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Die Box




Dezember 2007
Thomas Backs
für satt.org

Dog Man Star 2007: live, clean und mit Cello
Brett Anderson live in Dortmund, 12. Dezember 2007

Es gab Zeiten, in denen Brett Anderson oft und gerne erzählte, „Dog Man Star“ (1994) sei das schlechteste Suede-Album gewesen. Wohl wissend, dass er mit seinem kongenialen Partner Bernard Butler ein Meisterwerk der jüngeren Popgeschichte geschaffen hatte. Die Folgen waren allerdings auch desaströs: Butler verließ Suede nach den Aufnahmen im Streit, der Rest tourte für die Platte mit dem jungen Richard Oakes (der ein Glücksfall war) um den Globus, mit jeder Menge Drogen und schlechten Vibrations im Gepäck. 2007 sieht die Welt anders aus. So wie am 12.12. im Konzerthaus Dortmund. Brett Anderson gastierte im prunkvollen Neubau mit Akustik-Gitarre, Piano und einer begnadeten Cellistin. Es war ein wunderbarer Abend, nicht zuletzt weil er gleich fünf Songs von eben jenem Meisterwerk spielte. Nämlich „The Power“, „The Asphalt World“, „The Two of Us“, „Still life“ und die Single „The Wild Ones“.

Brett Anderson

Warum er oder irgendwer sonst sich zwischen den Gigs in Italien und Spanien ausgerechnet Dortmund für das einzige Deutschland-Konzert dieser Winter-Tour ausgesucht hatte, ist verwunderlich. Die selbst ernannte „Westfalen-Metropole“ zeigte einmal mehr, warum sie auf der Landkarte der Rock- und Popmusik-Freunde nur Provinz ist. Mindestens 300 Sitze im Konzerthaus blieben leer. Wenn statt Brett zum Beispiel Die Flippers ein Weihnachtskonzert gegeben hätten, wäre der Laden wohl aus allen Nähten geplatzt. Egal: Die Menschen, die gekommen waren, erlebten einen wunderbaren Abend und traten den Heimweg mit einem Lächeln im Gesicht an. Brett Anderson schenkte ihnen ein Konzert mit 21 Songs aus seinem aktuellen Solo-Album und aus seiner nun bereits 15 Jahre langen Karriere. Ohne großes Aufsehen betrat das einstige Sex-Symbol die Bühne und startete unter dem Jubel der Fans den Abend mit „Love is dead“, der ersten Single seines Solo-Albums. Mit dem Publikum sprach Brett zunächst kaum, er ließ seine Songs sprechen. Erst nach dem vierten Song gab es ein paar Worte, sogar auf Deutsch. „Alles klar?“, fragte der Meister, um dann unter noch größerem Jubel mit „Everything will flow“ den ersten Suede-Klassiker zum Besten zu geben. Vor dem Wechsel ans Piano folgte mit „Saturday Night“ ein weiterer Höhepunkt. Der erste Song vom Klavier war dann eine Überraschung. „Different Place“, ein neuer, bisher unveröffentlichter Song. Mit „By the sea“, „The Power“ und „The Asphalt World“ folgten drei weitere Suede-Songs.

Setlist:
Love is dead
Song for my father
Scorpio Rising
Clowns
Everything will flow
Saturday Night
Different Place
By the Sea
The Power
The Asphalt World
Europe is our Playground
To the Winter
Back to you
Down
He s gone
The Two of Us
Pantomime Horse
Still Life
The Wild Ones
So young
Trash

Danach wurde Publikum und Anderson eine 15-minütige Pause gegönnt, ehe er die alte B-Seite “Europe is our playground” der treuen mitgereisten Fan-Gemeinde aus England widmete, die natürlich die besten Plätze im Konzerthaus hatte und vor dem Konzert den Dortmunder Weihnachtsmarkt erleben durfte. Nach insgesamt 90 Minuten endete dieser wunderbare Abend mit dem traditionellen Rausschmeißer „The Wild Ones“, doch die Fangemeinde ließ den Meister so nicht gehen. Eilig wurden die Sitzplätze verlassen, vor der Bühne versammelte sich die „New Generation“ und machte einen Riesenlärm, ehe Brett noch einmal auf die Bühne kam, um sie zu belohnen. Mit „So young“ und „Trash“, zwei seiner besten Songs. Zum Abschied gab es von den Fans Schokolade für Brett und ein breites Grinsen von Brett selbst. Brett Anderson 2007: Der große Meister ist wieder da, er war nie ganz weg und wird noch lange bleiben.

Nach dem Gig diskutierten die Fans im Forum seiner offiziellen Website über das Konzert. Einer träumte von einem „Dog Man Star II“, aufgenommen mit einem klassischen Streichorchester. Ein schöner Gedanke. Ein wunderschöner Gedanke.



» www.brettanderson.co.uk