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Die Box




24. November 2008
Wolfgang Buchholz
für satt.org

Sechs Punkte für Joan und die Preußen

Joan As Police Woman live in Münster, Gleis 22 (14.11.08)

 

Es herrscht gute Stimmung in Münster heute Abend. 5:1 haben die Preußen gewonnen, erzählt mir der Booker vom Gleis 22. Aber etwas voller könnte der Laden schon sein, meint er - na ja, aber zwei ausverkaufte Johnossi-Konzerte in diesem Monat waren ja schon mal nicht schlecht. Die Sängerin und Multiinstrumentalistin Joan Wasser ist im Moment mit zwei Begleitern als Trio Joan As Police Woman recht angesagt und heute bei einem ihrer wenigen Deutschland-Gigs zu Gast im Gleis 22 in Münster.

Joan ist eine ausgebildete Violinistin mit einer beeindruckenden Referenzliste an Kollaborateuren von Jeff Buckley, dessen letzte Freundin sie war, über Lou Reed, Nick Cave, Antony & the Johnsons bis zu Rufus Wainwright. Sie hat zwei beachtenswerte Alben veröffentlicht, deren Musik als eine Melange aus Singersongwritertum, Soul und Indie zu charakterisieren ist, zeitlose und durchaus nicht gewöhnlich.

Nach dem gefälligen Supportact Gregor McEwan geht es kurz nach zehn los. Traurige Pianoballaden stehen am Anfang, sparsam instrumentiert, dargeboten mit ausdrucksstarkem Gesang. Cat Power fällt einem ein, wobei Joan lange nicht so fragil wirkt wie Miss Marshall. Die schnatternden jungen Damen in der ersten Reihe werden bestimmt, aber freundlich zurechtgewiesen, ohne dass die intensive Stimmung auf der Bühne darunter leidet. Solche Situationen eskalieren bei sensiblen Künstlern ja auch gerne einmal... Trotz aller Melancholie in den Liedern prägt eine optimistische Grundstimmung die Szenerie. Joan wechselt häufiger zwischen Piano und Gitarre, auf der auch einige Uptempo-Nummern gespielt werden. Man erfährt, dass die Künstlerin vor siebzehn Jahren schon einmal mit ihrer damaligen Band „These Bastard Souls“ in Münster weilte und einschlägige Bekanntschaft mit westfälischem Korn gemacht hat. Dem widmet sie dann auch neben Barack Obama, Elliot Smith und der Köchin vom Gleis 22 jeweils einen Song. Das musikalische Niveau ist beachtlich, so dass es nicht weiter stört, dass sie einen Song abbrechen muss - souverän meistert sie die Situation. Sehr angenehm ist die Vielfalt der Musik, leise Klavierpassagen wechseln mit krachigeren Gitarrenparts, im Mittelpunkt immer die sehr wandlungsfähige Stimme von Joan Wasser. Langeweile kommt bei dem knapp zweistündigen Konzert nie auf. Auch die beiden Mitmusiker sind gesanglich voll auf der Höhe: Problemlos übernimmt der Bassist bei „To America“ den Gesangspart von Rufus Wainwright, der auf der Platte zu hören ist. Bezüglich des Bühnenoutfits (glitzerndes Minikleid und ebensolche Stiefel, dick gefüttert, quasi spitze Moonboots mit hohem Absatz) lässt sich allerdings durchaus die Geschmacksfrage stellen, was wir aber nicht tun wollen.

Kurz vor zwölf ist Schluss. ,Ein sehr gutes Preisleistungsverhältnis heute Abend’, denkt der Konzertbesucher genauso wie der Preußen-Anhänger. Drei weitere Punkte werden auch im Gleis 22 souverän eingespielt.



» www.joanaspolicewoman.com
» myspace.com/joanaspolicewoman