Es hat sich nicht wirklich was geändert bei den top old boys, es gibt noch mehr Northern Soul, mehr Stax-Soul, mehr Energie, mehr Rock`n`Roll, mehr Orgel, … das Cover verspricht "The Dynamic Sound of Superpunk" und verweist auf Motown, Stax und Phillysound. Superpunk zeigen wieder mal, was alles geht: aus Hamburg (oder München!!) kommen und trotzdem Soul haben; Polohemden zu tragen und trotzdem Punk sein; einfach und bodenständig zu sein, ohne den Proll raushängen zu lassen und höflich und freundlich zu sein, ohne ein Schleimer zu sein. Im Jungskosmos von Superpunk, der allerdings auf keinen Fall mit einer tumben Brüderschaft wie der Toten Hosen in einen Topf geworfen werden sollte, wird zusammengehalten, man richtet sich gegenseitig wieder auf und dazu darf heftig getanzt werden, angefeuert von Carsten Friedrichs raubeinigen Rufen "Hört mir zu", "Ja!", etc. Es ist auch okay, wenn einer der Brüder/Kollegen/Kumpel mal Mist gebaut hat: "Sie haben Dich erwischt, doch ich bin trotzdem stolz auf Dich/ Nein, Du bist kein Idiot/ Du hast einfach Pech gehabt" (Wenn Du wieder rauskommst) – man wartet aufeinander, Freundschaft wird nie in Frage gestellt, nein, Superpunk nehmen Dich in den Arm und klopfen Dir auf die Schulter: "Tu einfach Dein Bestes und mach Dir keine Sorgen/ Tu am besten so, als sei nichts gewesen, ich werde vorbeikommen / und Dich auflesen" – wer solche Freunde hat, darf glücklich sein. Außer der Scheiße, die von draußen halt immer wieder reinkommt, wird Dir nichts schlimmes passieren. Superpunks große Leistung besteht darin, Soultexte unpeinlich eins zu eins ins Deutsche zu übertragen, das liest sich beispielsweise so: "Und ich gehe zum Bahnhof und frag einen Mann/Ob er einen Ort kennt, wo ich atmen kann/Und ich kauf mir ein Ticket und es bricht mir das Herz/Doch ich muß raus aus dieser Stadt" ("Raus aus dieser Stadt") oder so: "Ich ging zum Apotheker/und er beriet mich gut/ich ging zum Apotheker/und er beriet mich gut/doch keine seiner Pillen/kann die Leere in mir füllen/nur ein kleines bißchen Seele jetzt" ("Ein bißchen Seele").
Der Superpunk-Mann ist zu gutherzig, um seine schwierige Freundin zu verlassen (im Song "Bitte verlaß mich"), weil er weiß, daß sie sich dann die Pulsadern aufschlitzen würde, "Und deshalb bleibe ich statt zu gehen". Kein Wunder, daß man deshalb die Kumpel aus den anderen Songs braucht, die aber vor gelegentlichen Anfällen von Depression auch nicht vollständig schützen können (Ich mag den Mann nicht, der ich bin); diese Phasen können aber bewältigt werden, das wissen Superpunk und retten Dich mit ihrer Anti-Angst-Hymne "Die Bismarck": "Ich bin nicht größenwahnsinnig und ich kenne meine Grenzen/ doch ich bin gekommen, um die Bismarck zu versenken". Superpunk zitieren auch gern mal andere Leute, Zeilen wie "Jeder Tag ist wie ein Sonntag hier/so grau und still" ("Raus aus dieser Stadt") dürfte manchem bekannt vorkommen. Doch es nützt nichts, nach feuilletonistischer Goldgräber- bzw. Klugscheißermanier auf Zitatsuche zu gehen. Superpunk legen keine Kieselsteine aus, die zum Lebkuchenhaus der tieferen Bedeutung führen – es ist klar, daß sie Morrissey mögen, also kommt er auch im Lied vor. Ebenso falsch wäre es, über die simpel gestrickten Texte, die den "einfachen Mann" repräsentieren, einen politisch-diskursiven Überbau zu legen (mal abgesehen davon, daß sie das selbst nicht wollen). Superpunk sprechen klar, und Ihr sollt sie alle verstehen. Das Simple und Einfache war schon immer am schwierigsten zu finden, Ihr solltet es wertschätzen.
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