Anzeige:
Die Box




März 2007
Robert Mießner
für satt.org

Bis ihr platzt
Jowe Head “All You Can Eat”

Jowe Head: Diner as Dinner
Jowe Head: Diner as Dinner

Essen ist fertig. Der Tisch ist gedeckt, nur: Anstelle von Sushi und Fingerfood gibt es einen Menschenkopf, der wieder einen Kopf verschlingt. In Jowe Heads Bildern wird nicht gegessen, es wird gefressen. Grell gezeichnete Janusköpfe, Golems und Zwillingsfiguren kriegen den Hals nicht voll genug. Wenn sie sich nicht gegenseitig verzehren, tragen sie anstelle von Gesichtern Uhren, deren unerbittliche Zeiger die Mundpartie bilden. Eine fremde und seltsame Welt ist es, die Head da erschafft. Nicht von ungefähr erinnert sie an Max Ernst, Paul Klee und Joan Miro. Einflüsse, die er immer wieder gerne anführt, genau so wie die farbenfrohen, expressiven und namenlosen Künstler aus Afrika, Lateinamerika, Ägypten und Tibet, die er so liebt.

Das Groteske ist dem Leser J.G. Ballards und Philipp K. Dicks dabei alles andere als kunstgewerblicher Selbstzweck. Auf seinem Büchertisch liegen genauso Emile Zola und Günter Grass. Head, getauft als Stephen Bird, möchte seine schrille Pop Art deutlich als Sozialkritik verstanden wissen: “Sind wir die Produzenten oder nur die wegwerfbaren Produkte der Gesellschaft?” Er selbst agiert als Produzent seit nunmehr über 30 Jahren. 1976 war es, in Solihull, West Midlands, eingeklemmt zwischen den Metropolen Birmingham und Coventry. Head, Kunststudent aus Leidenschaft und begeisterter Musikfan, hört Can, Van der Graaf Generator, Soft Machine, The Temptations und David Bowie. Beginnt, Gitarre zu lernen und trifft Nikki Sudden und Epic Soundtracks.

Angel Racing Food
Angel Racing Food

Der Rest ist Geschichte, oder besser Legende. Als Swell Maps veröffentlichen sie mit die ersten Aufnahmen dessen, was später als Do it yourself-Ethos, als Punk eine vor sich hin dämmernde Rockszene energisch durchschütteln wird. Nachdem sich die Swell Maps 1980 nach einer Italientour getrennt hatten, spielt Head bei den Television Personalities und den Palookas, nimmt Platten unter seinem eigenen Namen auf. Und malt: Bilder für Platten-Cover, Poster oder Bühnen. Stellt in London, Edinburgh und Glasgow aus. Im vorigen Jahr konnten seine Bilder in der Gruppenausstellung “Paintwork – The Fall” bewundert werden. Jetzt ist es der umtriebigen Galerie Praxis Hagen gelungen, Heads erste Einzelausstellung außerhalb Großbritanniens zu organisieren. Ein Jahr, nach dem wir von Nikki Sudden Abschied nehmen mussten, kommt sein ehemaliger Mitstreiter nach Berlin. Mit neuen Bildern, entstanden in einem wahren Malrausch, wie er selber sagt. Und seiner aktuellen Band, Angel Racing Food. Zu hören werden sein: Jowe Head (Gesang, Gitarre), Lee McFadden (Gitarre, Alternative TV, The Long Decline, Sexton Ming, Subway Sect), Lee Mack (Tenorsaxofon), Marina Young (Bass, The Long Decline) und Jeffrey Bloom (Schlagzeug, Television Personalities, Househunters). Von “Eccentric Mutant Rock” spricht Time Out. Fans und solche, die es werden wollen, werden ausdrücklich ermutigt, noch mehr Beschreibungen zu erfinden. Erscheinen Pflicht.

Die Ausstellung läuft vom 06. bis 22. April 2007, Eröffnung am 05. April, 20 Uhr. Praxis Hagen: Sonnenburger Straße 76 (U/S-Bahn Schönhauser Allee), 10437 Berlin, Mittwoch bis Sonntag, 14.00 bis 18.00 Uhr

Am 07. April spielen Angel Racing Food im westgermany, Skalitzerstr. 133, U-Bahn Kottbusser Tor, 7-8 Euro.


» www.myspace.com/jowehead
» www.myspace.com/leemcfadden
» www.myspace.com/angelracingfood