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Die Box




März 2007
Robert Mießner
für satt.org

Happy Birthday, Mark E. Smith!
You’re 50 years young!

Eigentlich sollten zwei Sätze reichen. Mark E. Smith feiert heute seinen 50. Geburtstag. Den Abend wird er auf der Bühne verbringen, in Bilston, alter Kohle- und Stahlstadt. Das war dann auch schon die Vorrede. satt.org gratuliert, in der Reihenfolge des Eintreffens, dem Sänger, Schreiber und stolzen Sohn Manchesters.


Lieber Mark Edward,

Mark Jamieson, Cricklewood 2006
Mark Jamieson, Cricklewood 2006

jetzt wirst Du also schon 50, ob Dich das interessiert? Ich glaube nicht, dass Du einen Geburtstagsgruß von Deinen Fans erwartest. Ich, als Dein weiblicher Fan erster Stunde, habe noch an die wahre Liebe geglaubt, als Du Brix Smith ehelichtest. Brix und Du, ein kreatives Traumpaar! Aber was geschah dann? So, wie Du Deine restlichen Bandmitglieder entsorgt hast, so tatest Du es auch mit Deinen Frauen. Nachdem Brix gefeuert wurde, heiratest Du Safron Pryor, die Vorsitzende Deines eigenen Fanclubs. Du hattest auch immer ein sehr intimes Verhältnis zu Deinen Keyboarderinnen: Una Baines, Julia Nagle und Kay Carroll. Auch Deine jetzige Frau, Eleni Poulou, hat als Keyboarderin bei THE FALL angefangen. Ob Ihr wohl Deinen Geburtstag zusammen feiern werdet? Ich werde mit Euch den Release des neuen Albums feiern, happy new release, Mark!

Silvana Battisti
Woog Riots
Darmstadt


Lieber Mark E.,

die These in Silvanas Geburtstagsgruß lautet dann wohl, dass Du THE FALL wegen der Kontakte zum weiblichen Geschlecht gegründet hast. Da wollte sie Dich wohl, ganz MES-Style, ein bisschen ärgern. Eigentlich muss man im Jahr 2007 rückblickend feststellen, dass THE FALL von Dir als das (!) große Konzeptkunst-Projekt des 20. und 21. Jahrhunderts erschaffen wurde: Eine Band, in der außer dem Texter und Sänger die Mitglieder (weiblich wie männlich) ständig ausgetauscht werden, so dass von personeller und künstlerischer Kontinuität eigentlich keine Rede sein kann. Und doch klingen THE FALL seit dem ersten Album Live at the Witch Trials von 1979 bis heute immer unverkennbar nach THE FALL. Im Jahr 2007 wurde dieser konzeptionelle Ansatz nun auf die Spitze getrieben: Für das neue Album Reformation Post-TLC! besteht die angeblich doch so urenglische Band THE FALL außer Dir und Eleni nur noch aus Amerikanern. Und jetzt? Stehen die ganzen Britpopdeppen mit ihrem übertriebenen Nationalbezug ganz schön blöd da. Danke und leg’ Dir mal wieder die Monks zum Geburtstag auf.

Marc Herbert
Woog Riots
Darmstadt


Mike Battman, Manchester 1982
Mike Battman, Manchester 1982

Lieber M. E.,

Marcs Brief legt jetzt natürlich nahe, dass einzig Du THE FALL bist, da Du ja die einzige Konstante in der Bandgeschichte darstellst. Und an Deinem Bonmot, dass es sich selbst dann um THE FALL handelte, wenn Du und Deine Großmutter, die lediglich ein Perkussionsinstrument bedient, auf der Bühne stünden, ist sicher auch was dran. Aber denk’ doch bitte an Deinem Ehrentag auch ein bisschen an all die großartigen Musiker, die Dir geholfen haben, Euren unglaublich individuellen Sound zu gestalten. Was wären Eure frühen Singles wie How I wrote ‘Elastic Man’ oder Fiery Jack ohne den anderen Marc (Riley), wie hätte wohl mein Lieblingsalbum Perverted by Language ohne das Fundament der Hanley-Brüder geklungen, wie Eure poppige Phase mit C.R.E.E.P. und Hit the North ohne Brix und Craig? Hör’ Dir die alten Platten in einer stillen Stunde mal an, schau in der Geburtstagspost nach, ob sich ein Gruß des einen oder anderen von Dir verschmähten, verprügelten oder mit brennenden Zigaretten beworfenen Ex-Members darin findet. Und schreib Ihnen mal ’ne Weihnachtskarte, Du alter Stoffel!

Mathias Hill
Rockformation Diskokugel
(spielt auch Bass bei den Woog Riots)

Silvana, Marc und Mathias fassten 2003 den Entschluss, einen Fall-Tribute Sampler zusammenzustellen. Die Doppel-CD Perverted by Mark E. – A tribute to THE FALL (ZickZack) veröffentlichten sie gemeinsam mit Alfred Hilsberg in 2004.



How I Wrote ‘Lie Dream of The Classical Prole Art Hip Priest’

Weil ich so spät angefangen habe, mich systematisch mit Mark E. Smith zu befassen, werde ich wohl keinen Überblick über sein heute schon so umfangreiches Werk zu haben, bevor ich so alt bin wie er jetzt. (Das wäre also erst in etwa 16 Jahren.) Über die musikalischen Meriten von Smith und THE FALL werde ich daher nichts wiederholen, was andere besser sagen. Was mich an Mark E. Smith vor allem fasziniert, ist seine ganz besondere Art, mit Sprache in der Musik umzugehen. Als Songtexter ist er vielleicht das Missing Link zwischen zwei grundlegend verschiedenen Arten, Texte zu Popmusik zu schreiben. Der vollkommen unprätentiöse, sloganhafte Knaller (Industrial Estate) steht ihm ebenso zu Gebote, wie das bilderschwangere, an die Lyrik grenzende Mini-Epos (Lie Dream of a Casino Soul). Er ist die perfekte Synthese aus den Ramones und Bob Dylan.

So viel zum Schreiben. Besonders interessant finde ich aber die Art, wie er beim Singen die Sprache über die Musik verteilt. Meistens hat man den Eindruck, er zwinge die Worte nur widerwillig in eine singbare Form oder artikuliere sich überhaupt nur widerwillig. Bisweilen reduziert sein Genuschel die Texte sogar auf eine mehr geräuschhafte als semantische Komponente der Musik – ein Knarzen, das das musikalische Ganze auf kunstvolle Weise eher bekämpft als benutzt, eher stört als abrundet. Die Stimme, die in der Popmusik üblicherweise das Identifikationsangebot für den Hörer darstellt und den Einklang von Subjekt und Umwelt suggeriert, vermittelt im Fall von Mark E. Smith vielmehr den Eindruck, dass sich hier ein Subjekt mit der Welt mitnichten eins fühlt – sogar mit der von ihm selbst geschaffenen Welt.

In Smiths so vielseitigem Werk ist dieses Unbehagen die alles verbindende Konstante. Man kann dies als permanenten Kommentar des Künstlers zu seiner Arbeit deuten. (Dass Smith seinen immensen Output stets stark reflektiert hat, kann man auch daran festmachen, dass er einen der ganz wenigen poetologischen Songtexte der Popgeschichte geschrieben hat, How I wrote ‘Elastic Man’.) Wenn THE FALL, aus dem Punkrock kommend und ihn künstlerisch von Anfang an durch musikalische Experimentierfreude transzendierend, entscheidend an der Schaffung einer neuen (sub)kulturellen Sphäre beteiligt waren, so bedeutet uns Mark E. Smiths akzentuiertes Unbehagen auch in dieser seiner "eigenen" Sphäre nichts weniger als: Es gibt keine Garantie auf ein richtiges Leben im falschen, in der Subkultur genauso wenig wie in der restlichen Kultur. Ein subkultureller Gegenentwurf, der aufhört, sich infrage zu stellen, macht sich zum Komplizen des schlechten Bestehenden. Dass Mark E. Smith diese Verweigerung des Einverständnisses in fünf Jahrzehnten seines Lebens und über drei Dekaden künstlerischer Tätigkeit glaubwürdig aufrechterhalten konnte, ist eine Leistung, die ihresgleichen sucht. Im Popsektor schafft man das sonst nur durch vorzeitiges Ableben.

Gerald Fiebig
Autor und Musiker
Augsburg


Für Mark E. Smith !

Zu seinem 50. Geburtstag !!!


Mein erstes, und wenn ich mich recht entsinne, einziges Treffen mit Mark liegt schon lange zurück. Es muss 1979 oder 1980 gewesen sein, in und an den Rhein-Terrassen in Bonn. Mit einem ziemlich neuen Auto bin dorthin gefahren und hatte auf einer Wiese geparkt. Klack, Autotür zu, Schlüssel stecken lassen. Mein erster Gedanke war, dass bei den ganzen Punks, die hier auf dem Konzert sind, doch wohl einer dabei ist, der Autos knacken kann. Aber, wie finde ich genau den?

Michael Pollard, Prestwich, Salford 1984
Michael Pollard , Prestwich, Salford 1984
Zum Glück kannte ich den Veranstalter, Alfredo Hilsbergowitsch, und trug ihm meine Misere vor. Leider kannte auch er keine Autoknacker, hatte aber die Idee, mal Backstage bei THE FALL nachzufragen. Dort stellte er der Band mich und die Situation vor, woraufhin einer von den FALL sofort meinte, Mark könne das Problem lösen. Er hätte von jedem Automodell einen Schlüssel und bekomme alle Autos damit auf. Ich dachte erst, das sei ein Joke, aber dann kam Mark auf mich zu, meinte nur "no problem, - where's your car ?", und schon gingen wir auf die Wiese. Er holte tatsächlich einen Schlüsselbund mit circa 20 verschiedenen Schlüsseln aus der Tasche, "you should not worry!"

Ich sagte ihm, dass mein Wagen ein neuer Mitsubishi Colt sei, und befürchtete, dass er dazu keinen Schlüssel hätte. Hatte er auch nicht. So probierten wir alle anderen. Nichts passte. Da gingen wir wieder zurück, und das Konzert begann. Ich stand in der ersten Reihe, und vor mir lag auf der Bühne mein Kassettenrekorder, mit dem ich das Konzert aufnahm. Das Tape habe ich heute noch. Mark, falls Du es haben möchtest, schenke ich es Dir gerne, especially for your 50th birthday, alter Rabauke!

It was a great evening and later on I had even the pleasure to break a window.

All the best - your fan - Harry Rag

Harry Rag
(Peter Braatz,
Gitarrist und Sänger bei S.Y.P.H., Regisseur)


Hit the North war das erste Stück, das ich von THE FALL hörte - man schrieb das Jahr 1987, und Great Britain stand der zweite Summer of Love bevor. Rave war im Anmarsch, Acid House, Neonfarben und Smilies überall. Mark E. Smith mit diesen Elementen zu verbinden, fällt schwer. Und doch ordnete ich damals THE FALL irrtümlicherweise als Rave-Band ein.

Hätte MES das mitbekommen, wahrscheinlich hätte er mir den Kopf abgerissen. Oder sich zumindest angeekelt ab- und seiner Pint zugewandt. Seit 1987 habe ich dann doch noch ein paar andere Fall-Songs gehört und finde, dass niemand diese Band besser charakterisiert hat als John Peel. "Always different, always the same" sagte er über THE FALL und genau das wünsche ich Mark E. Smith zum Geburtstag: dass es noch mindestens 100 Jahre immer anders und immer gleich weitergehen möge.

Christina Mohr
Musikredaktion satt.org


P.M. Doutreligne, London 1994
P.M. Doutreligne, London 1994

Mark E. Smith, Elena Poulou, ein Dokumentarfilm und Tribute-Album über die MONKS, eine 60er Jahre Konzeptband, die laut Herrn Smith sogar besser sind als THE FALL.

Graham Lewis (Wire; jetzt 27#11) erzählte mir kürzlich in Malmö, dass der Humor in Manchester daraus besteht, "Fuck you" zu sagen und sich dann wieder dem Bier zuzuwenden. Vielleicht hat er Recht. Ich weiß nicht so viel über die Geschichte von THE FALL, nur dass mir fast immer ihre Platten und Konzerte gefielen. Als Lucia und ich 1997 das erste Mal den MONKS-Bassisten Eddie Shaw in Carson City (Nevada) besuchten, sprachen wir auch über THE FALL und deren Coverversionen von MONKS-Stücken auf Extricate und Middle Class Revolt. Eddie ließ sich zu der Bemerkung hinreißen, dass eine moderne Version der MONKS so wie THE FALL klingen müssten. Dies muss Lucia und mir irgendwie im Gedächtnis geblieben sein.

Es sollte acht weitere Jahre dauern, bevor wir selbst in den Genuss einer Zusammenarbeit mit Mark E. Smith und Elena Poulou kamen. In 2004/5 war unser Dokumentarfilm über die MONKS wieder einmal ins Stocken geraten, weil wir uns einer Kostenlawine ausgesetzt sahen, die durch den Ankauf von Archivmaterial und Musikrechten ausgelöst wurde. Die Frage war, wie endfinanzieren wir einen fast fertigen Film? Verleihfirmen liebten den Film, hielten ihn aber aufgrund des angeblichen Unbekanntheitsgrades der MONKS für nicht vermarktbar. Wir überlegten, was man tun könnte. Dann fielen uns all die bekannten Musiker ein, die wir im Laufe des Projekts interviewt hatten. Es gab ja kaum jemanden, der nicht von der Schönheit der MONKS-Musik begeistert war. Vielleicht wäre es möglich, eine Art von Tribute-Platte zu machen. Über einen Freund lernten wir den wunderbaren Doc Schoko kennen. Der wiederum stand in Kontakt mit Elena Poulou und Mark E. Smith. Wir fragten also, ob er uns behilflich sein könnte, denn wir würden Mark gerne bezüglich der MONKS befragen. Und so kam es, dass, nach einigen Vorgesprächen mit Elena, Mark bei uns anrief, um ein kleines Telefoninterview mit uns zu machen. Dieses wollten wir dann in Auszügen auf unserer Homepage veröffentlichen. Wir sprachen circa 20 Minuten mit Mark. Er war sehr freundlich und gab detailliert Auskunft. Am Ende des Interviews fragte ich ihn, ob wir eines seiner MONKS-Coverstücke auf dem Tribute-Album veröffentlichen dürften. Mark schlug sofort vor, lieber ein neues Stück aufnehmen zu wollen. Welches, fragte ich ihn. Er schlug Higgle-Dy-Piggle-Dy vor. Wir verabschiedeten uns höflich voneinander und hängten die Hörer auf.

Zwei Wochen später lag in unserem Briefkasten ein Aufnahmeband mit zwei mitreißenden Versionen von Higgle-Dy-Piggle-Dy. Lucia und ich waren überglücklich und spielten sie rauf und runter. Wir hatten das erste Stück für unser Tribute-Album Silver Monk Time. Das war im September 2005. Es sollte ein weiteres Jahr vergehen, bevor die Platte erscheinen sollte. Im Oktober 2006 stellten wir mit Freunden eine kleine Tour für die MONKS zusammen. London, Zürich und als Höhepunkt der Auftritt in der Berliner Volksbühne, wo auch offiziell Silver Monk Time vorgestellt werden sollte. Es lag also nahe, einige auf dem Tribute-Album vertretene Künstler als Gastmusiker einzuladen. Neben den Raincoats, Schorsch Kamerun und Peter Hein versprach auch Mark E. Smith seine Teilnahme. Backstage begrüßte Mark alle anderen beteiligten Musiker, MONKS inklusive, wie ein Gentleman. Augenzeugen berichteten allerdings, dass später Lenhard Curiel (MONKS-Drummer) den guten Mark Huckepack nehmen musste. Warum? Wir wissen es nicht.

Nichtsdestotrotz sang Mark E. Smith gemeinsam mit den MONKS vor ausverkauftem Haus Higgle-Dy-Piggle-Dy. Er tanzte mit den MONKS und schien glücklich – so wie der Rest der 800 erschienenen Gäste. Lucia und ich sind Mark und Elena zu großem Dank verpflichtet, denn sie haben uns ohne lange Vorreden und Geschwafel ganz einfach geholfen. Leider reicht das wenige Geld, was wir bisher mit dem Tribute-Album verdient haben, hinten und vorne nicht, um die hohen Summen für Archivmaterial und Musikrechte zu begleichen. Gerne würden wir den Dokumentarfilm als DVD (und als Bonus natürlich auch das Interview mit Mark) veröffentlichen. Auszüge daraus gibt es im Booklet zu Silver Monk Time. Wer eine Idee hat, wie wir unser Unterfangen in die Tat umsetzen könnten, kann sich direkt bei uns melden. Mark und Elena jedenfalls haben ihren Beitrag geleistet. Danke dafür.

Dietmar Post und Lucia Palacios sind Dokumentarfilmer und betreiben seit kurzem auch ein eigenes Platten- und DVD-Label. Infos gibt es unter www.playloud.org.


Kamil Kutra, Los Angeles 2001
Kamil Kutra, Los Angeles 2001
Mark E. Smith,

Sie sind, so darf vermutet werden, leidenschaftlicher Taxinutzer. Wenn Sie das nächste Mal Berlin besuchen – wir sehen dem sehnsüchtig entgegen – und von ihrem Hotel die Nase gestrichen voll haben, lassen Sie sich nach Berlin-Marzahn, Allee der Kosmonauten fahren. Fragen Sie nach VEB Stern-Radio. Ortskundige, zumeist in ihrem Alter, werden ihnen einen Großmarkt weisen. Dort, wo heute METRO Cash & Carry verkauft, was sich verkaufen lässt, wurde er produziert, der Stereokassettenrekorder (kurz SKR) 700. Das obligatorische Jugendweihegeschenk zwischen Ahlbeck und Zwickau, mit 1540 Ostmark ein schwerer Schlag in jede Haushaltskasse und umso mehr behütet. Fast zu schade, um es zu benutzen.

Warum behellige ich Sie damit, warum sollten Sie, eingefleischter Städtebewohner, die Innenstadt verlassen? Am 16. Juli 1988, ein warmer Samstag war es, saß ich abends nach 22.00 Uhr vor der Kiste, graues Design, legte eine Kassette (besserer Qualität) ins Fach und drückte die Taste, auf der da Record stand. Lutz Schramm, ich zögere nicht, ihn den John Peel der DDR zu nennen, spielte am 16. Juli 1988 im Parocktikum die komplette Slates. THE FALL, sie gehörten zu dem, was gemeinhin als sperrig, widerborstig und damit interessant galt, The Frenz Experiment lief auf SFB 2, aber es waren diese 25 Minuten, gehört mit siebenjähriger Verspätung in einem Kinderzimmer, die mich infizierten. Damals hatte ich weder eine Ahnung, was mit Prole Art Threat gemeint sein könnte, noch einen blassen Schimmer, worum es in An older Lover etc. geht. Aber da war diese gefährlich und faszinierend klingende Musik, und ihr Gesang, der auch ohne Textverständnis eine Haltung transportierte. Damit nicht genug, wurde an diesem Abend, glauben Sie es, Leave the Capitol in deutscher Übersetzung verlesen. Und mit ihrer Collage Londons, mit einer Hand auf einer Schulter am Leicester Square, Tischen voller Bierlachen, Hinterzimmern bejahrter Kneipen, mit unisono lächelnden Hotelangestellten, zu sauberen Betten und brutalem Gelächter von nebenan, damit ließ sich was anfangen. In Ostberlin.

Das Band ist nicht mehr. VEB Stern-Radio, wie gesagt, ebenso. Worüber ich mehr trauern sollte, ich weiß es nicht. Sie, Mark E. Smith, sind sich treu geblieben. Leben den Beweis, dass Intelligenz nicht an Klasse, Bildung nicht an Einkommen gebunden sein muss. Andere glauben, Sie fragen. Ob die Traumfabrik sich ihrer Songs bedient, ein Autohersteller seine Werbung mit ihnen schmückt (wir alle müssen Miete zahlen, das wissen Sie besser als viele ihrer Kollegen), ihre Musik bleibt ein Abenteuer. Das Geburtstagsgeschenk haben Sie sich selber gemacht, es Reformation Post-TLC! genannt. Legen Sie sich Can auf, oder die United States Of America. Lesen Sie Wyndham Lewis, trinken Sie ein Bier. Oder auch vier. Gutes Gelingen mit der Autobiografie, viel Spaß mit Von Südenfed. The North will rise again. Once it will turn out right. Norden ist jetzt überall. Herzlichen Glückwunsch und danke, schreibender Arbeiter!

Robert Mießner
Autor satt.org
Berlin


John Peel und Sebastian Cording
John Peel und Sebastian Cording

Mark E. Smith's 50th birthday will not be on the evening news, at least not here in Germany. And yet, of all the people in showbiz today, Mark is by far the most important man. For me. Actually I wonder sometimes whether Mark is in the showbiz or musicbiz at all, or whether he isn't in something entirely different, a higher class of its own.

My first encounter with THE FALL was in 1982 or early 1983 in Tübingen. THE FALL were on the Room To Live tour and playing in a rather small student club called the Zoo. The local record store Rimpo had brought them there, and I was not at all prepared for what I was going to witness.

I had grown up in Hamburg which was (and still is) a great city for live shows. My first concert was The Rolling Stones at the age of 10, and (Punk started when I was 15) I had seen all the great Punk bands like The Damned, The Adverts, The Buzzcocks, The Clash, The Ramones, Siouxsie and the Banshees, Gang of Four etc. I did not expect that there could be anything more exciting than that, but I was wrong.

This FALL concert was entirely different from anything I had seen before, and the difference is best described by a little anecdote. There was a very drunk local Punk repeatedly climbing on the very low stage, and at some point Mark became annoyed and said to the guy in between two songs: "Fuck off, I'm working!" By that time I had already been entirely mesmerized by the music that was completely new to me, and had fallen in love with the sound that was so down to earth, sincere, intense, raw and clearly a work of genius. And it was with the words "I'm working" that I understood the difference to all the other concerts I had been to before: THE FALL didn't PLAY their music like all the others - it wasn't a play or a performance, it was REAL!

I was totally gripped by this experience and felt that this band was far more special for me than any other band before - and music had always been a very important part of my life. The next day I went to Rimpo and bought all THE FALL LPs they had in stock - many of them today collector's items like Grotesque and 77-Early Years-79.

At the time my parent's were (and still are) living in Hamburg (where I also live again since 1990), and when I went home to visit I usually listened to BFBS. One day, many years too late, I discovered John Peel's Music. I was amazed when I heard him play THE FALL and being similarly enthused about them as myself - for a long time it was my impression that I was the only person on this planet to love THE FALL. Just like John I am sure that I have gotten on a lot of people's nerves by playing FALL records to them and including at least two FALL tracks on every of the many compilations I have made. And it is still incomprehensible for me that so few people "get it" - only rarely anyone grasps "the magic of THE FALL" (as Terry Edwards put it). But those who do are brought together by THE FALL in a way that is also totally unique.

When meeting someone who shares my passion for THE FALL the ice is immediately broken. You know from the start that is must be a good and interesting fellow, and over the years I have been fortunate enough to make friends around the globe who love THE FALL - the most famous of them being John Peel (see photo attached). Without THE FALL I would not have met or become friends with Stefan Grell in Hamburg, Hans-Joachim Fuchs in Tübingen, Kathleen Delehant and Simon Joyner in Omaha, Bettina Rubenbauer in Passau, Ziad Nawfal in Beirut, Barbara Manning in California or Erika in Iceland. It is like John Peel says in the liner notes to The Light User Syndrome:

Waleed lives in Baghdad (I hope he still does!). He wants to hear THE FALL. Penelope is a teacher. She lives in Honey Grove, Texas, and heard THE FALL on the BBC World Service. Sebastian works in Hamburg. He's a doctor (actually a lawyer) and roams the internet in search of Fall information (not necessary any longer thanks to the unofficial Fall website - try www.thefall.de) Jeff does the same. He lives in Ipswich and has compiled an authoritative Fall discography. William is my son. He said, "Fall LP's don't really need sleeve notes, Dad." He's right, of course.

We owe a lot to you, Mark. Happy Birthday!

Sebastian

Sebastian Cording
Rechtsanwalt
Hamburg


Happy Birthday, Mark!
This year I will become 60, but I love your music as if I were 20,30,40,50 …
Whenever I listen to it, I feel so thoroughly ALIVE. Thank you for that!

Hans-Joachim Fuchs
Universitätsbibliothek Tübingen


Sehr geehrter Herr Smith -
ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute zum 50. Geburtstag.

Wir kennen uns zwar nicht persönlich, obwohl ich schon circa 4x nach öffentlichen Auftritten ihrerseits neben Ihnen stand, und Sie 2x in der gleichen Imbiss-Stube wie ich dinierten.

Als ich vor ca. 22 Jahren, mit 15 Jahren alt, Ihre Stimme das erste Mal via John Peel hörte - da war es geschehen: die Musikwelt hatte sich verändert. Und das tut sie weiterhin, mit jeder wunderbaren Veröffentlichung!

Carry on twiddling!
All the best & kind regards,

DJ Hollerbusch
Neuss


Happy Birthday, Mark E. Smith!

Have a good one tonight - not only with the fallens.

Creating music for such a long time.
First half is over - the next is for the honour, too.
A bouquet of good ideas, nice company and a bag of great music,
gigs like pearls and a big NO to stagnation.

Why THE FALL? Always exciting, always new, but still the same. Thanks!

Michael Jungbluth
A CC Cologne Centurion


"I think it’s over now – I think it’s ending – I think it’s the beginning."

MES ist 50! Eine runde, stattliche Anzahl von Jahren, die Mark E. Smith somit auf dem Buckel hat. Es wird Ihn nicht weiter interessieren, so wie ihn auch all die anderen Jubiläen nicht interessieren. 30 Jahre THE FALL, mehr als 25 Studioalben, das alles ist nicht wichtig, was zählt ist der Blick nach vorn. REFORMATION! Wenn THE FALL heute, am Abend seines Geburtstags, auftreten, dann wird es kein rührseliges Geburtstagsfest geben, sondern FALL SOUND ohne wenn und aber.

Danke!

Frank Oesterreich
Papa und Musikliebhaber
Schwäbisch Hall


"Is there anybody there? Yeah!" Abgesehen von einigen Radioeinsätzen der Rowche Rumble-Single, war dies mein erster akustischer Eindruck von THE FALL, als ich mir Anfang 1980 das zweite Album Dragnet zulegte (übrigens gemeinsam mit Unknown Pleasures von Joy Division).

Diese einleitenden Worte könnte man auch als eine Art Motto dieser Gruppe (Bezeichnung als "Band" ausdrücklich unerwünscht) betrachten. Der breiten Öffentlichkeit bedeutet der Name wenig bis überhaupt nichts. Bei der Erwähnung von The Fall lautet die häufigste Reaktion entweder "The wer?" oder seit kurzem "Ach ja, von Fall Out Boy habe ich schon mal gehört". Trotzdem gibt es weltweit eine zwar kleine, aber enorm treue Anhängerschaft.

THE FALL, das sind seit nunmehr 30 Jahren Mark Edward Smith (von echten Fans nur ehrfürchtig MES genannt) und unzählige, immer wieder wechselnde Musiker. "Always different, always the same", wie John Peel, einer der größten Fans und gleichzeitig Förderer, zu sagen pflegte. Unter anderem verdanken wir MES Erkenntnisse wie "The conventional is now experimental, the experimental is now conventional", "Californians always think of sex or think of death", oder "You won't find anything more ridiculous than this new profile razor unit, made with the highest British attention to the wrong detail".

Seit heute hat MES 50 bewegte, nicht immer unbedingt sonderlich gesund verbrachte Jahre hinter sich. Trotzdem hat er es erst vor einigen Wochen geschafft, eines seiner besten Alben herauszubringen. Dies lässt hoffen, dass noch zahlreiche weitere brillante Fall-Platten folgen werden.

Daher danke für die letzten 30 Jahre, MES. "There's always work in progress."

Jürgen Schmalz
Steuerberater
München