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11. April 2009
Jürgen Körber
für satt.org

  Peyoti for President: Rising Tide of Conformity
Swordid/Rough Trade
» peyoti.com
» myspace

Sofort anhören:
We the PeopleDrifting,
Rhapsody of a 1000 Lies


Peyoti for President:
Rising Tide of Conformity

Achtung! Den Namen Peyoti for President wird man sich merken müssen: Denn was diese Band um den britischen Frontmann Pietro DiMascio auf ihrem Erstling bietet, hat nicht nur das Wohlwollen der Presse gefunden, sondern auch das der Fans. Begeisterung also, wohin man auch hört. Peyoti for President machen Worldmusic vom Feinsten, und begegnen der drohenden bzw. vorhandenen Konformität im Musikgeschäft durch eine Verschmelzung unterschiedlichster außereuropäischer Stile und Einflüsse mit westlicher Musik. Der Titel des Albums bezieht sich übrigens auf ein Foto mit Bob Dylan und Joan Baez, die vor einem Schild mit der Aufschrift „PROTEST – THE RISING TIDE OF CONFORMITY“ stehen.

In den Songtexten wird auch schnell deutlich, dass Peyoti sich klar von kritiklosen und konsumorientierten Haltungen absetzen. Da wird gegen den Krieg der USA argumentiert, gegen die bewusste Schürung einer Angst vor dem Terrorismus seitens der Politik und der Medien. Dass dies nicht flach polemisch oder weltverbesserisch, sondern bei Titeln wie Bad Politician und We the People authentisch rüberkommt, liegt nicht zuletzt einfach an der Klasse der Musik.

Die Band – aber man sollte bei der großen Anzahl der mitwirkenden Musiker lieber von einem Künstlerkollektiv sprechen – spielen Samba, Salsa, Flamenco und vieles mehr. Künstler aus dem arabischen und dem lateinamerikanischen Kulturkreis bringen ihre Melodien, ihre Stile und ihre Instrumente ein; besonders gut gefallen hat mir das auf den Tracks Drifting und Rhapsody of a 1000 lies, für mich die besten Stücke des Albums. Bei A Peoples Lament ist als einziges Instrument eine arabische Ney zu hören, die einsamen Flötentöne werden begleitet von einer Stimmencollage, u. a. mit George W. Bush über den Irakkrieg.

Ansonsten wird bei den Stücken aber meist alles in die Waagschale geworfen, was zur Verfügung steht und gut ist; kurzes Anhören sollte da zu Überzeugungszwecken genügen.

Das ganze ergibt aber keine beliebige Mischung oder eine Art „Sampler der Worldmusic“, sondern eine völlig eigenständige und abwechslungsreiche Musik mit vielen Background Vocals, schnellen Rhythmuswechseln und fast zu kurz geratenen Flamencoeinlagen Unbedingt reinhören!

P.S.: Ihr Debütalbum haben Peyoti am 27. März in Deutschland veröffentlicht, und damit noch vor Großbritannien, dort erscheint die Platte erst am 4. Mai. Peyoti for President begründen diesen Schritt damit, dass Kontinentaleuropa ihrer Ansicht nach offener für neue Musik ist. Daher starten sie ihre Tournee in Deutschland schon Anfang April!