins Ungefähre‘ dann wohl eher die abgedroschene Metapher als Ironie reinbringt. Dann wird aber doch wieder Misanthropie Thema : ‚Ich bin sehr schlau doch ich stell mich dumm / Und ich krieg aufs Maul und weiß nicht warum‘ etwa in „Ich bin nicht so wie jeder andere auch“ oder auch „Rette dich vor den einfachen Leuten“, die Warnung von Einem, der dazu gehört, aber intellektuell überlegen ist, der zwar keiner der besungenen kleinen Leute sein möchte, aber auch nicht Elite. Erinnert einen an „Different Class“ von PULP. Die passende also Musik für die, die sich schon seit ihrer frühesten Jugend jedem Trend verweigern und vielleicht auch nie dazugehörten, die nicht erzwungene Nonkonformität und die Rückbesinnung auf die Musik der 60er und 70er und das Paradoxon, keinem Trend angehören zu wollen und daraus selbst auch keinen Trend oder ein Prinzip zu machen.

SUPERPUNK-Pressefoto: Markus Wustmann

Foto: Markus Wustmann

So herrlich bizarr wie auf dem Erstling „Wasser marsch“ wird es leider nicht, dafür sind die Texte zu sehr an Problemen des Alltags angelehnt und bei „Ford Escort“ und „Wir alle lieben dich Daniela“ gleiten sie fast schon in eine Besinnlichkeit und Sentimentalität ab, die man bei SUPERPUNK (und eigentlich auch sonst) nicht unbedingt hören möchte. Aber dann blitzen doch wieder geniale Bonmots auf, so in „Das Feuerwerk ist vorbei:“ ‚Und ich trinke unter Stand / Und finde Theologie interessant‘ als Reflexion über die Einsamkeit und das Sich-gehen-lassen.

Mit „Up all Night“ gibt es eine quasi komplett instrumentale Nummer, bevor dann mit der „Das waren Mods“ der Hit kommt, der, wen wundert es, auch als Vinyl-Single erhältlich ist. Hier werden alte Schulhoferinnerungen aktiviert: Das singende Ich als bewundernden Zuschauer, der doch nie mitmachen durfte bei den Anhängern jener Subkultur: ‚Sie waren so cool und doch so streng ... Sie waren so männlich und doch wieder nicht‘.

Wer den Vorgänger „Why not“ kennt wird feststellen, dass der melancholische, fast schon etwas resignierte Unterton, der sich dort wie ein Leitmotiv durch viele Lieder schleicht (Mit Liedern wie „Baby ich bin zu alt“, „Ich funktioniere nicht mehr“) nun wie eine Lebenskrise überwunden zu sein scheint. Jetzt herrscht wieder der Mut vor, das Anderssein zu zelebrieren, so wie „In der Bibliothek“: ‚Ein leichter Muff, aber erhabene Stille / und niemand lacht über die neue Brille [...] Die Dancer, die Lover, die Surfer am Meer, ich beneide sie schon aber nicht so sehr / Denn ich habe die Bibliothek.‘ Das ist doch wirklich schön, oder? Und ganz bestimmt ohne den leichtesten Anflug von Selbstmitleid oder Pathos, und auch eigentlich ohne die vielbemühte ironische Brechung, was den Texten Glaubwürdigkeit verleiht.

Resümee: Nahezu uneingeschränkt empfehlenswert, für Fans sowieso. Wer aber noch gar nichts von den „Top Old Boys“ sein eigen nennt, aber gleich mit der vollen Packung einsteigen möchte, dem sei hier auch und vor allem „Wasser Marsch“ empfohlen.