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Die Box




29. März 2010
Christina Mohr
für satt.org

  Die Sterne: 24/7
Die Sterne: 24/7
(Materie Records)
» diesterne.de
» myspace


Tourdaten:
  • 09.04.2010: Bremen | Stauerei
  • 10.04.2010: Osnabrück | Rosenhof
  • 11.04.2010: Düsseldorf | Zakk
  • 12.04.2010: Köln | Luxor
  • 14.04.2010: Heidelberg | Karlstorbahnhof
  • 15.04.2010: Stuttgart | Rocker 33
  • 16.04.2010: Augsburg | Kantine
  • 17.04.2010: CH-Zürich | Exil
  • 18.04.2010: CH-Zürich | Exil
  • 19.04.2010: Freiburg | Jazzhaus
  • 21.04.2010: A-Wien | Wuk
  • 22.04.2010: A-Graz | PPC
  • 23.04.2010: A-Salzburg | Arge
  • 24.04.2010: Erlangen | E-Werk
  • 25.04.2010: Dresden | Beatpol
  • 26.04.2010: Berlin | Postbahnhof
  • 28.04.2010: Hamburg | Uebel & Gefährlich
  • 12.05.2010: Würzburg | Posthalle
  • 13.05.2010: A - Dornbirn | Conrad Sohm
  • 14.05.2010: A - Innsbruck | Weekender
  • 15.05.2010: Dingolfing | Red Box Festival
  • 06.06.2010: Nürburgring | Rock am Ring
  • 27.06.2010: Köln | c/o Pop
  • 17.07.2010: DE-Gräfenhainichen | Melt Festival




Die Sterne: 24/7

Musikmagazine und Feuilletonisten überschlugen sich förmlich: Die Sterne haben sich mit ihrem neuen, sehr club- und discoorientierten Album „24/7“ neu erfunden! Aber ist das so? Waren Die Sterne nicht schon immer die funky'ste Band Hamburgs oder gleich ganz Deutschlands? Gut, „24/7“ geht noch kühner und entschlossener auf den Dancefloor als die älteren Alben, was nicht zuletzt an der Zusammenarbeit mit dem Münchner Gomma-Labelchef Mathias Modica liegen mag. Inhaltlich kratzen Die Sterne noch immer am System, "Es liegen tausend Leichen in der Stadt der Reichen/ es müssen Berge weichen für die Stadt der Reichen/ aus dem Weg, ich möchte investieren" – nur kann man jetzt noch booty-betonter dazu tanzen als zu „Trrrmmer“-Zeiten.

Ab Anfang April gehen Die Sterne mit „24/7“ auf Tour – vorab hat satt.org Frank Spilker zum neuen Album befragt:

◊ ◊ ◊

Überall steht zu lesen, dass Die Sterne "jetzt" in Disco machen - dabei wart Ihr doch schon immer sehr funky. Wie seht Ihr das?

Frank Spilker: Das stimmt. Die Sterne waren immer schon eine Post-Punk, Rockband die auf Groove macht. Angefangen haben wir mit dem Crossover-Klassiker "Fickt das System" Auch auf unserem ersten Album wurden Chic als eine Referenz genannt. Seit dem Jahr 2001 sind die Sterne songorientierter geworden und jetzt vielleicht so etwas wie zurück auf dem Pfad der Tugend.

Wie reagiert das Sterne-Publikum auf den jetzt richtig dick gezupften Bass und Discogrooves?

FS: Wir fangen ja gerade erst an zu touren. Die ersten Konzerte waren toll. Da die Sterne noch nie so eine ausgeprägte Genre-Band waren, wie andere Indierocker, ist auch eigentlich nicht damit zu rechnen, dass jetzt jemand schreiend davon rennt. Wahrscheinlich werden wir gut mit dem Publikum zusammen swingen. Und: keine Angst, wir spielen immer noch "Was hat dich bloss so ruiniert"

Das Modell Rockband (mit Betonung auf Rock) scheint aus der Mode zu kommen - Tocotronic z.B. wehren sich vehement gegen rockistische Vereinnahmung. Wie ist das bei Euch? Ist "Rock" cool, uncool, zeitgemäß oder geht gar nicht mehr?

FS: Alles hat seine Zeit. In dem Moment, wo ich lese "scheint aus der Mode zu kommen" denke ich: Na, dann fange ich schon mal an zu üben für das nächste „Rockistische“ Revival. Alles dreht sich immer schneller. Und meine Meinung dazu kann in dem Moment, wo ich sie tippe, von der Entwicklung da draussen überholt werden. Im Augenblick denke ich, das die großen Gesten aus dem Clubbereich in den Rockbereich herübergewandert sind.

Wie seid Ihr mit Modica/Gomma zusammengekommen? Wie funktioniert die München-Hamburg-Connection? Und ist Gomma nicht eigentlich ein bisschen glatt?

FS: Das habe ich auch gelesen, dass Max Dax dieser Meinung ist. "Aalglatt" hat er geschrieben. Das kann sich weder auf das Programm von Gomma ("The Phenomenal Handclap Band") noch auf Munk, Modicas eigene Band beziehen. Die einen sind ein experimentelles New Yorker Hippie- Rock-Projekt und die anderen Dance-Elektronik im Sinne von Hot Chip und LCD Soundsystem. Für mich eines der wenigen Labels in Deutschland, die auch auf dem internationalen Markt künstlerisch mithalten können und nicht nur ihr eigenes regional provinzielles Süppchen kochen. Wir haben sehr schnell eine gemeinsame Basis gefunden und dann immer mehr Sachen entdeckt, die uns verbinden. Die Vorliebe für Bands wie ESG zum Beispiel.

Ging Richard von der Schulenburg wegen „24/7“ oder hat das andere Gründe?

FS: Richard hat an „24/7“ mitgearbeitet, aber irgendwann kamen wir an den Punkt, an dem wir uns (aus unserer Sicht) entscheiden mussten, eine gute Platte oder eine Platte mit Richard zu machen.

Was hat im Studio am meisten Spaß gemacht? Und was war am schwierigsten?

FS: Am schwierigsten war natürlich zu realisieren und dann zu entscheiden, dass wir die Platte nicht mit Richard zu Ende machen können. Am schönsten war zu sehen, wie gut die Zusammenarbeit der beiden Produzenten Gregor Hennig und Mathias Modica geklappt hat. Das konnte keiner voraussehen, wie gut die miteinander harmonisieren und jetzt arbeiten sie zusammen am neuen Munk-Album.

In einem Song auf „24/7“ heißt es, "Ich geh in die Disco, ich will da wohnen" - in welcher am liebsten, in welcher überhaupt nicht?

FS: Gibt es überhaupt noch Discos? Die heißen doch jetzt Club, oder? Das Tolle an dem Stück ist das surrealistische Traumszenario. Tanzen tu ich am liebsten da, wo es laut und eng ist. Ich behalte ja eh immer den Überblick.

Die Frankfurter Rundschau schreibt, dass Ihr Euch mit „24/7“ von der Hamburger Schule distanziert - ist das so, habt Ihr je dazu gehört (gehören wollen), wie sehr nervt so ein Oberbegriff wie "Hamburger Schule"?

FS: Hamburg nervt an sich. Hamburg ist zu klein und leidet unter einer Leithammelkultur, die sich gerade für die nächsten zwanzig Jahre etablieren will. Dazu kann ich nur sagen: "Include me out"

Kann/soll man Systemkritik tanzen, oder: darf Pop politisch sein?

FS: Ersteres wäre mir zu gefährlich. Die Verletzungsgefahr bei "kritisch Tanzen" soll ungefähr so hoch sein wie bei "komisch Laufen". Letzteres: Unpolitisch sein, bedeutet ja eigentlich immer nur, mit allem einverstanden und zufrieden zu sein. Unzufriedenheit mit den gesellschaftlichen Verhältnissen andererseits, findet immer auch einen Weg in die Kunst. Es ist geradezu unmöglich die eigene Unzufriedenheit, oder das eigene Nicht-einverstanden-sein aus der Kunst herauszulassen.

Wie wichtig sind Sterne-Texte heute? Wäre „24/7“ auch mit englischen Texten denkbar? (Wo klar wäre, dass man als deutschsprachige/r Hörer/in nicht mehr so stark auf die Lyrics achten würde wie jetzt)

FS: Eben deshalb gibt es eine Berechtigung für deutschsprachige Musik. Alles wäre anders, wenn man genau so gut auch englische Texte machen könnte. Gut, es gäbe eine größere Konkurrenz, aber man könnte in Italien auftreten, in Portugal und Japan. Geht aber nicht, weil die Leute bei englischen Texten einfach nicht so genau hinhören. Und „24/7“ könnte selbstverständlich auch auf Englisch erscheinen. Man kann ganze Platten machen, indem man einfach nur gute Sätze aus englischsprachigen Songs ins Deutsche übersetzt. Das würde nie jemandem auffallen.

Letzte Frage: James Brown oder Kraftwerk?

FS: Das sind beides sehr geile Projekte und Eckpfeiler moderner Tanzmusik. Und beide macht man spätestens nach einer Stunde aus.

Die Sterne