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Ebba: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich überhaupt begreife, was „verkopft“ bedeutet. Die Texte entstehen und sind zu einem Großteil sehr assoziativ, manchmal auch recht quatschig, dann wieder fast muffelig oder sehr nachdenklich, was naturgemäß etwas mit dem Kopf zu tun hat. Sie sind aber auch, denke ich, offen genug gehalten, dass der Interpretationsraum sehr groß ist. Wir beide interpretieren einzelne Texte nicht selten völlig unterschiedlich. Ich interpretiere eigene Texte Monate später vielleicht völlig anders als zum Entstehungszeitpunkt. Wenn „verkopft“ bedeutet, das kaum Bewusste wie zum Beispiel einfach ein ambivalentes Gefühl, für uns eigentlich nicht in Worte zu Fassende (andere tun sich da vielleicht leichter), schwer Vermittelbare einzufangen zu versuchen (und eben nicht die ganz konkrete gegenständliche Alltagssituation, wobei ja auch eben genannte Gefühle „alltäglich“ sind), dann sind wir sicherlich verkopft. Aber das ist eben das, was uns momentan beschäftigt und interessiert. Und ja, die Auseinandersetzung damit könnte bei „Problem des dezidierten Geschmacks“ unter anderem eine Rolle spielen. Aber auch der Gedanke scheint mir zum Beispiel erst jetzt ganz logisch, wo uns diese Frage gestellt wird. Jakobus: Genau. satt.org: Die Texte spielen eine besondere Rolle im JKJ-Werk - könntet Ihr Euch vorstellen, ein Buch zu schreiben, also aufs Musikmachen (zumindest zeitweise) zu verzichten? Literatur von Musikern ist ja derzeit sehr präsent. Gibt es bald ein JKJ-Buch? Ebba: Nach unserem Gefühl spielt immer und seit jeher die Musik die größere Rolle. Sie ist vor allem anderen da und sie ist das, was uns am leichtesten fällt. Darauf zu verzichten, würde vermutlich zu Darmkrebs oder Ähnlichem führen. Aber es stimmt, gerade ich bin ziemlich wortfixiert. Habe aber viel zu viel Respekt vor der langen Form, als dass ich dem überfüllten Buchmarkt ein weiteres mittelmäßiges Werk hinzufügen wollte. Da müsste die innere Notwendigkeit schon sehr dringlich und die Überzeugung von der Relevanz oder auch einfach dem Unterhaltungswert des Verschriftlichten schon übergroß sein. Man will ja, wie bereits erwähnt, niemanden langweilen. Jakobus: Nein, um Gottes willen, nicht langweilen! satt.org: Legt Ihr mit Euren Texten Spuren (zu Büchern, zu anderen Künstlern)? Ebba: Wir? Manchmal ja, manchmal nein. Aber immer legen die Texte selbst Spuren, auch wenn diese von uns nicht intendiert waren. Nichts entsteht in einem Vakuum. Und nichts existiert in einem Vakuum. satt.org: Thomas Meinecke hat mal gesagt (zum Thema Interviewtwerden), dass man als Künstler in gewisser Weise "zur Auskunft verpflichtet" sei. Seht Ihr das auch so? Oder überlasst Ihr das Interpretieren, Spekulieren und Erklären den Hörern? Ebba: „zur Auskunft verpflichtet“ hört sich ja noch recht grob an. Heißt das „zur Kommunikation verpflichtet“ oder „zur Interpretation verpflichtet“? Ich verstehe schon, wenn ein Künstler meint, von dem Recht auf Rückzug hinter sein Werk Gebrauch machen zu dürfen, weil ich eben ganz fest an die Autonomität des Kunstwerkes (so mal ganz allgemein) glaube. Und dass das Werk eine ganz eigene Sprache hat, die ja eben auch bleibt, wenn der Künstler gar nicht mehr in der Lage ist, Auskunft zu geben. Meine Interpretation eines Stückes wie „Die Seilschaft der Verflixten“ ist halt nur meine, die sich der Gesamtheit meiner Erfahrungen, Gefühle, Lektüren und wem nicht alles verdankt. Aber sicher ist sie nicht die einzig mögliche. Und sobald ein Stück Text und Musik aus der Hand gegeben wird, verändert es sich ja ständig, wird angereichert mit anderen Erfahrungen, Gefühlen und so weiter. Das ist ja auch das Spannende daran. Da könnte man natürlich auch mit Fug und Recht sagen: Mir doch wurscht, was sich der Künstler da gedacht hat. Das gilt alles selbstredend nur, solange man nicht Dinge wie „Heil dem deutschen Vaterland“ von sich gibt. Das sollte man dann vermutlich schon erklären. satt.org: Wer ist die Seilschaft der Verflixten, wer gehört dazu? Ebba: Das wird ja im Stück gesagt: Artisten (eigentlich sollte es „Autisten“ heißen), Anarchisten, Solisten und – nicht zu vergessen – die lang verschollenen Pantheisten, die unter allen Umständen wiederbelebt werden sollten. Von Dämonen aller Art Besessene, alle, denen schon das morgendliche Aufstehen, geschweige denn der Gang zum Bäcker, schwer fällt. Alle, die tagtäglich in Kommunikationsfallen tappen, alle, für die die Hälfte ihres Lebens dafür drauf geht, sich vor anderen dafür rechtfertigen zu müssen, dass sie sind, wie sie sind. Also eigentlich fast jeder. Jakobus: Besser hätte ich das auch nicht sagen können. satt.org: Spielt Ihr gerne live oder arbeitet Ihr lieber "ungestört"? Ebba: „Ungestört“ hört sich eigentlich gut an. Wenn das Livespielen nicht so viel Herumgeschleppe, Herumgewarte und das Problem der soundmäßigen Unwägbarkeiten mit sich führen würde, würden wir vermutlich ganz gern live spielen. Aber wir sind sicherlich eher eine Studio- als eine Liveband. Trotzdem: Ein gut gelingendes Konzert mit einem feinen Publikum kann nichts ersetzen. Jakobus: Manchmal geht der Koch gern essen. satt.org: Der Titel des letzten Songs: wie oft wurde Euch diese Frage schon gestellt? Und was antwortet Ihr darauf? (Das Stück heißt „Kann man denn davon leben?“) Ebba: Auf jeden Fall haben wir die Frage einige Male zu oft gehört. Und die Antwort darauf ist meist Sprachlosigkeit und ein entsetzter, hilfloser, mitunter auch angewiderter Blick, je nachdem, wer der Fragesteller ist. Eng verwandt mit dieser Frage ist auch die Aussage „Das ist aber ja ein schönes Hobby“. Scheußlich. Jakobus: Meine Gegenfrage lautet: „Sehe ich so tot aus?“ satt.org: Für welchen Künstler (tot oder lebendig) würdet Ihr gern mal einen Song schreiben? Ebba: Wüsst ich nicht. Für einen tollen Musiker sicher nicht, der/die kann (oder konnte) dann ja selbst für sich am besten schreiben. Ne, wüsst ich keinen. Jakobus: Wenn ich wüsste, was ich morgen essen möchte, würde ich heute schon einkaufen gehen. satt.org: Was und warum forscht JKJ über Rufus Wainwright? Was macht ihn für Euch so interessant? Ebba: Oh, stand das so noch auf unserer verwaisten JKJ-Webseite? Die Verlinkung dürfte bereits so vier/fünf Jahre alt sein. Forschung ist sicherlich zuviel gesagt. Als Rufus Wainwrights erste Platte vor zehn Jahren rauskam, war das für mich tatsächlich eine kleine Offenbarung. Die Art des Songschreibens, die Klavierfixiertheit und der Umgang mit der klassischen Musik, dieser übergeordnete Begriff von Pop, egal ob es sich um Rachmaninov oder Prefab Sprout handelt – das alles war mir extrem vertraut. Inzwischen leben mir seine Stücke deutlich zu sehr vom Arrangement und könnten sich nach meinem Geschmack in „entkernter“ Version oftmals nicht selbst tragen. Ganz zu schweigen von einem latenten Angeödetsein der penetranten, Kleinkunst-manierlichen und möchtegernprovokativen Zurschaustellung seiner sexuellen Ausrichtung. Irgendwann wird’s ja doch langweilig. Viel Schönes macht er trotzdem noch. Und „I don’t know what it is“ von der Want One ist ja eh das Schönste überhaupt. satt.org: Warum ist buback das ideale Label (für Euch)? Ebba: Abgesehen davon, dass es einfach ungemein feine Menschen mit gutem Geschmack sind, haben Buback ein genuines, gänzlich „unverkopftes“ Verständnis und Interesse für das und an dem, was wir sind und tun, und stehen hundertprozentig und sehr passioniert hinter uns. Die Atmosphäre des Aufgehobenseins, die das schafft, ist enorm wichtig für Musiker wie uns. Jakobus: Enorm feine Menschen sind das! satt.org: Wird es - wie auch schon zur WM vor zwei Jahren – einen JKJ-EM-Song geben? Ebba: Nein, wird es nicht. Die Idee dazu kam damals von unserem Verlag, der nach einem Stück für jenen Sampler suchte, das Fußballthematik, elektronische Umsetzung und portugiesisches Sprachwissen miteinander vereinte. Was die beiden letzten Punkte betrifft, bereitete uns das keinerlei Mühe, und das mir und Jakobus abgehende Fußballinteresse konnte durch Marco ausgeglichen werden. Die Bezahlung war sehr gut, es brachte Spaß und war – ein großer Vorteil - innerhalb von einem Tag im Kasten. » www.jakoenigja.de |
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