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Die Box




23. März 2009
Tobi Kirsch
für satt.org

  Erik Sumo: Trouble Soup
Erik Sumo: Trouble Soup
(Le Pop Musik/Groove Attack)
» eriksumo.hu
» myspace


Im Gemüsegarten populärer Klänge

Das Debütalbum „My rocky Mountain“ von Erik Sumo alias Ambrus Tövishazi erschien 2005 als erster Longplayer auf dem inzwischen nicht mehr bestehenden Stuttgarter Label Pulver. Schon damals wunderte ich mich über den charmanten Wahnsinn, den der Ungar mit Klängen so trieb. Als ausgesprochener Liebhaber von genreübergreifenden Projekten begeisterte mich dieser Hybrid aus Clubkultur, verspielten Songschnipseln, astreinen Poprefrains und folkloristischen Elementen mit mehrmaligem Hören erst nach und nach. Letztens fiel es mir wieder auf und ich fragte mich, was der gute Erik wohl so treiben mag. Kurz darauf lag „The Trouble Soup“ in meinem Briefkasten.

Manch einer wird die Freakshow vermissen, die „My Rocky Mountain“ damals als Assoziation bereit hielt. Andere, zu denen auch ich gehöre, können die Entwicklung der letzten vier Jahre nur gutheißen, hat sich Erik Sumo doch inzwischen als Band neu formiert und dem kollektiven Wahnsinn ein wenig mehr Kontur gegeben.

Die Clubsounds sind einer stärkeren Geschlossenheit gewichen, die vielleicht auch dem Bandcharakter zuzuschreiben ist. Zur Erik Sumo Band gehören zwei Sängerinnen, die sich mit dem Bandleader am Mikro abwechseln. Diese Besetzung alleine macht schon eine Menge aus, weil sie enorme Vielfalt beim Gesang erlaubt. Krachen lässt Ambrus es übrigens immer noch gerne, wie „Erzsi robs a Casino“ zeigt. Aber es gibt auch die Balladen „Your Flame“ und „Sleep well Octopus“ oder einen echten Hit wie „Disco in my Head“. Auch „ You never been my friend“ hat absoluten Ohrwurmcharakter.

Das ganze Album zeichnet sich durch ein äußerst warmes Klangbild aus, was sicher auch an der Vorliebe der Band für alte Instrumente aus dem Ostblock ihren Ursprung hat. Erik Sumo liebt zum Beispiel den alten Orgelhersteller Vermona aus der DDR, der einen ganz bestimmten Orgelklang herzustellen vermochte, den es auf „West“-Instrumenten so nicht gab. Bei aller klanglichen Perfektion und Kraft des zupackenden Sounds hört man mitunter auch den Einfluss heraus, den Lo-Fi auf die Produktion hatte. Ab 1990 wurde Ambrus ja noch stärker von Musik aus dem Westen geprägt, er entdeckte Beck und Stereolab für sich. Mit Beck teilt er die Unverfrorenheit des Spiels mit unterschiedlichen Genres, die er sich selbstbewusst für seinen eigenen Kosmos aneignet. Einen Erik Sumo-Song erkennt man unter vielen anderen definitiv heraus. Und dennoch gelingt ihm die Kunst, Musik für ein größeres Publikum zu schreiben. Außerhalb Ungarns müssen das jetzt nur die Menschen erkennen. Dafür muss die Erik Sumo Band auch außerhalb der eingetretenen Pfade wie „Weltmusik“-Szene bekannt werden. Ich hoffe, Veranstalter in Europa haben den Mut, diese ausgezeichnete Band auch außerhalb des „Ostblocks“ für Festivals zu buchen. Dass sie das Zeug zu großen Stars haben, bewiesen sie vor einiger Zeit auf einem Konzert, dem ich beiwohnen durfte.