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8. März 2010
Christina Mohr
für satt.org

  Dial 2010
Dial 2010




»Dial 2010«
Interview mit Peter Kersten

Fanfare und Tusch: seit zehn Jahren steht das Hamburger Label Dial für erlesene, intelligente Techno-, House- und zuweilen auch Singer-/Songwriter-Veröffentlichungen. Zum Geburtstag erscheint die Compilation Dial 2010, für die nicht – wie bei solchen Anlässen üblich – erfolgreich-bewährte Labelhits zusammengepackt wurden, sondern alle Künstler neue Tracks aufgenommen haben. Also für Fans und Firma eine runde Sache, die deutlich macht, mit wieviel Herzblut man bei Dial bei der Sache ist. Hier ein Interview mit Labelgründer Peter Kersten, der als Lawrence und Sten auch selbst Musik macht:

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Zehn Jahre Dial - lang oder kurz?

Peter Kersten: 10 Jahre sind schon eine verdammt lange Zeit, in der viel passiert ist. Kein Jahr gleicht dem anderen. Von Pop Antifa- über Sinuswellen-Konzerte bis zu unseren Residencies in der Panorama Bar Berlin und dem Golden Pudel Club - vielseitiger kann ich mir kein Label vorstellen.

Dial wurde im Jahr 2000 gegründet: geschichtsträchtig von Anfang an oder ist die Jahreszahl egal?

PK: Die Jahreszahl ist ziemlich egal, 2000 klingt aber natürlich schöner als 1998 oder 2003.

Welchen Anspruch hast du selbst an Dial?

PK: Glüklicherweise sind uns Ansprüche an die Labelarbeit fremd. Dass sich für Aussenstehende bei Dial immer wieder Konzepte finden, ist uns bis heute rätselhaft.

Dial Records hieß auch mal ein amerikanisches Bebop-Jazz-Label:kanntest du das? Gab es schon Verwechslungen?

PK: Ich kenne das Label und seine Geschichte mittlerweile, traumhaft. Ich wünschte, wir könnten das als Referenz nennen, aber unser Labelname entstand doch sehr sporadisch und wirklich unüberlegt.

Eine obskure/schöne/skurrile/bemerkenswerte Geschichte rund um Dial:

PK: Zu Dial gibt es unzählige skurrile Geschichten, die KünstlerInnen und Betreiber sind eine sehr exzentrische Familie. Allerdings wollen wir die Stories nachträglich nun wirklich nicht im WorldWideWeb lesen.

Was ist heutzutage in Zeiten von myspace etc. die wichtigste Aufgabe eines Labels?

PK: Dial sieht sich nicht als ein von zeitgenössischen Medien getriebenes Label. Wir finden zwar automatisch fast überall statt, aber so interessant sind Tendenzen wie Myspace oder Twitter nicht. Die Aufgabe bleibt, Musik den entsprechenden HörerInnen zugänglich zu machen.

Wie haben sich House und Techno in den letzten zehn Jahren verändert/entwickelt? Wo geht es hin und wird Dial dabei sein?

PK: Die Grenzen innerhalb der Genres House und Techno scheinen gerade zu verschwinden, die musizierenden und auch tanzenden Individuen treten wieder stärker in den Vordergrund. Das beweisen Künstler wie Efdemin, John Roberts oder Christian Naujoks. Sie fühlen sich keinem Clubdiktat unterworfen.

Gibt es eine übergreifende Klammer für die Dial-Artists? Und wie dehnbar sind die Labelgrenzen, falls es welche gibt?

PK: Auch hier ist zunächst einmal keine Grenze gesetzt, da alle Beteiligten einen sehr weiten musikalischen Horizont haben. Innerhalb unserer Vorlieben sind wir allerdings sehr kritisch.

Du machst als Lawrence und Sten ja selbst Musik - ist es schwer, Musikmachen und Labelarbeit unter einen Hut zu bekommen?

PK: Mich zwingt niemand zur Labelarbeit, ebensowenig zum Musizieren, ersteres ist auch nicht so aufwändig, und Fehler sind erlaubt.

Wen würdest du gerne signen? Und von wem würdest du gern mal ein Dial-Cover gestalten lassen?

PK: Ich bin gar nicht so dafür, meine Lieblinge zu signen - Pierre Boulez muss ja nun wirklich nicht noch auf Dial veröffentlichen. Ein Cover von Monika Michalko fänd ich schon super.

Hast du einen Lieblingstrack auf dem Dial-Jubiläumssampler?

PK: Ich finde den Sampler insgesamt zu gut, für mich haben alle nur die schönsten Stücke abgegeben.

Was wünschst du Dial für die nächsten zehn Jahre?

PK: Da sich die Musik und das Label gerade so wahnsinnig gut anfühlen, wünsche ich weiterhin Brüche, Unvernunft und ... bestuhlte Konzerte!