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Die Box


 

November 2004
Christina Mohr
für satt.org


The Detroit Cobras: Baby
Sanctuary Records/ Rough Trade 2004

Cover
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The Detroit Cobras: Baby


Bandfoto

Die Detroit Cobras sind im Moment der heißeste Scheiß: die Band um Sängerin Rachel Nagy ist schon eine Weile around, ihre ersten Platten, "Mink, Rat or Rabbit" und "Life, Love and Leaving" sind mit Jack Whites Schützenhilfe entstanden und haben mittlerweile Kultstatus (man verzeihe mir das Wort, räusper) errungen. Die neue, Baby., ist jetzt bei Rough Trade erschienen und wird die Fangemeinde der Cobras noch mal gewaltig vergrößern. Dabei ist die Band um Sängerin Rachel Nagy ein völliger Anachronismus, eine reine Coverband außerdem – die Detroit Cobras spielen ausschließlich Rock'n'Roll und Rhythm'n' Blues-Stücke, am liebsten obskure B-Seiten von Singles, die sie auf ihren Streifzügen über die Flohmärkte dieser Welt ergattern.

Aber offenbar hat die Welt genau darauf gewartet: auf Rock'n'Roll und zwar solchen, der auch meinem Vater gefallen würde, unverfälschter, schnickschnackfreier, old-school-Rock'n'Roll mit deutlichen Blueselementen. Dass das ganze nicht traditionell, unmodern oder gar konservativ rüberkommt, dafür sorgt die aufregend heisere Stimme von Miss Nagy, die im übrigen –zig specknackiger und schmalztollenfeaturende Rockabillys in Frankfurt in Extase versetzte. Rachel Nagy macht die Musik sexy und holt aus den Songs überraschendes heraus. So zum Beispiel aus der Ballade It's Raining", die ich noch sehr gut in der Version von Shakin’ Stevens in Erinnerung habe, und das war damals ja auch schon eine Coverversion. Die Detroit Cobras befreien das Stück von jeglichem Schmalz, liefern also den Gegenentwurf zu Shakys Interpretation aus den seligen Achtzigern.

Baby. ist ein wenig glatter und gefälliger produziert als die Vorgänger, rauscht aber dennoch saftig in die Gehörgänge und macht gewaltig viel Spaß, vor allem "I Wanna Holler (But the Town's Too Small)" und "Hot Dog (Watch me Eat)". Der Sound ist durchgehend kräftig, energetisch und satt, auch bei den langsameren Stücken, das Schlagzeug rumpelt, und bei einem Stück hört man die Band im Background sogar jodeln (sucht mal, bei welchem!). Perfekt für die Party daheim oder das schweißtriefende Cluberlebnis. Die Detroit Cobras rocken jedes Haus.