Anzeige:
Die Box




April 2008
Claudia Seib
für satt.org

Robert Forster: The Evangelist

Robert Forster:
The Evangelist
(Tuition)

„Let your light in, Grant“

„The Evangelist“ – das hört sich nach einem Meilenstein an. Nicht dass Robert Forster sowas nicht könnte. Vielleicht war nach dem tragischen Verlust von Freund und Musikerkollegen Grant McLennan ein bisschen Pathos nötig, um die heftigen Gefühle zu kanalisieren. Denn die Songs auf „The Evangelist“ besitzen auch eine gewisse Leere, die sich einstellt, wenn der Tod ein großes Loch ins eigene Leben gerissen hat. Immer wieder denke ich an dunkle Kaschemmen, in denen ich sitze, während Robert Forster vorne auf der Bühne sitzt und seine traurigen Lieder spielt. Gleichzeitig sind die Songs sehr rein und klar, die Stimmung ist aufgeräumt. Das geschieht dann, wenn man trauert und die Trauer und den Verlust akzeptiert hat, wenn – Vorsicht Pathos - der Geist des anderen in einem weiterlebt. Und McLennan taucht immer wieder in „The Evangelist“ auf. Punktuell. Natürlich ist es ein Robert Forster-Album und das merkt man auch. Laut Selbstauskunft war Forster nicht sicher, ob er nach dem Tode Grant McLennans jemals wieder eine Platte aufnehmen würde. Zu einschneidend ist der Verlust des Freundes, mit dem er fast 30 Jahre gemeinsam Musik gemacht hat. Die Zeit der Go-Betweens ist in jedem Fall vorbei.

Es ist, als ob Forster eine Grabrede auf McLennan hält, indem er dessen letzte Songs vertont und selbst singt, gleichwohl man immer wieder meint, McLennans weichere Stimme zu hören. Wie einen Geist aus dem Jenseits - so typisch ist der Sound, so symbiotisch waren Forster/McLennan manchmal. Das Album ist gut, es ist sogar sehr gut. Es ist auf gewisse Weise reif, auch wenn das eine denkbar scheußliche Vokabel für Musik ist.

„The Evangelist“ ist eine Platte fürs Älterwerden oder Altsein. „Let your light in, babe“ oder „It ain't easy“, die McLennan noch mitgeschrieben hat, sind tendenziell fröhlich, also eher McLennan-typisch, dennoch beschleicht mich eine unbestimmte Traurigkeit. Bei der Orgel von „Don't touch anything“ muss ich sofort an Troubadour Nikki Sudden und seine Jacobites denken. Schon wieder einer von den guten Toten. Wie soll man da nicht traurig werden? Aber vielleicht ist das auch nur mein eigener Film.