Anzeige:
Die Box


 

Oktober 2004
Christina Mohr
für satt.org


Vanishing:
Still Lifes are Failing

Fatal Recordings 2004

Vanishing: Still Lifes are Failing
   » amazon

Vanishing:
Still Lifes are Failing


Horror Disco


Bandfoto

Vanishing haben bereits 2003 eine Platte veröffentlicht, "Songs for Psychotic Children", die völlig an mir vorbeigegangen ist und die ich mir jetzt schleunigst besorgen werde, denn Vanishings Achtziger-Postpunk-Wave à la Au Pairs, Chrome, Crass oder gar Suicide mit einer Sängerin, die laut Bandinfo klingt wie "a deranged Cyndi Lauper" oder "Josephine Baker on speed" hat mich in nullkommanix angefixt und zwar schwer. Bis jetzt werden Vanishing in erster Linie von der sogenannten "Schwarzen Szene", will sagen, Gruftis wahrgenommen und supported; wenn es nach mir ginge, soll es dabei nicht bleiben. Der Sound der Platte klingt zwar wie aus einer lang vergangenen Zeit, in der die Begriffe "Synthie", "kühl" und "Berlin" noch eine durchgehende Assoziationskette bildeten, ist aber definitiv für heutige Tanzflächen bestimmt. Für Berlin scheint die Band eine besondere Vorliebe zu hegen, die neue Platte, "Still Lifes are Failing", ist auf Hanin Elias‘ Label Fatal Recordings erschienen, Elias steuert auch einen Remix des Titelsongs bei, und zu keiner Stadt scheint die Platte besser zu passen als nach Berlin – Großstadtmusik, die das Berlin der Vorwendezeit, die morbide Faszination ausstrahlende Mauerstadt als Kulisse benutzt.

Vanishing wurde 2000 von Jesse Eva und Brian Hock aus den Überresten der Bands Knives und Subtonix (eine All-Girl-Darkwave-Band) gegründet; auf der ersten Vanishing-Platte spielte die Sängerin noch Baß, bei den Aufnahmen für "Still Lifes …" entdeckte sie ihre Liebe für das markante Achtziger-Wave-Saxofon, das besonders bei Songs wie "Your Image" und "Idle Eyes" für Akzente sorgt. Das erste Stück der Platte, "Lovesick" erinnert an frühe Siouxsie & the Banshees, düster, metallisch, die Stimme von Jesse Eva im Wechselbad von Distanz und Hysterie. Treibender Discobeat und metallische Elektrosounds entwickeln eine durchgängig tanzbare Sogwirkung, das siebte Stück, das Instrumental "8.18" fällt durch den hypnotischen Einsatz einer Synthie-Drum-Kombination aus dem Rahmen, wirkt meditativ und eindringlich zugleich – wer oder was soll hier wohl beschworen werden? Bin gespannt, wo es Vanishing noch hinführt, meine Erwartungen sind hoch!