Anzeige:
Marc Degens: ERIWAN




April 2005
Christina Mohr
für satt.org


Electronicat:
Voodoo Man

Disko B 2005

Electronicat: Voodoo Man
   » amazon
   » electronicat.com

Electronicat:
Voodoo Man



Pressefoto
(Foto: Disco B)

Der Franzose und Wahlberliner Fred Bigot alias Electronicat legt nach 21st Century Toy mit Voodoo Man seine zweite Platte bei Disko B vor und läßt erneut nach Herzenslust Rock’n’Roll, Elektronik, Cryptsound und Horrorfilmmusik zusammenclashen. Schon beim ersten Track Dans les bois werden alle Register gezogen: mit ähnlich krassem und charmanten Akzent wie Francoise Cactus singt Bigot When you wear Leopard skin you're like a Voodoo queen, my soul wanders in trees, and your demons are leaves lost in the jungle ( …), dazu pingpongende, aufpeitschende Maschinenklänge, dass es einen glatt aus den Schuhen hebt. Diese shakende Energie hält sich bis zum Ende, wenn auch einige verhaltenere, ja romantische Stücke wie zum Beispiel Scratch You Baby Bird oder In My Dreams (remember Roy Orbison?) auf der Platte zu hören sind.

Auf Voodoo Man werden alle Archetypen des guten alten Rocka- oder Psychobilly à la Cramps wiederbelebt: Jungle, Voodoo, S/M-Sex, Peitschen, Menschmaschinen, Katzen aller Art (wilde Katzen, Leoparden, sogar "Mummy Cats"), nur klingt Bigot nie "böse" oder gefährlich, sondern sehr liebenswert, das kommt wahrscheinlich durch den französischen Akzent, der auch Wörter wie "kill" und "Massaker" irgendwie niedlich klingen läßt.

Electronicat kann sein Fantum, das T.Rex, David Bowie und – klar – die Cramps und vor allem Lux Interior mit einschließt, kaum verhehlen, andererseits gibt er sich in dieser Hinsicht auch gar keine Mühe. Voodoo Man ist eine eklektische Wundertüte, aus der aus allerlei Versatzstücken des Rock’n’Roll-Universums erstaunliche Sounds entstehen. Die Gitarre (ja, die gibt es auch) klingt wie Duane Eddie mit 20.000 Volt verstärkt, traditionelle Rock’n’Roll-Riffs wie in A Lover's Suitcase werden durch rasante Geschwindigkeitswechsel innerhalb der Stücke kontrastiert, überhaupt wirbelt einen die Platte tempomäßig ganz schön durcheinander – ungefähr wie die Jahrmarktfoltermaschine Twister.

Da Bigot in erster Linie Elektronikfachmann ist, werden technische Finessen aller Art aufgefahren, die Computer bouncen, es maunzt, faucht, miaut, Stimmen werden durch den Vocoder gejagt, ein Soundtrack zu einem echt kranken, aber potenziellen Lieblingsfilm, bei dem Ed Wood und David Lynch gleichzeitig Regie führen.

Rainbow Massaker (schreibt sich tatsächlich so) featured die Stimme von Catriona Shaw aka Miss le Bomb, die sich hier so anhört wie die kleine Schwester von Lydia Lunch, also perfekt für solche Lyrics: Dark and sleazy, glam and sexy, all I want is, aahaah, all I want is rock and shuffle all over you ( …)

Electronicat zelebriert den Glam, ist dabei ungefähr so authentisch wie Billy Idol und kann doch so sehnsüchtig klingen wie Elvis. Bald ist er zusammen mit Stereo Total auf Tour – die sollen gut aufpassen, dass ihnen die elektronische Miezekatze nicht die Show stiehlt!